Blogparade: In was für einer Welt werde ich 2036 leben?

 

07. Juli 2036

Um 6:30 wache ich auf, drehe mich noch kurz zu Marielle und gehe gut gelaunt ins Bad.

Es ist Montagmorgen. Bereits seit ich denken kann, ist dies mein Lieblingstag. Nach einem viel zu langen Sonntag kehrt das Leben zurück auf die Straßen.

Seit ich denken kann… Das ist mittlerweile eine ganz schön lange Zeit. Ich habe bestimmt mit vier oder fünf Jahren angefangen zu denken. Zumindest habe ich aus diesem Alter die ersten Erinnerungen.

 

Erste Erinnerungen

Während ich Zähne putze, schweifen Bilder durch meinen Kopf, wie ich bei meinen Großeltern in der Sophienstraße auf dem Balkon gesessen und Rommee gelernt habe. Natürlich mit offenen Karten. Schließlich muss es etwa 1991 gewesen sein. Meine Hände waren noch gar nicht groß genug, um zwölf oder mehr Karten auf der Hand zu halten.

Was wohl die erste Erinnerung meiner Tochter ist, denke ich bei mir und spüle meinen Mund aus. Heute ist schließlich ihr großer Tag. Ihre letzte Abschlussprüfung, danach ist ihre Zeit in der Schule vorbei.

Es fühlt sich an als wäre meine eigene Einschulung erst letzte Woche und die meiner Tochter vor ein paar Tagen gewesen. Wie unterschiedlich unser Weg durch diese Zeit war, erstaunt mich immer wieder.

 

Entwicklung als Zauberwort

Ich gehe in die Küche und bereite uns einen Tee zu. Marielle setze ich einen Earl Grey auf, meiner Tochter und mir einen grünen Tee. Oben geht die Dusche an und so langsam kehrt das Leben auch in unser Haus zurück.

Während das Wasser beginnt zu kochen, hole ich die Müsli-Schalen aus dem Schrank und decke den Tisch mit Haferflocken, Obst, Joghurt und dem gerade fertiggewordenem Tee.

Es ist doch echt erstaunlich, wie sich das Schulsystem in den letzten 40 Jahren geändert hat. Zwar bin ich auch freudig zu meinem ersten Schultag gegangen und hatte Lust alles zu entdecken, was es zu entdecken gab. Aber in der fünften Klasse gab es die ersten Rücksetzer.

Unsere Tochter ging damals genauso freudig zur Schule und irgendwie dachte ich mir damals schon, dass sie viel mehr zum Entdecken hat als dies bei mir selbst der Fall war.

 

Erste Unterschiede

Bei mir selbst gab es Mathe, Deutsch, Werken, Sport, Religion und? hmm… für damals fortschrittliche Verhältnisse zwei bis drei AG-Angebote zu denen gefühlt keiner – oder zumindest ich nicht – gegangen ist.

Und ich war gegen 13 Uhr zu Hause!

Meine Tochter hatte die Möglichkeit Rechnen und Schreiben zu lernen und sich körperlich auszuprobieren. Allerdings konnte sie die Sachen selbst entdecken. Die Turnhalle verwandelte sich in einen Urwald oder eine riesige Lavalandschaft und sie konnte sich selbst erproben und kennenlernen.

Auch Rechnen und Schreiben war nicht durch Einschleifen der Bewegung oder Auswendiglernen des Zahlensystems gekennzeichnet. Durch Exploration hatte sie die Möglichkeit, sich in ihrem Lerntempo neuen Herausforderungen zu stellen.

Der Schultag endete bei ihr auch nicht um 13 Uhr, sondern es war völlig normal den Nachmittag in ihrer Schule zu verbringen. Gemeinsam mit Lehrern und Betreuern hatte sie sich mit ihren Freunden und Freundinnen einen Entwicklungsraum gebaut, in dem sie sich frei bewegen und lernen konnten.

 

Mittlerweile ist es 9 Uhr.

Zu unserem Frühstück gehört es, dass wir uns über unsere Vorhaben des Tages austauschen. So auch heute früh. Das ist auch der Grund, warum wir morgens so lange zusammensitzen. Der gemeinsame Start in den Tag mit dem Zuhören und Erzählen der jeweiligen Ziele hat sich zu einem Familienritual entpuppt.

Unsere Tochter hatte dies bereits früh gelernt.

Bereits in der Grundschule wurden die Kinder animiert, über ihre Ziele nachzudenken. Während zu meiner Zeit auf die Frage: „Wofür brauchen wir das überhaupt?“ ein müdes: „Ist doch egal, weil es im Lehrplan steht“ als Antwort kam, wurde in der Klasse meiner Tochter aktiv mit den Kindern erarbeitet, warum sie etwas lernen, was es ihnen für die Zukunft bringt, wie sie es einsetzen können und so weiter.

Noch viel spannender wurde es als die Fragen gestellt wurden: „Was willst du können?“ und „Was brauchst du, um es zu erreichen?“

In meinen Augen sind dies die zwei wichtigesten Fragen, um ziel- und lösungsorientiert arbeiten zu können. Das Lernen fängt an Spaß zu machen, die Motivation steigt und steigt und steigt.

 

Was für ein Wechsel in der Perspektive!

„Was will ich können? Und was brauche ich, um es zu erreichen?“

Als ich vor 30 Jahren mit Kindern angefangen habe zu arbeiten, war ein Satz allgegenwärtig: „Ich kann das nicht! Ich kann das nicht! Ich kann das nicht!“ Selbst als ich vor 20 Jahren den Schritt an eine Grundschule gegangen bin, war dieses Mantra in nahezu jeder Situation zu hören.

Ich habe mich immer gefragt, woher das kommt?

 

Die damalige Fehlerkultur

Aber klar, wir haben in unserer Schulzeit immer nur beigebracht bekommen, keine Fehler zu machen. Jeder Fehler wurde bestraft – PUNKTABZUG! Hingegen wurde die Entwicklung kaum oder besser gar nicht berücksichtigt.

Mir wurde nach vier Wochen Englischunterricht von meinem Lehrer gesagt: „Du kannst kein Englisch und wirst es nie können!“ Vier Jahre später kam meine Motivation durch einen geplanten USA-Aufenthalt zurück und ich brannte dafür, Englisch zu lernen. Ich bin in meinem Zimmer rumgetanzt und habe Vokabeln dabei gelernt. Ich habe mir ganz aktiv vorgestellt, wie es sein könnte, endlich Englisch zu sprechen. Ich hatte ein Ziel!

