Pleite durchs Heiraten

 

Hallo,

die Ehe ist ein knallharter Vertrag, der völlig unabhängig von dem emotional-leidenschaftlichen oder freundschaftlichen Aspekt der Beziehung, agiert. Jeder Vertrag hat Vor- und Nachteile, diese geschickt einzusetzen, liegt im Interesse der Vertragspartner. Wenn Ihr dachtet, dass Ihr in einer Ehe nur zu zweit plus etwaige Kinder seid, dann habt Ihr an eine Utopie geglaubt. In der Ehe sitzt immer der Staat. Und dieser kann ohne Eure Zustimmung, die Vertragsmodalitäten ändern!

In unserem ersten Artikel schrieb Marielle von den finanziellen Vorteilen einer Ehe. Heute beschäftige ich mich mit den finanziellen Nachteilen. Und die haben es in sich – von einem blauen Auge bis zum Existenzkampf ist alles drin. Also unbedingt diesen Artikel lesen, damit Ihr nicht pleite durchs Heiraten werdet!

Diesen Artikel schrieb Mike für Dich!

Ausklammern der Romantik in einem Vertrag

Nach der Verlobung erhöhten sich die Gespräche über die Eheschließung. In diesen Dialogen kam (fast) immer der Ehevertrag auf den Tisch und die Meinungen wurden mit jedem Gespräch kontroverser.

Das eine Extrem nahm die Position ein: „Ohne Ehevertrag funktioniert nichts und die Ehe ist ein Freifahrtsschein in die Hölle!“

Verfechter des anderen Extrems, äußerten die Meinung: „Vor der Hochzeit, die Ehe in Frage zu stellen und an eine Scheidung zu denken, ist der Grundstein für eine miserable Ehe!“

Höre ich auf beide Vertreter ihrer Gruppen lande ich definitiv in der Hölle und bin momentan dabei mein Leben grob fahrlässig aufs Spiel zusetzen. Ein glasklare Lose-Lose-Situation.

Anstatt an dieser Stelle aufzuhören und lieber auf die Hochzeit zu verzichten, stellte ich mir die Fragen, a) was die Bedürfnisse der Vertreter sind  und b) ob sich beide Position zwangsläufig ausschließen müssen?

 

Bedürfnisse beider Fraktionen

Die Höllenfraktion hat vor Augen, dass die Ehe ein Risikounternehmen ist, Abhängigkeiten bestehen und der Ausgang in der Privatinsolvenz enden kann. Durch den Ehevertrag wird die ungewisse Zukunft etwas kalkulierbarer. Beide Partner haben sich im Vorfeld Zeit genommen und über Eventualitäten nachgedacht. Dem Bedürfnis nach Sicherheit wird nachgegangen und die Personen können entspannter in die Ehe starten.

Die Fraktion der selbsterfüllenden Prophezeiung hingegen hegt ein starkes Bedürfnis nach Romantik, Liebe, Partnerschaftlichkeit und Vertrauen. Das Konstrukt „Ehe“ vor der Hochzeit in Frage zustellen, zerstört die gesamte Symbolhaftigkeit der lebenslangen Partnerschaft. Als Annahme gilt, dass erst der Tod, die Ehe scheiden lässt und vorher kein Zweifel besteht. Daher ist kein Vertrag nötig und die Partner starten entspannt in die Ehe.

 

Vereinbarkeit beider Extreme

Wenn sich beide Partner einig sind, dann wird die Entscheidung schnell und unkompliziert getroffen. Marielle und ich waren uns ab dem ersten Moment einig, dass wir einen Vertrag aufsetzen wollen. Hier gab es keinen Diskussionsbedarf. Wie sieht es aber bei Paaren aus, die in diesem Bereich sehr unterschiedlicher Meinung sind?

Die Vereinbarkeit liegt in den diversen Aspekten des Ehevertrages. Erstens regelt dieser nicht nur die finanzielle Aufteilung nach einer Scheidung, sondern auch den Umgang mit dem Vermögen nach dem Tod. Und an diesen Aspekt solltet Ihr vor der Ehe auf jeden Fall denken – Stichworte: Patientenverfügung, Witwenrente und Erbschaft. Zugegeben, es ist ein sehr unschönes Thema, das jedoch viel Bürokratie, im Ernstfall, einsparen kann.

