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Kontensystem für Beziehung

Unkraut.

Die unliebsamen Pflanzen sprießen so schnell aus dem Boden wie Sebastian Vettel um die Kurve fährt. Deine einzige Möglichkeit? Beete anlegen und Dich um Deinen Garten kümmern.

Früher war das noch einfacher, da hattest Du lediglich ein paar Pflänzchen in einem Kübel auf Deinem Balkon.

Doch seitdem Ihr in das neue Haus gezogen seid, steht viel mehr Grünzeug im Garten hinter den eigenen vier Wänden.

Wenn Dir ein Gärtner zu teuer ist und nicht alles zuwuchern soll, dann musst Du Dich darum kümmern. 

​Genau so sieht es auch mit Euren Finanzen aus:

Wie Pflanzen mit Geld zusammenhängen

​Als Du noch alleine gelebt hast, war das kein Problem. Du hattest ​ein Konto, vielleicht auch zwei oder drei.

Mit einem gemeinsamen Haushalt, der doppelten Anzahl an Konten und der Ungewissheit was die Zukunft bringt, kann aus dem kleinen Durcheinander ein problematisches Chaos werden.

Doch wie bekommt Ihr diese Vergrößerung in den Griff und wir könntet Ihr der chaotischen Situation vorbeugen?

Wir stellen Euch unser Haushaltskonto-System vor und erklären Schritt für Schritt unseren Aufbau für eine faire und (finanziell) erfolgreiche Beziehung!

Diesen Artikel hat Mike für Dich verfasst.


Der richtige Kniff für Euer Haushaltskonto

​Die Organisation der Kontenstruktur kann eine Herausforderung für Single-, Paar- oder Familienhaushalte sein. Mehr Haushaltsmitglieder bedeutet in den meisten Fällen auch mehr Konten.

Mehrere Konten bergen die Gefahr, dass zu viel Geld ausgegeben wird, da wir unser eigenes Vermögen überschätzen.

Dazu hat Claudia Hammond in Ihrem lesenswerten Buch Erst denken, dann zahlen*​ eine Vielzahl an Studien dargelegt.

Selbst bei drei Konten geht die Übersicht flöten und wir geben mehr Geld aus als wenn wir lediglich ein einziges Konto hätten.

Doch, wenn wir uns mit einem Girokonto ohne oder gar negativ Zinsen nicht begnügen wollen, benötigen wir mehrere Konten.

​Doch wie können wir diese Zwickmühle auflösen?


Hosen runter: Unsere Struktur unseres Haushaltskontos

Schon im Artikel Vermögen aufbauen: 12 Schritte zu organisierten Finanzen in Eurer Beziehung​ haben wir auf die unterschiedlichen Möglichkeiten hingewiesen, welche grundlegenden Varianten es für organisierte Finanzen als Paar geben könnte.

Heute zeigen wir Euch, wie sich unser Konten-System über den Verlauf unserer Beziehung entwickelt hat - so könnt Ihr für Euch, das Modell entwickeln, das für Eure individuelle Situation am besten passt:


Unsere Basis - Haushaltskonto Stufe 1

Wir haben uns individuell für ein drei Kontensystem entschieden: Jeder hält ein Geldeingangs- und Rücklagenkonto und gemeinsam führen wir ein Geldausgangskonto.

Kontenstruktur als Paar

Unser Gehälter und sonstige Einkünfte landen auf dem jeweiligen Geldeingangskonto.

Von diesem zweigen wir etwa 50 % ab und packen es in unsere individuelle Rücklage - direkt am Monatsanfang. Dies ist unsere Versicherung bei Arbeitslosigkeit oder sonstigen Zwischenfällen des Lebens genügend Geld für laufende Ausgaben zu besitzen.

Weitere 20 % fließen auf unser gemeinsames Ausgabenkonto. Davon zahlen wir Miete, Essen, Internet, gemeinsame Versicherungen, Rundfunkgebühren und gemeinsame Freizeitaktivitäten.

Die übrigen 30 % stehen für individuelle Ausgaben zur Verfügung oder werden in Schritt 2 für Investitionen genutzt.