 

Die Entwicklung zählte nicht

Auf einmal konnte ich mich trauen, im Unterricht mündliche Beiträge zu liefern. Jede Stunde war ich anwesend (was zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr selbstverständlich war) und habe versucht, zu jeder Frage etwas beizutragen.

Am Ende des Jahres dann die Ernüchterung: Schriftlich eine 4- das war bereits klar. Aber mündlich bekam ich eine glatte 4 (anstelle einer 5+ im Halbjahr zu vor). Die Worte der Lehrerin: „Ja, ich merke, dass du begonnen hast dich zu verbessern, aber du bist eben noch total schlecht. Deshalb gibt es nur die 4.“

Das war der Zeitpunkt an dem ich wusste, dass ich in und von der Schule nichts mehr lernen werde!

 

Neue Motivation durch neue Perspektive

Umso mehr beneide ich meine Tochter. Der Perspektivwechsel weg von „Das kannst du noch nicht“ hinzu „Was willst du können und was brauchst du dafür?“ verändert die komplette Einstellung.

Sie hatte auch in der weiterführenden Schule viel Spaß und war sehr motiviert, neue Dinge zu lernen und zu erreichen. Durch selbstgesteckte und erarbeitete Ziele wusste sie, was sie dafür braucht. Bei der Umsetzung wurde sie unterstützt und in ihren Interessen gefördert.

Was für sie ein natürlicher Lernprozess war und völlig selbstverständlich umgesetzt wurde, war für mich ein harter Weg der Autodidaktik. Die Erkenntnis, dass das System mich kaputt macht, mich in meiner Kreativität einschränkt und mein Potential stark dezimiert, kam zwar früh, aber der Weg daraus war lang.

 

09:30 Uhr und wir machen uns auf den Weg zu unseren Projekten.

Marielle führt ein sehr gut laufendes Café. Ein langjähriger Traum, den sie sich vor ein paar Jahren endlich erfüllt hat. Unsere Tochter ist auf dem Weg zu ihrer Abschlussprüfung. Und ich beschäftige mich weiterhin damit, wie das Schul- und Bildungssystem an die Bedürfnisse und Anforderungen der Akteure (Kinder, Erzieher, Eltern, Leiter) angepasst werden kann.

 

Ausbildung des Lehrpersonals

Ein weiterer Teil meiner Arbeit ist die Ausbildung und Schulung des Lehrpersonals durchzuführen. Und dieses auf die vielfältigen Anforderungen eines entwicklungs- und zielorientierten System vorzubereiten.

Auch hier spielt der Perspektivwechsel eine große Rolle. Im klassischen Schulsystem aus den 90er und 2000ern wurde versucht, über klare Regeln und Strukturvorgaben eine Form der Ordnung zu schaffen, in denen Kinder die Elemente des aufgestellten Lehrplans erarbeiten können.

 

Kooperation statt Diktatur

Heute gestalten Kinder und Lehrer gemeinsam einen Raum, der individuelle Anforderungen an die Kinder stellt, die sich innerhalb dieses Raumes bewegen. Die individuellen Anforderungen animieren die Kinder wiederum zu explorieren und fördern die jeweilige Entwicklung.

Durch die Entstehung eines solchen Raumes, können ganz neue Formen der Ordnung und Struktur existieren. Diese werden heute nicht mehr dem Kind übergestülpt, sondern das Kind selbst ist aktiver Teil des selbstaufgestellten Regelwerks.

 

Erste Veränderungen vor 20 Jahren

Es ist ein herrlicher Morgen und auf dem Rad kann ich den Weg zur Arbeit direkt doppelt genießen. Die frische Luft füllt meine Lungen und die Sonnenstrahlen wecken das Vitamin D in meiner Haut. Ein tolles Gefühl.

Angefangen mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, hatte es 2016. Nachdem ich mit meinem Studium fertig war, begann ich mit meinem ersten Job an einer Grundschule. Bereits vor 20 Jahren war die Veränderung zu meiner Zeit in der Grundschule enorm.

Die Kinder konnten bereits den ganzen Tag in der Schule und in der Betreuung bleiben. Offene Konzeptideen gaben die Richtung der Entwicklung vor und die Kinder wurden aktiv mit in die Gestaltung des eigenen Lern- und Entwicklungsraumes einbezogen. Vor 35 Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.

 

Dynamik ist doch vorhanden

Ich war sehr positiv von der Veränderung überrascht und schöpfte Hoffnung, dass das starre System doch zu Veränderungen bereit und vor allem dazu in der Lage ist. Meine Ambitionen nachhaltige Veränderungen in unserem Bildungssystem zu fördern, wurden damals sehr gestärkt.

Mit neuen Partnern und Gleichgesinnten wurde der Weg bereitet, ein Modell vorzustellen, das auf die Entwicklung des Kindes und nicht auf die Vollstreckung des Lehrplans ausgerichtet war.

 

Gemeinsame Freude – Gemeinsame Reflektion

Heute sollte es aber nur ein kurzer Arbeitstag werden. Die Prüfung war bereits um 14 Uhr beendet und wir waren um 15 Uhr in unserem Café verabredet.

Dort angekommen begrüßen mich zwei freudige Gesichter und ich bedanke mich mit herzlichen Umarmungen. Ein schönes Gefühl, Teil einer Familie zu sein, die füreinander da ist.

Wir hören unserer Tochter aufmerksam zu, wie sie von der heutigen Prüfung, ihren Erlebnissen und ihrer gewonnen Erfahrung berichtet. Als wäre es ihre zweite Natur, reflektiert sie über ihre Handlungen und wie sie in Zukunft in ähnlichen Situationen agieren würde.

Das ist auch so eine Kompetenz, die Marielle und ich uns hart erarbeiteten mussten. Selbstreflektion war in unserer Schulzeit noch ein Fremdwort. Nach einer Klausur stand da in rot eine Note, ein paar Punkte, mal mehr mal weniger Haken und Kreuze. Danach kam die Aufforderung die Klausur zu verbessern. Niemand hatte uns damals gefragt, was wir an der Prüfung oder dem Inhalt gut fanden, was wir hätten besser machen können oder worauf wir das nächste Mal achten wollen.

Und da ist er wieder.

 

Dieser Perspektivenwechsel!