Ohne Ehevertrag erlaubt Ihr dem Staat, sich aktiv in Eure Ehe einzumischen. Davon merkt Ihr nichts, wenn Ihr Euch einig seid. Bei Problemen ist er allerdings prompt zu Stelle und das kann für beide unangenehme Folgen haben. Durch einen Ehevertrag könnt Ihr Euch Handlungsanweisungen im Problemfall selbst auferlegen und den Staat vorerst außen vor lassen. Und dies kann auch nur bedeuten, dass in dem Ehevertrag die momentan geltenen Gesetze für Euch festgelegt werden. Damit können böse Überraschungen durch Gesetzesänderungen in fünf, zehn oder zwanzig Jahren (zumindest teilweise) vermieden werden.

Zudem sind eventuell Bereiche in Eurem Leben vorhanden, an denen noch andere Personen hängen als nur Ihr zwei. Dies wäre bei Unternehmern und Selbstständigen beispielsweise der Fall. Gesetzlich gilt die Zugewinngemeinschaft, was bedeutet, dass produziertes Vermögen innerhalb der Ehe beiden Parteien gehört. Im Extremfall können Unternehmen mit in den Rosenkrieg einbezogen und in die Insolvenz geführt werden. Dies hätte unter Umständen weitreichende Folgen für die beschäftigten Mitarbeiter. Dieses Szenario kann ebenfalls in einem Ehevertrag geklärt werden, z. B. durch eine modifizierte Zugewinngemeinschaft, die nur für den privaten Vermögensaufbau, nicht jedoch für den betrieblichen gilt.

 

Das solltet Ihr beim Ehevertrag beachten

Unabhängig, ob Ihr einen Vertrag aufsetzt oder nicht, solltet Ihr Euch mit dem Was-wäre-wenn-Szenario gedanklich beschäftigen. Im schlimmsten Fall können Ehen in der Privat- und Firmeninsolvenz enden. Im letzteren Fall wären, außer Euch selbst, noch andere Menschen finanziell betroffen. Diesen Extremfall gilt es zu vermeiden.

Warum das Beschäftigen mit diesem Szenario derart wichtig ist, lässt sich an unseren Handlungsmustern in extremen Situationen erklären. Desto unbekannter und stressvoller die Situation, desto mehr verlassen wir uns auf wiederholte und antrainierte Verhaltensmuster.

Beispiel: Todesursachen bei Flugzeugabstürzen beinhalten den Sicherheitsgurt nicht öffnen zu können. Dies liegt daran, dass Menschen in der Panik versuchen, den Gurt seitlich – wie beim Auto – zu öffnen. Sie drücken dutzende Mal rechts oder links neben sich in das Sitzpolster, ohne, dass der Gurt sich öffnen kann. Im Extremfall wenden wir automatisiertes Wissen an und sind nicht in der Lage neues Wissen anzuwenden. Das einzige Mittel sich davor zu schützen, ist die Sicherheitsanweisungen vor Beginn des Fluges aufmerksam zu verfolgen.

Angewandt auf den Ehevertrag bedeutet dies: Erstens solltet Ihr vor der Ehe Einigkeit über Streitthemen erlangen und falls dies nicht möglich ist, sie zumindest offen auf den Tisch legen. Zweitens in regelmäßigen Abständen Eure Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse aktualisieren.

Wenn Ihr das beherzigt, habt Ihr eine gute Chance Euch im Stressfall auf gemeinsam festgelegte Handlungsmuster zu besinnen und den Konflikt friedlich lösen zu können.

Dies funktioniert prinzipiell ohne ein (beglaubigtes) Schriftstück. Allerdings verstärkt ein solches Papier mit Euren Autogrammen die Verbindlichkeit sich an die Abmachungen zu halten. Verstärkt wird der Effekt erneut durch die Beglaubigung durch einen Anwalt oder einen Notar.

Menschen möchten nicht als Lügner dastehen und wollen auch nie ihr Gesicht verlieren. Durch einen – wie auch immer festgelegten Vertrag – wird beides sichergestellt. Vor seinen Freunden kann der Verlassene sich mit dem Vertrag rechtfertigen und sein Gesicht behalten. Und vor dem Partner kann er nicht lügen, da seine Gedanken und Interessen festgehalten sind.

 

Das größte finanzielle Risiko

und damit der größte finanzielle Nachteil der Ehe, ist das Ignorieren des eben Beschriebenen. Wenn Ihr euch gedankenlos in das Abenteuer Ehe begeht, kann dies weitreichende finanzielle Folgen für Euch, Eure Kinder, Eure Familien und Eure Mitarbeiter haben.