Mit diesem System begannen wir, nachdem die Zettelwirtschaft und gegenseitiges Aufrechnen nicht mehr funktioniert haben. Seit Beginn ​nutzen wir das kostenlose Girokonto der DKB und sind hochzufrieden mit den Leistungen.

Dort bekommen wir zu unserem Girokonto eine kostenlose Kreditkarte, welche gleichzeitig als Tagesgeldkonto fungiert und als unser individuelles Rücklagenkonto herhält. Beide haben mit individuellen Log-In Daten Zugriff auf individuelle Konten sowie das gemeinsame Konto.

​Ihr wollt auch ein Gemeinschaftskonto anlegen? Das kostenlose ​Konto der DKB empfehlen wir sehr gerne weiter: Das Konto für zwei - DKB-Cash Gemeinschaftskonto*

​Individuelle Investitionen - Haushaltskonto Stufe 2

Im zweiten Schritt kamen bei uns ​individuelle Investitionen hinzu als wir in unseren Jobs durchstarteten und nicht mehr von Studentenjobs leben mussten.

Zur Vereinfachung habe ich unsere Sparpläne mit in diesen Schritt aufgenommen.

Finanzen als Paar organisieren

Wenn Du unseren Blog aufmerksam liest, weißt Du, dass unsere Sparpläne erst Ende 2015 das Licht der Welt erblickt haben. Unsere individuellen Investitionen laufen hingegen eine geraume Zeit länger.

​Heute würden wir direkt mit ETF-Sparplänen beginnen, weshalb dieser Aufbau durchaus sinnvoll ist und das Depot vorher nicht benötigt wird. 

Für Schritt 2 haben wir 20 % unserer Sparquote aus den Rücklagen in unser ETF-Depot​ verschoben. 

Da wir von unseren 30 % - welche im ersten Schritt auf dem Eingangskonto verweilten - weit über die Hälfte übrig hatten, entschlossen wir uns diesen Anteil ebenfalls zu investieren.

Korrekterweise müsste noch eine gestrichelte Linie von unserem Rücklagenkonto ins Depot führen. Ab einem bestimmten Betrag - etwa dem 5-fachen Nettoeinkommen - ist das Konto voll. ​Dieses übrige Geld nutzen wir ebenfalls für Investitionen.


Das gemeinsame Depot - Haushaltskonto Stufe 3

Mit wachsendem Vertrauen und fortschreiten unserer Beziehung entschlossen wir uns Transaktionskosten einzusparen und unsere Investitionen zusammen zu legen.

Gemeinsam Investieren als Paar

2016 stellten wir fest, dass unsere Investitionsgedanken sehr ähnlich sind. Wir entschieden uns eine gemeinsame Strategie zu entwerfen und nach dieser zu handeln. Heraus kam unsere Adaption der Levermann Strategie.

Damit konnten wir Kosten wie Ordergebühren und Zeit für Recherchearbeit einsparen. Unter dem Strich ist es vor allem wertvolle Lebenszeit, die wir hier zurückgewinnen konnten.

Bereits gehandelte Werte verblieben in den Einzeldepots und werden nach und nach verkauft, sofern sich die Gelegenheit bietet. 

Alle drei Depots haben wir seit Jahren bei der Consorsbank. Besonders praktisch ist, dass Steuern im gemeinsamen Depot direkt 50:50 aufgeschlüsselt werden und wir beide mit unserem individuellen Login die gemeinsamen Aktien und die jeweiligen individuellen Werte auf einen Blick sehen. 

Wollt Ihr auch ein gemeinsames Depot eröffnen? Wir empfehlen aus eigener Erfahrung das Depot bei der Consorsbank:

Sparplan

​Gemeinsame Rücklagen - Haushaltskonto Stufe 4

Dies ist gleichzeitig die bisher letzte bzw. finale Stufe. In unserer bisherigen Entwicklung haben wir unsere Ausgabenseite nie verändert. Nach wie vor verlassen etwa 20 % unseres Geldeingangskonto in Richtung gemeinschaftliches Ausgabenkonto. 

Gemeinsames Rücklagenkonto

Nach unserer Eheschließung haben wir uns entschlossen, ein gemeinsames Rücklagenkonto zu etablieren. Wieso?