Bei uns herrschte noch eine (fast) vollkommene Ergebnisorientierung. Das bedeutete nicht, dass nur das Ergebnis an sich (als 81 als Ergebnis von 9 x 9) als solches zu verstehen war, sondern der Lösungsweg wurde inbegriffen. Es gab einen Lösungsweg, nämlich den richtigen und wenn dieser nicht beschrieben oder angewendet wurde, dann war das Ergebnis falsch.

Ganz anders sieht es aus, wenn entwicklungs- und zielorientiert gehandelt wird. Dann entstehen auf einmal Fragen wie: „Ist mein Ziel gegenüber meinen Kompetenzen angemessen?“, „Wenn ich mein Ziel erreicht/verfehlt habe, dann kann ich daraus was für die kommenden Situationen mitnehmen?“ oder „Welche Handlungen haben dazu geführt, dass ich mein Ziel erreich/verfehlt habe?“

Die erste Perspektive lässt Abschreiben zu, denn die Ergebnisse lassen sich leicht von Mitschülerinnen oder Mitschülern ergattern. Bei Entwicklungsschritten und individuellen Zielen ist ein Abschreiben nicht mehr Möglicht, viel mehr muss ein Austausch entstehen, damit man sich inspirieren lassen kann. Aus einer passiven wird eine aktive Interaktion.

 

Vorfreude auf die nächsten 20 Jahre Entwicklung

Während Marielle und ich den Tag gemeinsam ausklingen lassen und unsere Tochter mit ihren Freunden und Freundinnen ausgiebig feiern geht, bin ich beeindruckt, wie sich das Bildungssystem durch einfache Perspektivwechsel verändert hat.

Dabei bin ich dankbar für jede treibende Kraft, die im Verlauf der letzten 20 Jahre dafür gesorgt und sich dafür eingebracht hat, dass diese Wechsel möglich wurden.

Ich bin sehr gespannt, was die nächsten 20 Jahre bringen werden. Schließlich haben wir noch einen weiten Weg vor uns.

 

Abschlussbemerkung

Vielen Dank Yasemin für die interessante Fragestellung und für die Anregung mich gedanklich so weit in die Zukunft zu bewegen. Daher habe ich sehr gerne an deiner Blogparade „In was für einer Welt werde ich 2036 leben?“ teilgenommen.

Es hat mir sehr viel Spaß bereitet, meine Gedanken schweifen zu lassen und bin auf deine und die Reaktionen der Leserinnen und Leser sehr gespannt.

Bildung ist für uns die Investition mit der höchsten und langfristigesten Rendite. Hier lohnt sich jeder investierte Cent und jede investierte Sekunde.

Was ist deine Meinung zur Entwicklung unseres Schulsystems? Schreibe sie in die Kommentare! Ich freue mich über einen tollen Austausch.

Beste Grüße
Mike

Über Geld spricht man nicht, oder? – 3 Gründe es doch zu tun!

Über Geld spricht man nicht, richtig?

Doch was versteckt sich hinter dieser Phrase, die von Generation an Generation weitergegeben wird?

Ist es wirklich klug in Eurer Beziehung nicht über Geld zu reden – oder wäre es vielleicht sogar wesentlich besser mit „offenen Karten“ zu spielen?

Bevor Du den Artikel weiterliest, nimm Dir zwei Minuten Zeit und überlege wie es in deiner Beziehung aussieht.

Dein Partner ist vermutlich Deine engste Vertrauensperson. Er wird am meisten über Dich wissen und im Laufe der Zeit Dich stetig besser kennenlernen.

Schließlich werdet Ihr mit fortlaufender Beziehung einige langfristige Entscheidungen treffen. Welchen Einfluss werden Entscheidungen auf Euer beider Leben haben?

Heiraten – ja/nein?

Eigenheim – ja/nein – wo – wie groß?

Kinder – ja/nein – wie viele – wann?

Du hast mindestens eine Frage mit „Ja“ beantwortet? Gut, dann ist der Artikel relevant für Dich. Alles „Nein“? Macht nichts – hier sind weitere Beispiele:

Gemeinsame Urlaube – ja/nein?

Gemeinsame Wohnung – ja/nein – wo  – wie groß?

Zusammen Essen gehen?

Ins Kino gehen?

Sex?

Ab welchem Punkt kam Dein „Ja“? In allen Punkten ist Geld involviert – selbst im letzten fallen in der Regel Verhütungskosten an. Wieso wird es Eure Beziehung unterstützen – ja sogar beflügeln – wenn Ihr Geld auf den Tisch legt und Euch offen austauscht?

Dieser Artikel wurde von Marielle für Dich verfasst.

1) Weniger über Geld reden ungleich weniger Streit?

Selbst nach seinem Tod lebt Dale Carnegies Predigt weiter: Wenn Du die Gefühle und Bedürfnisse Deines Gegenüber wahrnimmst, kannst Du verständnisvoller agieren und eine langfristige Beziehung aufbauen.

Geld, Familienangelegenheiten oder gemeinsame Hobbys in Gesprächen auszuparen, führt hingegen zum Gegenteil.

Hier ein paar Beispiele aus den Anfängen unserer Beziehung:

Über Geld spricht man nicht beim ersten Date?

Warst Du auch in dieser Situation?

Die beklämmliche Situation am Ende eines schönen Abends: die Bedienung kommt mit der Rechnung an den Tisch und fragt: „Getrennt oder zusammen?“ – schweigen, verstohlene Blicke, ein leises „getrennt“ oder „ich übernehme das“.

Wer soll denn bezahlen?

Der Mann? Die Frau? Abwechselnd? Jeder für sich? Oder einfach aufstehen und gehen?

Für uns war es am besten, dass zu Beginn jeder für sich gezahlt hat. Dass wir einander einladen, begann erst deutlich später in unserer Beziehung. Uns blieben daher viele Diskussionen erspart – zum Beispiel, wer mit zahlen dran ist.

Hätte Mike mich immer eingeladen, hätte er sich sicherlich in der Zukunft geärgert (und ich mich gekauft gefühlt) – spätestens als er erfahren hat, dass ich viel mehr Geld hatte als er. Vielleicht hätte er sich auch nicht geärgert, sondern stark unter Druck gesetzt – denn der Mann muss für die Frau sorgen, oder?

Hätte ich eingeladen, wäre ich mir als Frau doof vorgekommen und hätte mich gefragt, was das soll und was er für ein Mann sei. Und das ist die umgekehrte Version des Glaubenssatzes – genauso überholt und doof!

Über Geld spricht man nicht beim Reisen?

Seid Ihr schon als Paar verreist? Wie war das für Euch?