Aus finanzieller Sicht ist die Ehe eine Wette auf Lebenszeit. Macht nicht den Fehler und setzt alles blind auf eine unbekannte Karte, wenn Ihr im Vorfeld die Möglichkeit habt, Eure Beziehung und zukünftige Ehe nachhaltig zu stärken.

Denn der Austausch über die genannten Bedürfnisse und Wünsche erhöht das Vertrauen ineinander. Gestärktes Vertrauen führt zu offeneren Kommunikation und die wiederum zu mehr Vertrauen. Eine Spirale, die Eure Ehe auf lange Sicht stabilisieren kann. Dies auszublenden kann im Gegenteil enden – und das wollen vermutlich nur Heiratsschwindler.

 

Schaffen einer lebenslangen Abhängigkeit

Die Ehe kann auf diese plakative Aussage reduziert werden.

Auf der einen Seite kann dies ein sehr schönes Gefühl sein, da viele positive Aspekte mit eingebracht werden: Verlässlichkeit, Halt und Absicherung.

Es kann in Krisensituation allerdings auch schnell zur Belastung führen. Dies wird bei Betrachtung des Unterhalts schnell klar.

 

Abhängigkeit während der Ehe

Durch Stellenabbau kann einer von Euch schnell in der Arbeitlosigkeit landen. Eine unangenehme Situation, aber durch unser Sozialsystem nicht lebensbedrohlich. Als Single oder in kurzen Beziehungen schaltet sich in diesem Fall die Agentur für Arbeit oder das Sozialamt ein. Je nach Situation erhält derjenige für eine bestimmte Zeit Zuwendungen vom Staat.

Als verheiratetes Paar steht vor den staatlichen Hilfen Euer Partner. Als Berechnungsgrundlage für staatliche Unterstützung dient absofort Euer beider Einkommen. In der Regel übernimmt einer von Euch die Versorgung der gesamten Familie.

Dies kann finanziell erdrückend wirken, vor allem wenn Kinder und Kredite im Spiel sind. Letzteres wird noch kritischer, wenn es sich um Konsumkredite handelt. Das Fiasko ist perfekt, wenn das Leasingfahrzeug geschrottet und kein Ersatz besorgt werden kann.

Leider trifft dieser Zustand nicht nur für Ehen zu. Auch langjährige Partnerschaften können von den Ämter derart bemessen werden, dass der Partner in die Versorgungspflicht genommen wird.

 

Abhängigkeit nach der Scheidung

Warum benutze ich das Wort Scheidung anstelle Ehe in der Überschrift? Die Scheidung ist lediglich der bürokratische Akt der Trennung. Damit ist die Ehe allerdings nicht rückgängig gemacht. Beide Partner stehen weiterhin in der Verpflichtung zueinander.

Dies bedeutet konkret, dass im Falle einer Trennung, der Partner weiterhin für den Unterhalt aufkommen muss. Hier gibt es allerdings einige Feinheiten zu beachten – landläufig wird dies gerne pauschalisiert.

Zunächst muss die Frage gestellt werden, ob ein Job (oder die Suche danach) zumutbar ist oder nicht. Zumutbar ist sie bei kinderlosen Eheleuten. Bei Partnern mit minderjährigen Kindern ist dies nicht mehr zumutbar. Weiter geht’s mit dem Wohnort der Kinder, dem Vermögen und vielen anderen Aspekten. Unter Umständen ist der größere Kapitalvernichter nicht der Unterhalt, sondern die auszuführende Bürokratie.

Unterhaltszahlungen gelten allerdings nicht ein lebenlang. Durch den Erwerb eines Jobs (Kinder werden Erwachsen), die erneute Hochzeit oder eine mindestens zweijährige Beziehung können die Zahlungen beendet werden.

 

Das solltet Ihr bei lebenslanger Abhängigkeit beachten

Wie beim Ehevertrag gilt: Der Austausch über die eigenen und gemeinsame Bedürfnisse ist elementar für den Erfolg Eurer Ehe.

Abhängigkeiten werden entstehen und das ist auch gut, denn sie bieten viele Vorteile. Zum Beispiel die Arbeitsteilung im Haushalt, bei der Kinder Erziehung, beim Vermögensaufbau und bei der persönlichen Entwicklung.