Mit weiteren potenziellen Lebensereignissen wie Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit oder Unfällen kann es passieren, dass einer von uns für einen begrenzten Zeitraum ein geringeres Einkommen hat als der Partner.

Dem wollen wir vorbeugen, sodass wir 10 % unserer Einnahmen in ein gemeinsames Rücklagenkonto legen. Auf diese Weise wollen wir zukünftigen Missverhältnissen vorbeugen und mögliche Diskussionen vermeiden. Dazu gleich mehr.

Haushaltskonto in der Beziehung: Vor- und Nachteile unseres Systems

Wir dachten viel über unser Konstrukt für unsere Einnahmen und Ausgaben nach und für uns bedeutet es, in der aktuellen Lebenssituation die optimale Lösung.

Die Vorteile überwiegen für uns eindeutig. Uns ist gleichzeitig bewusst, dass ein derartiges System auch mit Nachteilen behaftet ist.

Doch wie sehen die Vor- und Nachteile unseres Kontensystems genau aus?

Vor- und Nachteile unseres Kontensystems


Langfristige Fairness in der Beziehung

Dies ist der wichtigste Vorteil unseres Haushaltskonto-Systems. Wir sind guter Dinge, dass unsere Ehe auch die nächsten 100 Jahre wachsen und gedeihen wird. Dies denken vermutlich fast alle Paare, die heiraten.

Dennoch liegt die Scheidungsquote bei aktuell 50 Prozent. Wie kann das sein?

Überschätzung: "Uns passiert sowas!" - "Ja, aber das gilt nur für andere!"

Bei 50 % sind wir uns bewusst, dass auch wir darunterfallen können - denn wir besitzen keine Glaskugel und können nicht vorhersehen, wie die nächsten Sekunden, Tage oder Jahre für uns aussehen werden.

Dies bedeutet, dass wir unnötige Diskussion bei Veränderungen in unserem Leben vermeiden wollen.

Vorteil:​

​Durch unser Konstrukt sorgen wir dafür, dass jeder einzelne in guten Zeiten mehr auf das Haushaltskonto einzahlt und in schlechten weniger.


Anschaffungen bei (un)geplanten Einkommensausfällen

Das Vermögen auf dem gemeinsamen Rücklagenkonto gehört uns jeweils zu 50 Prozent.

Zukünftige Anschaffungen werden wir von diesem Konto bezahlen. Darunter fallen vor allem größere Beträge für Möbel oder Haushaltsgeräte.

Momentan ist unser monatliches Einkommen fast identisch, sodass wir Anschaffungen auch ohne gemeinsames Konto 50/50 aufteilen könnten und würden.

Nun kann sich unsere Situation von heute auf morgen verändern: Arbeitslosigkeit, Unfälle oder Schwangerschaft und anschließende Elternzeit führen (schnell) zu Einkommensausfälle. Einer von uns wird deutlich weniger verdienen und 8 Wochen später geht die Waschmaschine kaputt.

Die Einkommensverhältnisse sind nicht mehr 50/50 sondern 90/10 - wer bezahlt jetzt wie viel an der Waschmaschine? Richtig - es gibt keine Patentlösung und egal, welches Resultat - es wird sich vermutlich unfair anfühlen.

Das wollen wir vermeiden. Daher fließen 10 % unserer Einnahmen auf das gemeinsame Rücklagenkonto. Im Fall des Falles zahlen wir die anfallenden Kosten davon und die Gegenstände gehören uns dennoch 50:50.

Vorteil:

Die Diskussion fand in ruhigen Zeiten statt. In schlechten Zeiten können wir uns auf Lösungen für vorhandene Probleme konzentrieren. Beide haben das Gefühl fair behandelt zu sein.


Klare Definition für mehr Fairness bei Trennung

Wie geschrieben, nehmen wir uns aus der aktuellen Scheidungsquote nicht aus. Dies bedeutet nicht, dass wir planen uns zu trennen. Lediglich akzeptieren wir, dass sich unsere Lebensumstände (dramatisch) ändern könnten.

Alles in einen Topf zu werfen, kann eine romantische Vorstellung sein, für uns bedeutet es eine Einschränkung, die wir nicht eingehen wollen.