Über den Reiseort habt Ihr Euch vermutlich frühzeitig ausgetauscht. Denn wie solltet Ihr gemeinsam verreisen, wenn Ihr nicht zur selben Zeit am selben Ort ankommt. Dieser Aspekt des Reisens wird lang und breit diskutiert.

Reisen kosten allerdings auch Geld und jemand muss den Wert der Reise begleichen. Doch wer soll das sein und zu welchen Anteilen?

Wir packen diese Frage direkt zu Beginn unserer Reiseplanungen auf den Tisch. Geld hat einen klaren Einfluss auf unsere Reisevorstellung und -möglichkeiten. Es auszulassen führt nur zu Frustration und Streitereien. Nicht die besten Voraussetzungen für einen schönen Urlaub, oder?

Über Geld spricht man nicht beim Einkaufen?

Wie auch immer Eure Ernährung aussehen mag, irgendwoher muss das Essen kommen. Ob Supermarkt, Bauern oder eigener Anbau ist irrelevant.

Der Wert des Essens muss beglichen werden – ob durch Zeit (kochen, einkaufen, anbauen) oder Geld. Wer begleicht was?

Wir haben dazu ein Haushaltskonto eingeführt und begleichen unsere Ausgaben durch einen monatlichen Fixbetrag auf unser gemeinsames Konto.

Daher empfehlen wir…

… eine offene Kommunikation.

Konflikte und Streits können zum Beispiel durch Fehlinformationen entstehen. Diese führen zu Missverständnissen, Annahmen und Schlussfolgerungen. Am Ende können Frustration und Enttäuschung stehen. Beziehungskiller!

Dein Partner kann nicht wissen,

  • wie Du über Geld denkst.
  • welche Reisen Dir gefallen.
  • was Dein Haushaltsbudget hergibt.
  • Warum Du gerade jetzt sparsam oder verschwenderisch sein musst.

Wie wäre es mit einem gemütlichen Abendessen, einem Zettel und Stift und ein paar ruhigen Stunden um über Eure gemeinsamen Finanzen zu sprechen?

Unsere Geschichte

Bei unserem ersten Date haben wir bereits darüber gesprochen, dass jeder für sich zahlen wird.

Mike sagte mir direkt in die Augen, dass er Frauen nie einlädt.

Seine Begründung: Reziprozität!

Wir Menschen sind bereit für ein (ungewolltes) Geschenk ein Vielfaches zurück zu geben. Die Geste des Einladens würde (indirekt) den Verlauf des Abends bestimmen. Da Geld nicht ausschlaggebend sein sollte, wie es weiter geht, ist es besser keine Schuld aufzubauen.

Das war unsere erste Unterhaltung über Geld – beim ersten Date!

2) Über Geld spricht man nicht – und woher kommt das Verständnis?

Du hast es eben gelesen: Durch Reden fütterst Du Deinen Partner mit Informationen. Diese kann er verwenden, um Dein Verhalten besser einzuordnen. Ihr produziert mehr Verständnis für Eure Handlung und Eure Beziehung.

Hier ein typisches Beispiel aus unserer Beziehung:

Ich möchte in den Urlaub fahren. Am liebsten weit weg. Was Reisen angeht, möchte ich nicht aufs Geld schauen. Es ist meine Motivation finanziell frei zu sein. Die Welt sehen ist für mich das Tollste auf dieser Welt. Ich bin bereit große Teile meines Ersparten zu investieren.

Bei Mike ist das anders. Er mag das Reisen, achtet hingegen deutlich mehr aufs Geld. Zudem ist er mit deutlich weniger Urlauben/Reisen zufrieden.

Erneut habe ich eine tolle Reiseidee und erzähle Mike begeistert davon. Ich will, dass er mitkommt. Er sagt: „Nein, das ist mir zu teuer. Und außerdem können wir auch hier eine Woche zelten fahren.“ Ich denke, er will nicht mit mir wegfahren und ist zu geizig.

Was mir am Anfang nicht klar war – Mike hat als (damals noch) selbstständiger Trainer deutlich höhere Kosten als nur die Anreise, das Hotel und eventuelle Ausgaben vor Ort. Für ihn spielte auch der Dienstausfall eine große Rolle. Er hatte keine bezahlten 30 Tage Urlaub, die mir in meinem dualen Studium zur Verfügung standen. Wenn er nicht arbeitete, keine Trainingsstunden gab, bedeutete dies auch kein Geld zu bekommen.

Grundlage unserer Diskussion waren andere Ausgangssituationen in Bezug auf das zu investierende Geld für die eine Woche Urlaub.

Daher empfehlen wir…

… das regelmäßige Wechseln der eigenen Perspektive.

Setze doch Mal die Brille Deines Partners auf. Was siehst Du? Was ändert sich für Dich? Wie fühlst Du Dich?

Gerade im Bezug auf Finanzen schafft das Reden über Geld ein enormes Verständnis für die Situation des anderen. Anstatt: „Nein, das kann ich mir nicht leisten“ zu sagen, ist es besser dem anderen die eigene Sichtweise zu erklären. Auf diese Art entsteht mehr Verständnis  und bildet die Basis für eine gemeinsame Perspektive auf Geld.

3) Gemeinsame Zukunft und das ohne über Geld zu reden?

Offene Kommunikation und das daraus entstehende Verständnis ist die Grundlage für Eure zukünftige Beziehung.

  • Was wollt Ihr beruflich und privat gemeinsam erreichen?
  • Wünscht Ihr Euch eine gemeinsame Familie mit x Kindern?
  • Von wem wollt Ihr finanziell abhängig sein?

Zugegeben: äußerst schwierige Fragen. Sie werden leichter, wenn Ihr zusammen an den Antworten arbeitet.

Unterschiedliche Startpunkte – gemeinsames Ziel

Um Erfolg für uns zu definieren, betrachteten wir zunächst unsere Ausgangslage. Unsere Feststellung? Bei einem Marathon befindet sich Marielle bei Kilometer 17 bis 22 und Mike etwa bei fünf bis acht Metern (s. unsere Monatsabschlüsse und den Weg zur finanziellen Freiheit).

Es folgte ein ausführliches Gespräch.

Denn für Marielle bedeutet finanzieller Erfolg etwas anderes als für Mike. Nur durch das miteinander über Geld und unsere Ziele zu sprechen, schaffte eine gemeinsame Basis.

Über Geld spricht man nicht vor der Familienplanung?