Negative Aspekte kommen erst gravierend zum Tragen, wenn Ihr Euch im Vorfeld nicht mit dem Thema befasst habt. Was ist Eurer Plan nach den zwölf bis vierzehn Monaten Elternzeit? Wie soll das Geld verdient werden, wenn eine Person arbeitslos wird oder bleibt? Wie sieht Eure finanzielle Planung aus? Wann könnt Ihr wie viel zurücklegen?

Einige dieser Fragen werden wir in weiteren Artikeln aufgreifen. Stichworte sind Altersvorsorge und Patientenverfügung.

 

Fazit

Zu einem negativen Artikel passt ein positives Fazit.

Ihr habt es selbst in der Hand, ob Euch die Ehe finanziell ruiniert oder ob Ihr auch auf stürmische Zeiten vorbereitet seid.

Wenn Ihr ohne Ahnung Euer gesamtes Vermögen in ein Anlageprodukt investiert und im nächsten Crash panisch reagiert, ist Euer gesamtes Vermögen in Rauch aufgegangen. Mit einer klaren Strategie und Wissen über Risiken steigt die Wahrscheinlichkeit unbeschadet aus der Situation herauszukommen extrem.

Handhabt Eure Ehe mit weiser Voraussicht. Wenn Ihr die Finanzen und Abhängigkeiten regelmäßig klarstellt, schafft Ihr damit Platz für die leidenschaftliche Romantik – denn wer will schon ein totes Ehebett?

Beste Grüße
Mike

 

P. S.: Für mehr Nachteile und wie diese in Zahlen ausgedrückt aussehen, hat Jenny – die Exstudentinnen – einen Beitrag veröffentlicht!

Ist das Modell der Ehe veraltet? – Nachteile der Ehe Teil 2

 

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Pleite durchs Heiraten – Was Ihr auf jeden Fall vermeiden solltet
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24 Gedanken zu „Pleite durchs Heiraten – Was Ihr auf jeden Fall vermeiden solltet

  • 23. April 2017 um 01:14
    Permalink

    Moin Mike,

    das Wissen in Bezug auf die Folgen einer Scheidung ist leider allgemein unterirdisch. Man kann das Thema deshalb nicht oft genug auf den Tisch bringen und vor den enormen Risiken einer Eheschließung warnen. Deshalb danke für den guten Beitrag.

    Mein einziger Kritikpunkt ist die Vorstellung davon, dass sich die Beteiligten bei einer Trennung/Scheidung an Dinge halten würden, die sie in guten Zeiten untereinander ausgemacht haben. Im Falle einer Trennung/Scheidung geht es so gut wie immer um die Themen: Geld, Kinder, und in vielen Fällen auch um Macht und emotionale Rache. Nach mehreren Jahren im Familienrecht kann ich deshalb nur davor warnen, einen Ehevertrag nicht notariell beglaubigen zu lassen.

    Gruß Götz

    Antworten
    • 23. April 2017 um 11:30
      Permalink

      Moin Götz,

      willkommen auf unserem Blog – schön von dir zu lesen! Und vielen Dank für dein Lob.

      Zu deinem Kritikpunkt: Das sind leider Themen, die im erweiterten Bekanntenkreis auch immer wieder auftreten und mit denen ich mich während meines Studiums auseinandersetzen musste. Wir hatten ein praktisches Modul zum Familienrecht und die Fälle, die wir dort bearbeiteten drehten sich nur um Geld und Kinder. Am Ende hatte niemand etwas gewonnen und alle – selbst scheinbar unbeteiligte – verloren.

      Die Frage ist nur, welche Selektion durch das Einschalten eines Anwaltes stattfindet. Sind dort nur Paare, die diese Angelegenheiten maximal sporadisch angesprochen haben oder auf Drängen von Freunden und Familie einen Vertrag haben aufsetzen lassen? Oder sind dort auch Paare, die sich während ihrer gesamten Beziehung Gedanken über die finanzielle Planung und die dazugehörigen Ansichten gemacht haben?

      Gerade deine letzten beiden Aspekte Macht und Rache ergeben sich aus dem Verlangen das eigene Gesicht wahren zu können. Denn im Zweifel steht folgende Anschuldigung im Raum: „Wie konntest du all die Jahre auf dieses Arschloch reingefallen sein?!?“

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
  • 23. April 2017 um 09:07
    Permalink

    Huhu ihr beiden,
    darf ich fragen, welche Punkte ihr nun explizit in den Ehevertrag aufnehmt?