Mit unserem Kontensystem ist klar definiert, welches Konto und welches Vermögen Marielle besitzt und welches meinem Eigentum zugeschrieben ​wird.

Kommt es hart auf hart, hat jeder von uns seinen Wohlfühlbetrag, über den er auch in schwierigen Situationen frei verfügen kann.

​Vorteil:

Sollten wir irgendwann auseinander gehen, können wir auch die finanziellen Töpfe relativ einfach wieder trennen.

Klingt das fair für Dich?


Diversifikation schadet der Übersichtlichkeit - das kostet Geld!

Hast Du gezählt, wie viel Konten wir in dieser Struktur besitzen?

In der letzten Darstellung erkennst Du 6 Konten und 3 Depots. Jedes Depot hat ein weiteres Verrechnungskonto, auf dem wir Geld parken, wenn wir Aktien kaufen oder verkaufen.

In Summe macht das 12 Konten auf denen potenziell Geld liegt und 9 Konten auf denen unser Vermögen aufgeteilt ist.

Dies führt dazu, dass wir nicht mehr auf einen Blick erkennen​, wie viel Geld wir alleine oder zusammen besitzen. Du denkst, das sei nicht so schlimm?

​Nachteil:

Menschen tendieren dazu, ihr Vermögen zu überschätzen, wenn es auf mehreren Konten verteilt ist. In Gedanken besitzen wir mehr Geld als auf unserem Konto. Das wirkt sich auf unser Konsumverhalten aus.

Wenn wir denken, dass wir mehr besitzen, geben wir mehr aus - logisch oder?


Unsere Lösung: Ein Haushaltsbuch!

Monatlich erfassen wir unsere Einnahmen, Ausgaben und unsere Vermögensstände. Wir fassen unsere 12 Konten einmal monatlich auf ein Konto bzw. in einem Excel-Dokument zusammen.

Jetzt wissen wir, wie hoch unser Vermögensstand ist und müssen beim Konsumieren nicht raten! Raffiniert - aber wie funktioniert das am besten?

Tobias Lindner und Lars Wrobbel haben dazu Geld sparen mit dem perfekten Haushaltsbuch geschrieben*​. Wir können es wärmstens empfehlen​ und hatten die leidenschaftlichen Sparer auch schon im Hörspiel der besten Finanzbücher zu Gast.

​Finanzüberblick für Paare -
Das Workbook für Euer Geld

​Erfahrt alles über mögliche Kontenmodelle und das Führen eines Haushaltsbuchs als Paar. Lernt, wie Ihr Euer Budget aufstellen und Eure Finanzen langfristig im Blick behalten könnt. Setzt alles direkt mit dem Workbook und inkludierten Budgetierungstool um.

Finanziell erfolgreicher in der Beziehung

Unser Haushaltskonto-System sorgt für Transparenz und Vertrauen - für uns noch bedeutender ist die Zusammenarbeit.

Wir schreiben ausführlich über unsere gesetzten Ziele. Eines davon ist der gemeinsame Vermögensaufbau, um unabhängiger agieren zu können.

Sowohl die vorgestellte Kontenkonstrukt als auch das Haushaltsbuch halfen uns den Turbo zu zünden. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang und behalten dabei die Übersicht. 

Nachvollziehen kannst Du dies in unseren Monatsabschlüssen.

Finanzstark als Paar

Hier verzeichnen wir regelmäßig neue Höchstmarken und kommen somit unseren Zielen näher und näher.

Gleichzeitig kann jeder von uns auch mal eigene Wege gehen - so investiert Marielle in Crowdinvesting-Projekte und wir besparen unterschiedliche ETF-Sparpläne für unsere Altersvorsorge.

Hätten wir alles Geld in einem Topf wäre dies nur schwer möglich, wenn wir uns gleichzeitig das Gefühl von Transparenz und Fairness gegenüber dem Partner erhalten wollten.

Die dennoch vorhandenen gemeinsamen Konten dienen der Praktikabilität im Alltag​. Die totale Offenheit (nicht nur bzgl. der Finanzen) gegenüber dem Partner führt zu einer perfekten Vertrauensbasis und schlussendlich erfolgreicherem Vermögensaufbau - gemeinsam als auch für jeden individuell.