Auch, wenn es noch nicht soweit ist, dass Ihr in die konkrete Familienplanung einsteigt, ist Geld ein wichtiges Thema. Gerade, wenn einer von beiden eine gewisse Zeit aus dem Beruf aussteigt um die Kinderbetreuung zu übernehmen entstehen enorme Kosten.

Nico von Finanzglück hat hier einen tollen Beitrag geschrieben, in dem er die Kosten für ein Kind wunderbar darstellt. Das zeigt direkt – vorher darüber sprechen und exakt planen, wer sich was leisten möchte und kann, ist absolut elementar.

Und am wichtigsten, wie die neue Lebensphase gemeinsam zu meistern ist ohne, dass (wenn es zu spät ist) einer von beiden enttäuscht wird aufgrund ewiger Gelddiskussionen anstatt die gemeinsame Zeit als Familie genießen zu können.

Gerade die Kommunikation über Geld hinsichtlich der Familienplanung ist auch für das gemeinsame Familienleben wichtig. Mike möchte viel Zeit mit seinen Kindern verbringen und nicht von morgens bis abends Geld erwirtschaften, damit ich Ganztags zu Hause bleiben kann oder sogar muss.

Wir werden uns um eine Lösung bemühen, bei der wir beide sowohl zur finanziellen Absicherung der Familie beitragen als auch aktiv am Familienleben teilnehmen können!

Unabhängig in die gemeinsame Zukunft

Dass wir in unserer gemeinsamen Zukunft von niemandem abhängig sein werden, ist für uns eines unserer Hauptziele unserer Investitionstätigkeiten. Dieses Ziel können wir nur erreichen, wenn wir miteinander über Geld sprechen. Es ist essentiell, dass wir unsere Ausgangslage kennen, uns gegenseitig helfen und wissen, wenn der Andere Probleme bekommen könnte (bspw. aufgrund von einem plötzlichen Jobverlust, den wir beide nicht annehmen).

  • Wie lange könnt Ihr ohne Job von Euren Ersparnissen leben?
  • Wie viel steht jedem von Euch im Monat zur Verfügung?
  • Was ist für Euch individuell und als Paar finanziell möglich?
Daher empfehlen wir…

Um mit einem guten Gefühl in die gemeinsame Zukunft zu blicken, ist es eine wahre Bereicherung miteinander über Geld zu reden und nicht zuzulassen, dass Konflikte aufgrund von ungeklärten Themen in diesem Bereich entstehen. Geld ist zu unwichtig auf dieser Welt, um die gemeinsame Zukunft dafür aufs Spiel zu setzen!

Geklärte Fronten sind dabei die Basis, um gemeinsam positiv in die Zukunft zu blicken.

Wir haben von Anfang an in unserer Beziehung über Geld gesprochen. Über die Jahre entwickelten wir uns und unsere Gespräche stetig weiter. Bei uns war es deshalb nie ein Tabuthema und das freut uns enorm.

Fazit

Unsere drei Gründe sind definitiv nicht trennscharf, sondern bedingen sich zum größten Teil gegenseitig.

In einer glücklichen und langanhaltenden Beziehung ist Geld kein Tabuthema.

Das Thema „über Geld reden“ ist mittlerweile fester Bestandteil unserer täglichen und wöchentlichen Gespräche geworden. Dies liegt vor allem daran, dass wir zusammen viele Gemeinsamkeiten entdeckt und Spaß daran gefunden haben, uns mit wirtschaftlichen Themen auseinander zu setzen.

Blogparade: Freiheit oder Langeweile?

Unsere erste Blogparade.

Direkt nach unserem Blog-Start ist uns der Aufruf des Privatiers zum Thema „Freiheit oder Langeweile“ nach dem Erreichen der finanziellen Freiheit aufgefallen. Ein idealer Zeitpunkt, haben wir doch grade diese sogenannte (finanzielle) Freiheit als das Ziel der Ziele unserer Investitions-Tätigkeiten auserkoren.

 

Was Neues!

Beim Überarbeiten und Korrigieren des vorgefertigten Artikels von Marielle, kam mir noch eine spontane Idee:

Wir sind zu zweit!

Also ist der erste Teil der Blogparaden-Antwort von Marielle und der zweite Teil von mir. Jeweils aus unserer Vorstellung, was wir gemeinsam unter finanzieller Freiheit verstehen, warum wir sie erreichen möchten und ob wir denken, dass es langweilig wird oder nicht.

Marielle weiß auch noch nichts von ihrem „Glück“ – Mal sehen, wie sie es aufnimmt.

Jetzt aber viel Spaß beim Lesen.

 

Marielle’s Beitrag zur Blogparade

 

Die Kernfrage ist, was finanzielle Freiheit für Dich, Mich, Euch oder Uns bedeutet.

Für die meisten bedeutet es wohl, dass das passive Einkommen alle Ausgaben deckt und es nicht mehr nötig ist arbeiten zu gehen, um alle monatlichen Kosten zu decken. Somit ist der Zeitpunkt der finanziellen Freiheit wohl sehr unterschiedlich und hoch individuell.

Mike und ich benötigen aktuell gemeinsam unter 1500 Euro monatlich. Alles darüber hinaus können wir in Aktien oder andere Anlagen investieren oder für Urlaube zurücklegen. Viele unserer Freunde benötigen deutlich mehr, um ihre monatlichen Ausgaben zu decken. Bestimmt gibt es aber auch viele Leute, die noch weniger benötigen.

Für uns würde heute also 1500 Euro gemeinsames passives Einkommen ausreichen, sodass wir beide nicht mehr arbeiten müssten. Das schaffen wir aktuell nicht.

Stand heute wird das auch noch eine ganze Weile dauern. Bis wir dahin kommen, werden aber vermutlich auch unsere Ausgaben steigern – irgendwann möchten wir Kinder haben, eine größere Wohnung wäre auch toll und ein Auto werden wir auch in einigen Monaten wieder haben – alles Dinge, die ja bekanntlich kein günstiges Vergnügen sind. Würden wir nicht mehr arbeiten, würden wir mehr reisen wollen – auch das ist wohl teurer als unser aktuelles Leben.

 

Also brauchen wir wohl mehr. Doch wie viel mehr?

Die Antwort auf unsere Kernfrage – was bedeutet finanzielle Freiheit für uns – können wir nicht mit einer konkreten Zahl beantworten.

Sie bedeutet für uns, dass wir uns keine Gedanken machen müssen, ob wir langfristig genügend Einkommen haben werden, um zu jedem Zeitpunkt in unserem Leben jeden Tag so zu leben, wie wir es uns wünschen.