    Letztlich kann man dort vieles anfechten (Unterhaltsverzicht z.B.).

    Liebe Grüße
    Jenny

    Antworten
    • 23. April 2017 um 11:34
      Permalink

      Hallo Jenny,

      selbstverständlich darfst du fragen, leider können wir dir noch keine konkrete Antwort geben. Der Termin mit einem Anwalt steht noch aus. Wenn wir uns entschieden und den Vertrag unterzeichnet haben, werden wir dazu ein Update geben.

      Ein Vertrag ist nichts in Stein gemeißeltes und kann immer angefochten werden. Im Zweifel ist er auch ein Symbol, dass man sich mal einig war und so etwas Rationalität in die emotionale Phase bekommt.

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
  • 23. April 2017 um 18:24
    Permalink

    Hallo,

    aus eigenen Erfarhung kann ich nur zu einem Vertrag raten.

    Ich selbst war – aus heutiger Sicht – ziemlich naiv und im guten Glauben man könne sich jederzeit vernünftig einigen. Das ist in der hochemotionalen Situation einer Trennung aber oft nicht mehr möglich!

    Ich würde zu einer Vermögensaufstellung beider Partner zum Zeitpunkt der Eheschließung raten, damit später unstreitig ist, was jeder „mitgebracht“ hat.

    Während meiner sechsjährigen Ehe war ich die Besserverdienende, vor allem diejenige, die aufgrund einer Festanstellung über ein nachweisbares Einkommen verfügte, mein (Ex-)Ehemann war Freiberufler. Bei der Ehescheidung führte der gesetzlich vorgeschriebende Versorgungausgleich dazu, dass mein Ex-Mann Ansprüche aus meiner Altersversorgung erworben hat. So weit so gut und akzeptiert. Was ich erst jetzt gelernt habe, weil es für mich über 25 Jahre nach der Scheidung aufs Rentenalter zugeht: mein Exmann wird nicht nur den Betrag aus dem Scheidungsurteil von mir erhalten, sondern er „verdient“ – so ist die Rechtslage – an jeder Gehaltsaufstockung seither mit, der Betrag aus dem Scheidungsurteil wird dynamisiert! Vor einen Verzicht auf gegenseitigem Unterhalt und Verosrgungsausgleich hat der Gesetzgeber hohe formale Hürden gesetzt, deshalb sollte man das mit einem kundigen Juristen vor der Eheschließung klären.

    Ich würde heute – auch aus persönlicher Erfahrung heraus – immer dazu raten, die Rechtslage bei Krankheit, Handlungsunfähigkeit und Tod eines Partners zu regeln.

    Außerdem ist kein Ehevertrag in Stein gemeisselt, man kann ihn ja auch an sich ändernde Lebensverhältnisse – z.B. Kinder – anpassen.

    viele Grüße
    Marion

    Antworten
    • 23. April 2017 um 18:50
      Permalink

      Hallo Marion,
      ich dachte, dass nur das Gehalt berücksichtigt wird, das während der Ehe zum Familienunterhalt beitrug. Kann man vor Gericht nicht klagen, dass der Unterhalt sich „nur“ in Höhe der Inflation erhöht? Ebenso ging ich davon aus, dass dein Ex dazu verpflichtet ist, selbst zu arbeiten und die Dauer des Unterhalts zeitlich begrenzt wird. Vor allem bei einer so kurzen Ehe ohne Kinder. Zumindest finde ich diese Regelung bei aktuellen Rechtssprechungen.

      Antworten
      • 23. April 2017 um 20:13
        Permalink

        Liebe Jenny,

        Unterhalt und Versorgungsausgleich sind zwei verschiedene Dinge.

        Unterhalt musste ich nie zahlen.

        Der Versorgungsausgleich wird in meinem Fall dynamisiert analog den laufenden Erhöhungen der Beamtenbesoldung über die letzten 25 Jahre und ist deshalb um ein Vielfaches höher als im Scheidungsurteil!

        Viele Grüsse
        Marion

        Antworten
  • 23. April 2017 um 22:53
    Permalink

    Hallo Marion,
    danke für die schnelle Antwort! Bisher kannte ich nurdie Vorgehensweise, dass die Rentenansprüche hälftig an den Ex abgetreten werden müssen (also z.B. 7 von 14 Rentenpunkten nach 14 Jahren Ehe). Wie genau funktioniert das bei Beamten?