Fazit zu unserem Haushaltskonto-System

Unser Kontensystem ist von einer strengen Trennung hin zu absoluter Offenheit gewachsen. Dieser Prozess hat einige Jahre und Beziehungs-Meilensteine gedauert. 

Unsere Lösung mag auf den ersten Blick kompliziert erscheinen. Unser Haushaltskonto ermöglicht uns eine faire und erfolgreiche Beziehung in Finanzangelegenheiten.

Jedes Paar braucht das beste System für den eigenen Alltag und die individuelle Situation.

Einmal eingerichtet, empfinden wir unsere Lösung als praktikabel. Dennoch wird das System sicherlich nicht für immer so aussehen, sondern sich wie in den letzten Jahren auch kontinuierlich weiterentwickeln - so wie sich die Prioritäten in unserer beider Leben fortlaufend verändern.

Wie sieht Euer Haushaltskonto aus? Und was hältst Du von unserem System?

​Erfahrt ​mehr über Geld und Liebe und sichert Euch das kostenlose Haushaltsbuch für Paare als Dankeschön

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18 Gedanken zu „Haushaltskonto: Unsere Lösung für eine faire und erfolgreiche Beziehung

  • 11. November 2017 um 23:04
    Permalink

    Unsere Lösung ist euer ähnlich bzw. wird auf Dauer auf eure hinauslaufen. Wir haben unser eigenes Giro-Konto und ein Gemeinschaftskonto. Sparen läuft bei uns getrennt. Mit der Ehe mischen sich die Karten sicherlich noch mal, sodass wir gemeinsam Rücklagen bilden werden.

    Antworten
    • 15. November 2017 um 21:03
      Permalink

      Hi Jenny,
      genau an dem Punkt sind wir grade vorbei – die Karten haben sich mit unserer Eheschließung etwas neu gemischt; der nächste Schritt wird dann das erste Kind sein, wenn es irgendwann soweit ist. Wichtig ist, wie immer, dass man sich immer austauscht um die gemeinsam beste Lösung für beide Seiten zu finden.
      Liebe Grüße
      Marielle

      Antworten
  • 13. November 2017 um 18:55
    Permalink

    Das mit der „fairen Lösung“ mit dem Mehrkontenmodell im Trennungsfall wird nicht funktionieren. Da ist zuerst mal der Gesetzgeber vor, falls nicht ein notarieller Ehevertrag vorliegt. Ich empfehle dazu als abschreckendes Beispiel Jan Fleischhauer – Kolumnist des SPIEGEL und Bestsellerautor. Sein neuestes Buch über seine Ehescheidung „Alles ist besser als ein Tag mit dir“ zeigt deutlich, wie auch gebildetete, intelligente Gutverdiener in die materielle Schlammschlacht verfallen und sich dabei ruinieren können.

    viele Grüße
    Marion

    Antworten
    • 15. November 2017 um 21:10
      Permalink

      Hallo Marion,
      von dem Buch habe ich auch schon gehört und ein Interview mit Jan Fleischhauer bei Markus Lanz gesehen. Klingt sehr unterhaltsam und gleichzeitig wahrscheinlich lehrreich 😉 Genau wegen solcher Situationen macht eine regelmäßige Evaluation der Situation und des Ehevertrages ja auch Sinn. Damit die erarbeitete Lösung fair bleibt und offiziell dokumentiert und damit umsetzbar ist.
      LG
      Marielle