Es ist die Freiheit sich keine Sorgen machen zu müssen, die Tage damit zu verbringen was wir gerne tun, Zeit für uns zu haben, beim Blick auf das Konto ein gutes Gefühl zu haben und nie zu denken „oh nein, heute will ich nicht aufstehen, denn der Tag wird so schrecklich langweilig werden“.

 

Haben wir das nicht schon erreicht?

Richtig: Sorgen, unsere Rechnungen nicht bezahlen zu können, mussten wir uns noch nie machen. Wir sind beide gut ausgebildete Akademiker und werden wohl immer irgendeine Stelle finden, um Geld zu verdienen. Da wir beide mit aktuell 24 und 29 Jahren noch ganz schön lange bis zur Rente haben, entsteht hier vielleicht eine Unsicherheit, ob und wie viel wir im Alter vom Staat erwarten können. Aber ja, ohne arbeiten gehen funktioniert es eben noch lange nicht – aber das macht gar nichts, denn wir gehen beide sehr gerne zur Arbeit.

Die wirkliche finanzielle Freiheit wird für uns erreicht sein, wenn wir dort nicht mehr hingehen müssten, sondern nur noch von unseren anderen Projekten leben könnten. Ideen haben wir viele – Mike beschäftigt sich mit Zielsetzung für Kinder und Jugendliche und beruflicher Orientierung (Senkrechtdenker), ich habe den (nicht ganz so geheimen) Traum von einem eigenen Café und dafür bereits ein konkretes Konzept im Kopf.

Gemeinsam wünschen wir uns regelmäßige, längere Reisen. Wir möchten unseren Kindern (wenn es irgendwann soweit ist) alles bieten können, was uns selbst von unseren Eltern geboten wurde. Den Umgang mit Geld werden sie von uns dennoch ganz sicher lernen!

 

Die Antwort, ob wir uns frei oder gelangweilt fühlen würden

Mit diesen Dingen ist das Thema „Freiheit oder Langeweile“ eigentlich schon beantwortet – Wir machen uns keine Sorgen, dass wir uns langweilen könnten, wenn wir die finanzielle Freiheit irgendwann erreicht haben. Im Gegenteil – es wird der Startschuss für so viele weitere Projekte sein. Wir versuchen natürlich bereits jetzt so viel wie möglich davon umzusetzen. Wenn unser passives Einkommen so hoch ist, dass wir davon leben können, werden sich unsere Prioritäten mehr vom Arbeitnehmer-Dasein hin zum Unternehmer-Dasein verschieben. Und welcher Unternehmer langweilt sich schon?

Der Weg zur finanziellen Freiheit bedeutet für uns keine Entbehrungen. Wir sind von Haus aus sparsam.

 

Aber warum eigentlich finanziell frei sein wollen?

Uns macht es Spaß über Anlagemöglichkeiten zu lernen und Erfahrungen an der Börse und mit Immobilien zu sammeln. Der Weg zur finanziellen Freiheit ist unser gemeinsames Hobby – er ist also das Ziel und wird hoffentlich niemals völlig vorbei sein.

Mit steigendem passiven Einkommen wird unsere Sicherheit steigen fürs Alter, für unsere Reisen, für unsere Zukunft als Familie und vor allem für unsere Projekte. Die Gleichung sieht für uns folglich wie folgt aus:

Mehr passives Einkommen + Mehr Freiheit für uns und unsere Projekte = noch weniger Langeweile

 

Mike’s Beitrag zu Blogparade

 

Ab wann sind wir finanziell frei?

Vermutlich gibt es fast so viele Antworten auf diese Frage wie es Menschen gibt, die versuchen sie zu beantworten. Eine tolle Ausgangslage, denn dann kann ich Dir auf keinen Fall was Falsches erzählen.

Für uns sollten zwei Dinge erfüllt werden, damit wir uns finanziell frei nennen:

 

(1) Zu keinem Zeitpunkt in unserem Leben von staatlicher Förderung oder Begünstigung abhängig zu sein.

(2) Zu keinem Zeitpunkt unseres Lebens mehr gezwungen zu sein, arbeiten zu gehen, um unseren Lebensstil zu erhalten.

 

Beides hört sich sehr toll an. Meine Freude dabei ist vor allem, dass es eine Never-Ending-Story wird (Mal abgesehen vom wirklich Ende und dem Fall in den Graben).

 

Unsere Entfernung zu unserem Ziel

Wenn Warren Buffet und Charlie Munger bereits aus dem Shuttle zum Mond ausgestiegen wären und den Boden fast mit den Händen berühren würden, dann lägen wir noch im Bett und würden gerade den kleinen Zeh herausstrecken, um uns auf den Weg zu machen.

Wir sind also noch sehr, sehr, sehr weit davon entfernt. Aber die Reise beginnt bekanntlich mit dem kleinen Zeh – äh dem ersten Schritt.

 

Bedeutung für unsere Beziehung

Ein so großes und entferntes Ziel lässt unsere Beziehung natürlich nicht unberührt. Der bisherige Effekt ist sehr positiv.

Wir hatten nicht immer ein gemeinsames Hobby und es gab Zeiten, da hat uns das schwer zu schaffen gemacht und stellte eine große Belastung für uns dar.

Mittlerweile haben wir so einige gemeinsame Hobbies gefunden und vor allem ein gemeinsames Ziel aus dem sich so viele neu Dinge ergeben.

Finanzielle Freiheit bedeutet für unsere Beziehung:

Eine fast unendliches Themenuniversum

Tolle Alternativen zu dem abendlichen Fernsehprogramm

Eine positive Definition von Montagen

Immer ein passendes Gesprächsthema parat zu haben

Viele gemeinsame Stunden, in denen wir gemeinsam etwas schaffen und auf das wir gemeinsam stolz sein können

Wie gesagt: Bisher stellt die Zielsetzung und die damit verbunden Abzweigungen (dazu gleich mehr) eine tolle Bereicherung für uns dar.

 

Wie sieht unser Weg in die Freiheit aus?

Wir sind uns sehr im Klaren darüber, dass mit reinen Aktien- und ETF-Investitionen sowie unserem Eigenkapital das sehr, sehr lange dauern wird und währenddessen auch echt beschwerlich werden kann.

ETFs und Aktien brauchen mit am längsten und sind ein guter Einstieg in das ganze Investitionsuniversum. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen gute Entscheidungen zu treffen, müssen wir uns mit den Unternehmen auseinander setzen.