    Liebe Grüße
    Jenny

    Antworten
    • 24. April 2017 um 06:47
      Permalink

      Liebe Jenny,

      das funktioniert bei Beamten genau so wie bei Angestellten. Der zu übertragende Anspruch wird in Rentenpunkte umgerechnet und übertragen. Allerdings folgt die Dynamisierung dann nicht der Tabelle für den aktuellen Rentenwert, sondern der für die Besoldungssteigerung.
      http://www.versorgungsausgleich-soldaten.de/faq/items/dynamisierung-warum-steigt-der-versorgungsausgleich-jaehrlich.html

      Grundsätzlich wollte ich mit meinem Beitrag nur zum Ausdruck bringen, dass ich – und das geht vielen anderen auch so – die Sache mit dem Versorgungsausgleich unterschätzt habe, weil im Urteil wegen der relativ kurzen Ehedauer nur ein zu verschmerzender Betrag steht, der aber leider über die Jahre ganz schön anwächst! Deshalb plädiere ich im Rahmen eines Ehevertrags für den Ausschluß des Versorgungsausgleichs, wenn beide Partner berufstätig sind und einen privatrechlichen Ausgleich für Kindererziehungszeiten, z.b. in Form eines Sparplans zugunsten des zuhause bleibenden Partners. Die an sich gute Idee der Rententeilung kommt ja ursprünglich aus den 70iger Jahren, als die „Hausfrauenehe“ noch die Regel war.
      Eine Ausgangsthese von Mike war, dass mit der Eheschließung der Staat mit seinen gesetzlichen Regelungen ins Spiel kommt. Die Ehe halte ich für ein Rechtsgeschäft auf sehr lange Dauer und deshalb ist es auch keineswegs unromantisch, sich mit den Folgen zu befassen. Das macht jeder beim neuen Handyvertrag doch auch ganz selbstverständlich und der hat kürzere Laufzeit und ist einfacher zu kündigen!

      Ich finde es ist ein Zeichen von gegenseitiger Liebe, Vertrauen und Respekt, wenn man sich über solche Fragen miteinander austauscht und eine Regelung findet die trägt. Wenn sich die Lebensverhältnisse ändern – und das ist über die lange Zeit, eine Ehe eigentlich dauern soll, ganz normal, dann sollte der Vertrag überprüft und angepasst werden.

      schönen Montag
      Marion

      Antworten
  • 24. April 2017 um 09:35
    Permalink

    „glasklare Loose-Loose-Situation“
    Genauso habe ich Euch eingeschaetzt, Mike, beide seeehr locker, als Typen & bei Eurer Ehe.
    Prima. Loose = locker, lose.

    Oder? Oh nein, ihr meintet doch nicht etwa
    Lose = verlieren (so wie loser=Verlierer)?
    (kannste auch gerne Kommentar loeschen und oben korrigieren :-))

    Antworten
    • 24. April 2017 um 18:35
      Permalink

      Hallo Joerg,

      wir sind total lässige Personen, deshalb haben sich auch zwei zusätzliche o’s darein verirrt 🙂 Danke für deinen Hinweis – hat dir der Artikel ansonsten gefallen? 😀

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
      • 28. April 2017 um 14:55
        Permalink

        Ja, klar
        Aber ihr rationalen jungen Leute habt’s schon schwer heutzutage …
        Wir waren einfach verrueckt, verliebt, naiv und los ging’s 😁
        War aber auch eine andere Zeit. Weniger materialistisch, frecher, unkonventioneller, langsamer, intransparenter?, anders halt, nicht unbedingt besser?
        Ich freue mich fuer Euch auf Eure Hochzeit 😍

        Antworten
  • 24. April 2017 um 09:52
    Permalink

    Hallo liebe Beziehungs-Investoren,

    ich habe selten einen so guten Beitrag zum Thema Ehe und Finanzen gelesen, dem ich inhaltlich zu 100% zustimmen kann und der mich veranlasst, meinen ersten Kommentar hier zu schreiben.

    Die wichtigste Botschaft lautet wie üblich: Redet miteinander! Und ja auch oder insbesondere über das Thema Scheidung. Bei uns war das Endergebnis keinen Ehevertrag aufzusetzen. Aber auch das ist ein kontunierlicher Prozess, der mit der Eheschließung nicht aufhört.