      Antworten
  • 15. November 2017 um 11:31
    Permalink

    Hallo Ihr Lieben,
    danke für eure Aufstellung. So haben wir es zu Beginn unserer beziehung auch gemacht. Schwierig wurde es dann bei Besitztümern mit Verschleiß, sprich in unserem Fall ein Oldtimer. Dieser gehört mir, wir fahren jedoch natürlich zusammenb. Und schon stellt sich die Frage: was wird gemeinsam gezahlt, was bezahle ich. Unsere Einigung war damals: Verschleiß- und Betriebsstoffe gemeinsam, Wertsteigerung (Restauration, besondere zusätzliche EInbauten, etc.) zahle ich.
    Nun sind wir verheiratet und alles ist eine Zugewinngemeinschaft. Damit verschwimmen die Grenzen wieder etwas mehr. Und dann kommen noch Kinder hinzu und es wird unglaublich schwierig. Private Krankenversicherung mit all ihren Beiträgen und Rechnungen, Kindergeld, Elterngeld, etc. Vielleicht noch an den Partner geliehenes Geld von vor der Ehe. Und schwupps – Chaos!
    Wir überlegen daher derzeit wirklich hin und her, ob wir nicht unsere Kontenstruktur auflösen sollen. Unsere derzeitige Idee: ein Eingangskonto für alle Einkünfte, Ausgaben, etc. und jeder behält ein „Spielkonto“ mit einem festen (oder doch prozentual? aber wie berechnen?) monatlichen Betrag. So muss kann jeder Weihnachtsgeschenke kaufen, ohne dass am Kontoauszug bereits die Überraschung dahin ist 😉
    Und klar, Altervorsorge, Anlageprodukte, etc. werden gemeinsam entschieden.
    Liebe Grüße,
    Tina

    Antworten
    • 15. November 2017 um 20:51
      Permalink

      Hallo Tina,

      vielen Dank für den Einblick in Euren finanziellen Werdegang!
      Das mit der Aufteilung der Kosten für Deinen Oldtimer finde ich sehr interessant. Wir haben ähnliche Gedanken bei unserer Wohnung. Diese wurde von meiner Mutter gekauft und inzwischen an mich überschrieben. Die (geringe) Miete (mit der meine Mutter aktuell den Kredit noch zu Ende abbezahlt) teilen wir uns 50:50 – obwohl die Wohnung am Ende ja mir gehören wird und Mike „nichts“ davon hat. Bisher teilen wir zusätzliche Ausgaben (Wandfarbe oder andere Kleinigkeiten) ebenso 50:50 – immer mit dem Argument, dass er ohnehin nicht so günstig in unserer Gegend mieten könnte, wenn es keine Eigentumswohnung wäre. Aber was passiert, wenn vielleicht doch irgendwann eine größere Investition ansteht, haben wir auch schon überlegt und diskutiert. Im Moment tendieren wir weiter zu 50:50, aber mal sehen wie es dann in der Situation selbst wird. Genauso im Fall, dass wir die Wohnung irgendwann verkaufen – gehört dann mir alleine der Gewinn, da es meine Wohnung ist oder kommt der Erlös aufs gemeinsame Rücklagenkonto / fließt in gemeinsame Neuinvestitionen?
      Ich denke, dass Du völlig Recht hast, dass sich die Situation mit Kindern und allem was dann folgt noch einmal deutlich ändern kann. Derzeit kann ich mir nicht vorstellen die Trennung in „mein Geld“ und „sein Geld“ aufzuheben – aber wer weiß was das Leben noch bringt.
      Aus meiner Sicht ist es einfach wichtig, dass man darüber redet und jede neue Situation auch wieder neu evaluiert. Aber das scheint bei Euch ja kein Problem zu sein! Ich wünsche Dir / Euch, dass Ihr Euch diese Offenheit erhalten könnt und weiterhin gute gemeinsame Entscheidungen fällt.
      Liebe Grüße
      Marielle

      Antworten
  • 15. November 2017 um 22:39
    Permalink

    Toller Artikel! Machen wir größtenteils auch so.

    Aspekt zum Ergänzen: du schreibst, ihr habt fast 50/50 Einkommen, aber was wenn man das nie hatte (wie nicht unüblich zwischen „Durchschnittsmann/-frau“ wegen Branchen und sonstigen Unterschieden? Oder was, wenn es später (einer steckt zurück mit Kind, Teilzeit,..etc.) viel länger so bleibt, als man sich heute vorstellen kann? Und damit die 50/50 Verteilung möglicherweise eher eine Ausnahme als die Regel ist.