Wir lernen viele verschiedene Geschäftsmodelle und die Finanzkennzahlen kennen und wie diese in welcher Kombination zu interpretieren sind, wir lernen die einzelnen Branchen besser kennen und wir lernen dabei Unternehmen zu bewerten.

Wichtige Voraussetzungen, die das Aneignen und dem Gebrauch von zusätzlichem Wissen in den Bereichen Immobilien und Unternehmertum erleichtern und antreiben.

Deshalb beschäftigen wir uns mit Immobilienbewertungen und sammeln hier Erfahrungen, deshalb fangen wir an kleinere Geschäftsmodelle zu entwickeln und umzusetzen. Wir wollen die Erfahrung.

Aus diesem Grund schließen wir die Aufnahme von Fremdkapital (woher sei dahin gestellt) definitiv mit ein.

Irgendwie müssen wir ja zum Mond kommen und bisher ist mir noch niemand bekannt, der das geschafft hat in dem er zu Fuß gegangen ist.

 

Und am Ende des Ziels steht… ?

Irgendwie bezweifle ich, dass es ein Ende gibt. Sollte es eines geben, wird es die Freiheit sein und nicht die Langeweile.

Meine Motivation Dinge zu tun, war noch nie mehr Geld zu bekommen. Ich raffe mich morgens aus dem Bett und beschäftige mich 12 bis 16 Stunden mit meinen Projekten, weil ich daran unglaublich viel Spaß habe und weil ich Dinge verändern will.

Das wird sich auch nicht ändern, wenn ich noch weniger an Geld denken muss als bisher. In meinen Augen bedeutet Geld für uns einfach noch mehr Zeit für die Dinge zu haben, die uns viel Freude bereiten:

Uns

Familie

Reisen

mit Kindern zusammen arbeiten

Menschen in ihrer Entwicklung unterstützen

Projekte umsetzen

Neues ausprobieren

Menschen kennenlernen

und vieles mehr

Und das geht einfach alles besser, wenn wir nicht 40+ Stunden in der Woche im Büro sitzen 🙂

 

Fazit

Zur Zeit gehen wir abends schlafen ohne es abwarten zu können, einen neuen Tag zu beginnen. Es ist alles so aufregend, so neu und bietet so viel Lernpotential.

Wir sind schon sehr gespannt auf die anderen Beiträge der Blogparade und was der Privatier am Ende aus den ganzen Informationen feines zusammen schreibt.

Wohin sollten wir Deiner Meinung nach unbedingt Mal reisen?

Beste GrüßeMike & Marielle

 

P. S.: Wie so alles im Leben war auch unser Freiheitsfoto harte Arbeit. Etwa 20 Sprünge auf weichem Sand waren nötig, damit es so aussieht, wie es nunmal aussieht. Am nächsten Tag hatten wir Muskelkater und konnten über die anderen Bilder lachen 🙂

 

Die Beziehung in Beziehungsinvestor:innen

Was ist das Besondere am Beziehungsinvestor:innen Blog?

Ja genau – hier schreibt nicht eine Person über ihre finanziellen Erfahrungen und Erlebnisse und teilt ihr Wissen – wir sind zu zweit. Und wir sind noch dazu seit ein paar Jahren in einer „Liebes-“beziehung.

Wir wollen über unsere „Freundschafts-“, „Familien-“ und andere „Geld-“Beziehungen schreiben. Es wird in diesem Blog also nicht nur um Investitionen und unsere Beziehung miteinander gehen

Aber dafür musst Du natürlich erst einmal wissen, was unsere Beziehung ausmacht.

Wir haben uns im Februar 2010 im Internet kennengelernt – ich kurz vor meinem 18. Geburtstag und Mike gerade 23 Jahre jung. Wir schrieben eine Weile und beschlossen irgendwann uns zu treffen.

Danach ging alles ganz schnelle beziehungsweise eigentlich ganz langsam.

Wir trafen uns ab März 2010 immer wieder. Da wir zu dem Zeitpunkt etwa 50 km auseinander wohnten aber eher unregelmäßig.

Eine Beziehung miteinander war für uns beide eine lange Zeit gar kein Thema – zu unterschiedlich waren die Lebensinhalte: Mike hatte ein Fernstudium in Psychologie begonnen und etablierte sich gerade als Schwimmtrainer mit abendlichen Arbeitszeiten. Ich selbst stand ein Jahr vor dem Abitur und hatte das feste Ziel danach ganz weit weg zu ziehen und die Welt zu erkunden.

Doch irgendwie kam alles anders. Trotz der großen Unterschiede, mochten wir uns irgendwie.

Die Treffen wurden häufiger.

Wir lernten uns besser kennen.

Im Sommer 2010 verbrachten wir dann sogar ein paar Tage gemeinsam in München und genossen den ersten gemeinsamen „Kurzurlaub“. An Weihnachten war klar, dass wir die Feiertage zusammen verbringen wollten.

Unsere Freunde und Familien hatten es eigentlich bereits viel früher als wir gewusst: Wir waren dann wohl ein Paar geworden. Einfach so ohne großes Aufsehen.

Jede Menge Ferne

Und so kam Mike im Mai 2011 die Ehre zu Teil meine Begleitung an meinem Abiturball zu sein um mich nur kurz danach in die große, weite Welt abfliegen sehen zu lassen: Ich verbrachte zwei Monate in Costa Rica und wir mussten beide zugeben – ja wir vermissten uns schon ein wenig.

Und dennoch war es kein Thema für mich das Ausland Ausland sein zu lassen. Denn Mike gab mir ganz eindeutig das Gefühl, dass er meinen Weg toll fand.

Wir hatten bereits vorher einstimmig festgestellt: Wenn unsere Beziehung an zwei Monaten räumlicher Trennung scheitert, dann wäre es ganz schön doof gewesen die Reise nicht zu machen.

Wieder zurück in Deutschland waren es nur noch wenige Wochen bis zum Start meines dualen Studiums – Praxisort: näher bei Mike, Theorieort: 300km entfernt von Mike. Wie aus dem Nichts wurde aus meiner Suche nach einer 1-2 Zimmer Wohnung die gemeinsame Suche nach einer 3-Zimmer Wohnung.

Gemeinsames Wohnen

Wir zogen also zusammen – zumindest probeweise. Während meiner Praxisphase lernten wir das gemeinsame Wohnen. In den Theorienphasen zog ich nach Lörrach und Mike wieder in seine eigene Wohnung. So konnten wir die bereits geübte Fernbeziehung weiterführen und sahen uns alle zwei bis vier Wochen.