    Wir sind jetzt seit drei Jahren verheiratet, haben mittlerweile einen ein-jährigen Sohn und stehen gerade vor der Entscheidung ein Haus zu bauen. Das ändert die Gemengelage noch einmal deutlich. Und auch hier spielen wir vorher alle Varianten durch: Was ist, wenn wir uns scheiden; was passiert, wenn einer vorzeitig verstirbt. Bei uns gilt die Devise: Den Ernstfall zu planen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man niemals auf diese Pläne zurückgreifen muss.

    Bislang fahren wir gut damit. Aber das verflixte siebte Jahr haben wir ja auch noch lange nicht erreicht 😉

    Viele Grüße
    Elmar

    Antworten
    • 24. April 2017 um 21:12
      Permalink

      Guten Abend Elmar,

      schön, dass du dich zu Wort meldest und vielen Dank für das Megalob – es hat mich wahnsinnig gefreut! 🙂

      Euer System gefällt mir gut. Kommunikation ist die Basis einer funktionierenden Beziehung. Ich stimme dir in deiner Aussage völlig zu, dass dies ein dynamischer Prozess ist und immer mal wieder angepasst werden sollte. Vor allem bei veränderterten Situationen.

      Wir haben in unserer Beziehung das verflixte vierte und siebte Jahr ohne Schäden überstanden. Vermutlich wird es in der Ehe genauso laufen – die Spannung ist größer als das tatsächliche Ereignis.

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
  • 25. April 2017 um 16:58
    Permalink

    Hallo Mariella und Mike,

    Hier schreibt ihr recht brutal, was sich hinter der Ehe rechtlich und finanziell so alles verbirgt. Dass ihr trotz all dem bald heiraten wollt, finde ich großartig und wünsche Euch daher viel Spass bei den Vorbereitungen und dann eine großartige Hochzeit!

    Freue mich Euren Blog entdeckt zu haben, die Blogparade hat geholfen 😉 vielleicht schaut ihr ja auch bei mir mal vorbei.

    Viele Grüße,
    FF

    Antworten
  • 28. April 2017 um 14:28
    Permalink

    No risk, no reward. Das gilt fürs Investieren (Börse vs. Tagesgeld) genau so wie für die Ehe. Kein Ehevertrag der Welt kann gleichzeitig beide Partner vor der möglichen späteren Bösartigkeit des Ex-Partners schützen. Selbst rechtlich eigentlich klaren Verpflichtungen wie Unterhalt wird im Falle des Falles immer wieder schlicht nicht nachgekommen. Effektiven Schutz liefert nur das Single-Dasein ohne Kinder.

    Es ist aber natürlich wichtig und sinnvoll, sich vorher die Folgen einer Ehe klarzumachen. Wobei ich da bemäkeln muss, dass das auch hier im Artikel wie fast immer nur sehr punktuell erfolgt. Wie in den anderen Kommentaren bereits diskutiert ist z.B. der Versorgungsausgleich ist mindestens genau so wichtig wie Unterhalt, den hat aber kaum jemand auf dem Schirm.

    Antworten
  • 1. Mai 2017 um 13:23
    Permalink

    Artikel wie diese häufen sich und stehen für einen neuen Typus an Beziehungen und eine neue Art Partner, die ich für meinen Teil nicht unterstützen kann. Die vielbeschriebenen Beziehungsinvestoren. Für diesen Personentypus muss eine Beziehung sicher sein, etwas bringen, sich rechnen, abgeklärt sein, geregelt sein und eine Trennung ermöglichen, die so schadenfrei wie möglich ist. Sie muss eben alles sein, was mir jede Lust auf eben diese Beziehung nehmen würde.

    Meine Frau und ich sind Mitte 30, haben beide einen Job und sind aus den ersten Berufsjahren in die Ehe gestartet. Keiner von uns hat einen großen Kunstschatz oder ein Vermögen im Hintergrund, was gibt es also faireres als die Zugewinngemeinschaft? Man wächst gemeinsam, wenn der eine mal zurücksteckt wegen der Kinder ist er abgesichert und sollte wirklich etwas in die Hose gehen, dann muss man eben den Ausgleich zahlen. Das ist fair, man hat eine gewisse Zeit seines Lebens miteinander geteilt und Verantwortung übernommen.