    Das wirft nochmal die ganz neue Frage auf: was ist mein/dein/unser, was ist für uns in der Beziehung Gleichberechtigung, wird immer noch 50/50 geteilt? Einnahmen und Ausgaben? Oder prozentual nach Einkommen, wobei der Weniger-Verdiender dann auch immer absolut gesehen weniger Geld zum Sparen zur Verfügung hat? Nach meiner Meinung gibt es im Optimalfall eine Haushalts-Gesamtsumme nach Ausgaben für Beide, die 50/50 geteilt, egal wieviel man zur Gesamtsumme beigetragen hat. Dann kann jeder gleichviel Sparen etc. und das hat evt. nochmal Auswirkungen auf das Kontenmodell.

    Das ist für mich die oberste Frage, die es beim gemeinsamen Geld-Umgang zu klären gilt und um die ihr noch drumrumgekommen seit bisher 😉

    Antworten
    • 16. November 2017 um 07:36
      Permalink

      Guten Morgen Sonja,

      vielen Dank für Deine Gedanken. Wir sehen das genauso und haben uns daher beim Rücklagenkonto für eine prozentuale Einlage entschieden. Das Geld was auf diesem Konto liegt, gehört uns allerdings 50/50, auch wenn der Einlagenstrom bei 80/20 oder 99/1 liegen sollte.

      Unsere Haushaltskosten haben sich seit Beginn nicht verändert und sind extrem niedrieg, weshalb wir hier (noch) keine Notwendigkeit der Anpassung sehen. Vermutlich ändert sich dies allerdings mit dem nächsten Umzug.

      Seid Ihr denn schon an diesem Punkt angekommen und wenn ja, wie habt Ihr es für Euch gelöst?

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
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  • 20. Oktober 2018 um 10:47
    Permalink

    Wie sieht das aus wenn der eine 2250 € verdient und der andere 3000€? Steuert dann jeder seine 50% dazu? Ich finde das irgendwie nicht richtig, es sollte immer alles 50/50 aufgeteilt werden (also wenn etwas 100€ kostet sollte jeder 50€ zahlen). Ich kann ja nichts dafür, dass ich mehr verdiene.

    Antworten
    • 20. Oktober 2018 um 21:04
      Permalink

      Hallo und danke für Deinen Kommentar.

      Schlussendlich geht es beim Haushaltsbuch im ersten Schritt sich als Paar über diese Punkte Gedanken zu machen und gemeinsam auf eine Lösung zu kommen. Was ist für Euch fair? Was fühlt sich richtig an? Wie seid Ihr beide zufrieden?

      Ob Ihr 50/50 macht, ob Ihr prozentual hinzugebt, ob Ihr es eventuell mischt ist zunächst zweitrangig. Wichtig ist die Berücksichtigung Eurer beider Gedanken.

      Was mich ehrlich gesagt erschreckt, ist allerdings Deine Aussage, dass Du nichts für Dein Gehalt kannst. Wenn dies der Fall wäre, obliegt es dem puren Zufall, ob mein Jahresgehalt bei 500 Millionen, 500 Tausend oder 50 Tausend Euro liegen würde. Dies mögen drastische Schritte sein, genauso verhält es sich allerdings, ob du 2250 oder 3000 Euro monatlich verdienst. Ausbildung, Verhandlung, Erfahrung und so weiter spielt in diese Entscheidung hinein.

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
  • 7. Juni 2019 um 22:27
    Permalink

    Hallo,

    euer Beitrag hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht und auch wertvolle Anregungen bezüglich Fairness und individueller Entscheidungsfreiheit. Wir haben jetzt ein paar Tage darüber nachgedacht und versucht es aufzumalen unter unseren Rahmenbedingungen – 1 Vollverdiener, 1 Teilzeitverdiener, 2 Schulkinder, d..h. 2 ungleiche Einkommen (1/3+2/3)

    Dabei kam die Idee, das etwas zu umzudrehen. Die Einnahmen gehen nicht auf das Einzelkonto des jeweiligen Partners, sondern auf das Gemeinschaftskonto. Von dort fließt dann ein gleicher Fixbetrag auf jedes der beiden Einzelkonten zur weiteren individuellen Verwendung (eigenes Aktiensparen, indiv. Konsum usw.). Dazu kommt noch ein weiterer Fixbetrag den jedes Kind auf sein Juniordepot für einen Sparplan erhält.