Schwieriger als das getrennt sein, war oft das Zusammen sein.

Alle drei Monate dasselbe Spiel: Marielle kommt zurück nach Hause. Die ersten Tage, vielleicht auch Wochen waren toll und wir sehr glücklich wieder zusammen zu sein.

Relativ bald die ersten Reibereien. Kleinigkeiten – Ordnung halten, (Nicht-)Umgang miteinander und andere Nichtigkeiten wurden diskutiert.

Zweifel kamen auf.

Zweifel an uns und am Zusammenleben. Aber irgendwie waren wir uns immer einig – wir arbeiten dran. Und am Ende der drei Monate war der Abschied wieder schwer.

Finanzieller Knatsch

Aus finanzieller Perspektive brachte das Zusammenziehen das erste Konfliktpotential mit sich. Unsere strenge Trennung – jeder zahlt für sich und ist dem anderen nichts schuldig – funktionierte nicht mehr.

Wir versuchten es mit gegenseitigem Aufrechnen.

Später mit einer Zettelwirtschaft und einer Abrechnung am Monatsende.

Einer fühlte sich immer ungerecht behandelt. Beide hatten wir eigentlich genug Geld. Keiner war zufrieden.

Noch mehr Ferne

Es wurde noch schwieriger: 2013 wollte ich mal wieder ins Ausland – mein Auslandssemester in Istanbul stand an. Wieder hat Mike mich bestärkt darin „trotz“ unserer Beziehung die Chance zu nutzen. Wieder sind wir die vier Monate unter der Devise angegangen: Wenn wir daran scheitern, wäre unsere Beziehung sowieso irgendwann zerbrochen. Wir wollen ja keine Zeit (miteinander) verschwenden.

Die Zeit verging schnell.

Ich sammelte tolle Erfahrungen.

Mike besuchte mich immerhin ein Wochenende.

Nach vier Monaten kam ich wieder nach Hause und wieder war es eine Umstellung. Aber schön war es wieder beieinander zu sein. Und direkt brach das letzte Jahr des Hin- und Her-Ziehens des Studiums an.

Ende der Probezeit

Mike gab seine eigene Wohnung auf und war nun immer in unserer Wohnung – auch wenn ich in der Theoriephase war. Dieser Umbruch war schön, aber machte mir auch große Angst. Ich wollte nicht, dass er „alles“ aufgab und hatte Angst, dass unsere Beziehung vielleicht doch scheiterte.

Aber er machte es trotzdem und bis heute stehen seine alten Möbel auf unserem Dachboden und wurden nicht mehr benötigt. (Vielleicht sollten wir diese endlich verkaufen?!)

Lösung der Finanz-Problematik

Wir eröffneten ein gemeinsames Konto. Seitdem überweisen wir jeden Monaten denselben Betrag auf dieses Konto – davon bezahlen wir die Miete, unsere Essens-Einkäufe und gemeinsames Essen gehen. Damit haben wir unseren Weg gefunden. Es fühlt sich gut an. Das negative Gefühl in Bezug auf Geld konnte verschwinden.

Die Freude als mein Studium zu Ende war, war groß – endlich hatte das ständige getrennt sein und danach wieder aneinander gewöhnen müssen ein Ende.

Neue Herausforderungen standen an.

Für mich ein Masterstudium – dank Mikes Motivation entschied ich mich für ein Fernstudium. Da wir nun beide Fernstudenten waren, hieß das plötzlich sehr viel gemeinsame Zeit zu Hause am Schreibtisch.

Das ganze Gegenteil von vorher.

Also wieder eine Umstellung für uns und unser Miteinander. Und wieder mussten wir viel miteinander reden, Vorstellungen abgleichen und uns auf einen gemeinsamen Weg einigen – wieder gelang es uns.

Ruhe kommt bei uns nie auf. Ich wechsle den Werkstudentenjob, Mike schreibt seine letzten Klausuren nach knapp neun Jahren, wir verbringen schöne Urlaube, ich beginne meinen ersten Vollzeit-Job neben dem / zu Beginn des letzten Semester des Fernstudiums, Mike schreibt seine Masterarbeit. Er sucht und findet einen ersten Job.

All diese Dinge hätte jeder von uns alleine tun können.

Aber ich weiß, ich wäre alleine nicht so zielstrebig vorangegangen.

Ich hätte vielleicht gar kein Masterstudium gemacht.

Hätte mich sicherlich nicht in den Vollzeitjob getraut, obwohl das Studium noch gar nicht fertig ist.

Mike hätte sein Studium am Ende wahrscheinlich nicht so schnell durchgezogen.

Und einen Job sicherlich nicht in der Form gesucht.

Zusammen ist es schöner.

Die Erfolge des anderen mitfeiern. Stolz aufeinander sein. Gemeinsame Hobbys entdecken:

Mike brachte mich zum Sport.

Ich ihn zum Thema Finanzen.

Jetzt beschäftigen wir uns gemeinsam damit. Dieser Blog ist hoffentlich erst der Anfang von tollen und herausfordernden, gemeinsamen Jahren.

Wir werden weiter an uns, unserem Miteinander arbeiten – denn das zeichnet unsere Beziehung aus – wir arbeiten immer daran und konnten so schon 6,5 sehr schnell vergehende und insgesamt sehr schöne Jahre miteinander verbringen.

Noch ein paar harte Fakten zu unserem Geldumgang

(x) Bei unserem ersten Date zahlte jeder für sich selbst.

(x) Im Sommer 2010 zahlte jeder weiterhin für sich.

(x) Finanzen waren noch trotz neuer Beziehung kein Thema (Winter 2010/11).

(x) Die ersten zwölf Monate wurde die gemeinsame Wohnung in der Theoriephase untervermietet (2012).

(x) Erste finanzielle Konflikte durchs Zusammenleben. Wer bezahlt was und wie? (2012)

(x) Eröffnung eines gemeinsamen Kontos – die Lösung! (2013)

(x) Entwicklung gemeinsamer Aktienstrategie. (Anfang 2014)

(x) Eröffnung eines gemeinsamen Depots. (Mitte 2014)

Habt Ihr in Eurer Beziehung eine ähnliche Entwicklung durchgemacht oder war es ganz anders? Schreibt Eure Antwort am besten in die Kommentare.

Beste Grüße
Marielle