    Das gemeinsame Eingangskonto ist dann auch für solche Dinge wie Erstattung vom Finanzamt, Kindergeld, Geschenke der Eltern die beide betreffen usw. Auch die gemeinsam beschlossenen Ausgaben wie Familienurlaub oder Miete/Immobilienfinanzierung werden von diesem Konto bestritten.

    Der Rest wie gehabt, individueller Konsum+Investitionen vom Individualkonto

    Was meint ihr dazu – es löst einige praktische Verteilungsprobleme bei Familien mit Kindern und ungleicher Einkommenssituation oder habe ich etwas übersehen?

    PS: einen Punkt gibt es der sich systembedingt leider nicht auflösen lässt – Rentenbeiträge und Arbeitgeber-Aktiensparen sind direkt einkommensabhängig und damit abweichend

    Danke, Andre

    Antworten
  • 8. August 2019 um 08:25
    Permalink

    Gute Anregungen dabei, wir sind aktuell auch ein wenig in der Findungsphase. Zur Zeit haben wir ein Haushaltskonto für Lebensmittel (und ab und zu mal Essen gehen). Darauf geht ein fixer Betrag. Leider sind wir beide zu Faul die Karte mitzunehmen sodass ich mich einmal im Monat hinsetze und das Geld entsprechend zurück überweise…
    Miete zahle ich und bekomme eine Ausgleichszahlung (Gewichtet nach unserem Gehalt)

    Großes Problem sind für uns Veranstaltungen auf denen bar gezahlt wird. Am Anfang schreibt man noch auf, nach 1h ists vergessen und dann fängt 4 Tage später das große Rechnen an. Inklusive Aufrechnen etc. und dahin ist der Überblick. Wie löst ihr das auf? Habt ihr einen speziellen gemeinsamen Geldbeutel?
    (Hatten wir auch versucht aber dann muss man nochmal extra Geld holen…)

    Und was mich bei den % des Gehalts-Angaben immer wundert: Habt ihr so konstante Gehälter? Ich glaube ich habe letztes Jahr durch Reisekosten etc. keine zwei gleichen Monate – zum Teil reden wir hier auch mal über fast 1.000€ Unterschied. WIe geht ihr damit um?

    Antworten
    • 11. August 2019 um 22:58
      Permalink

      Hallo Andreas,

      danke für Deinen Kommentar und das Lob. Das freut uns, dass Dir & Euch der Artikel etwas bringt.

      Also Veranstaltungen auf denen wir so variabel Geld lassen, dass wir es am Ende nicht mehr wissen, haben wir eigentlich nie…kann mir grade gar nicht vorstellen, was das für Veranstaltungen mit so unerwartbaren Ausgaben sein sollen? 😉 Grundsätzlich rechnen wir Barausgaben nicht mehr separat miteinander ab. Zu Beginn haben wir geschaut, dass mal der eine und mal der andere einlädt (bspw. beim Eisessen), aber inzwischen achten wir nicht mehr darauf, ob jetzt der eine mal mehr oder mal weniger oft dran war. Dies liegt aber auch daran, dass wir es am Anfang eben sehr genau aufgerechnet und getrackt haben und dabei immer wieder festgestellt haben, dass es sich irgendwann eben wieder ausgleicht.

      Insgesamt zahlen wir echt kaum etwas bar, sondern nutzen für fast alles die EC-Karten, was Diskussionen echt völlig unnötig macht.

      Wir haben tatsächlich keine großen Gehaltsunterschiede. Mike bekommt 2 Mal im Jahr eine Sonderzahlung (Weihnachten und Urlaub) und ich erhalte einmal im Jahr einen Bonus. Ansonsten sind unsere Gehälter recht stabil (esseidenn einer von usn bekommt mal eine Erhöhung). Da wir beide keine Reisetätigkeit haben, gibt es keine Spesen oder auch Schichtzuschläge o.ä.
      Was bei uns eher spannend wird, ist jetzt zunehmend unser Gehaltsunterschied, da meines immer weiter nach oben klettert und es bei Mike branchenbedingt eher stabil bleibt.

      LG
      Marielle

      Antworten

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