    Was mir aber viel wichtiger ist, und das ist auch der Grund waurm wir keinen Ehevertrag geschlossen haben: Man formt mit jeder Entscheidung die Zukunft. Die Diskussion über einen Ehevertrag säht eine winzige Saat des Misstrauens – und sei sie noch so klein. Das muss nicht wachsen, kann aber…für mich gibt es nur eine Entscheidung: Ehe, dann volle Kanne mit allem drum und dran und mit den gesetzlichen Standardregeln, oder keine Ehe.

    Ich kann mit die Situation nicht vorstellen, beim Notar zu sitzen und zu sagen: „Schatz, wenn wir mal nicht mehr zuammen sind, was passiert dann…“.

    Das habe ich 2013 gedacht bei Eheschließung und das denke ich auch heute noch.

    Ps.: Kommt ein Unternehmen ins Spiel, sind obige Gedanken nicht immer anwendbar. Ein Ehevertrag kann auch den Ehepartner vor den riesigen Kreditsummen schützen, die z.b. eine Gründung nach sich zieht…

    Antworten
    • 1. Mai 2017 um 13:54
      Permalink

      Hallo Christian,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Gedanken.

      Mit Sicherheit gibt es unterschiedliche Sichtweisen und Facetten einer Beziehung. Letzte Woche erst habe ich eine Differenzierung von Liebesstilen gelesen. Der Autor unterschied zwischen partnerschaftlichen, freundschaftlichen und emotional-leidenschaftlichen Stilen. Ersterer ist der historisch älteste und beruht auf Verhandlungen und Verträgen – auf diese Art baut u. a. unser Rechtssystem auf. Mittlerer basiert auf Gegenseitigkeit, persöhnlicher Entwicklung und unbewusster Entscheidung für den Freund. Und der letzte basiert auf ganzheitlicher Liebe ohne einen einzigen Aspekt des Gegenüber in Frage zu stellen – dies ist der jüngste Aspekt der Liebe.

      Deinem Text nach, vertrittst du mit deiner Frau die Ganzheitlichkeit und nimmst die Ehe und die Zukunft wie sie kommt. Dabei werden äußere Faktoren wie die Willkür des Staates als Kollateralschaden betrachtet – kleine Nebensächlichkeit, die die Romantik der Liebe nicht beeinflussen soll. Dieses Weltbild ist völlig legitim und nachvollziehbar. Und ich kenne viele Menschen, die derart handeln.

      Die Liebesstile wandeln sich mit der Zeit und stehen in einer dynamischen Interaktion miteinander. Bei uns mag das partnerschaftliche Vorherrschen mit der Freundschaft als Nebenspieler und einigen emotional-leidenschaftlichen Momenten. Dies war zu Beginn unserer Beziehung anders und wird sich vermutlich im Verlauf der nächsten Jahre erneut ändern.

      Zum Romantik-Killer im Ehevertrag wiederhole ich mich gerne: Unter der Prämisse mit dem Ehevertrag dritte Personen auszuschließen und zu schützen, kann es die Zweisamkeit und das Gefühl der Zugehörigkeit steigern.

      In eurem Fall mag die Zugewinngemeinschaft die fairste Lösung sein. Bei anderen stellt es die unfairste dar. Bei wiederum anderen ist ein Mittelweg die fairste Lösung für alle Parteien. In dem Artikel propangieren wir nicht den Ehevertrag und die Gütertrennung, viel mehr hoffen wir, dass Menschen beginnen darüber nachzudenken, was für sie die beste (und fairste) Lösung ist. Die habt ihr offensichtlich getan – wenn vielleicht auch nur getrennt voneinander und nicht im Dialog.

      Mit der Eheschließung halten es viele wie mit der Altersvorsorge. Am Ende stehen sie da und jammern und schimpfen auf andere Personen. In Wahrheit haben sie selbst den Zeitpunkt verpasst, Gespräche zu führen und Entscheidungen zu treffen.

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
      • 6. Mai 2017 um 12:26
        Permalink

        Mike, insbesondere mit deinem letzten Absatz hast du vollkommen recht. Das zieht sich über alle Lebensbereiche bis hin zur Altenpflege und dem Erbe, sodenn nach der Altenpflege noch was übrig ist.

        Unabhängig davon, wie man nun zum Thema Ehe und Beziehung steht, wichtig ist, dass beide auf welche Art auch immer ein Team gegen den Rest bilden, welches sich über den Modus des Zusammenlebens klar geworden ist :).

        Grüße, Christian

        Antworten
  • 20. Mai 2017 um 14:10
    Permalink

    Es tut mir leid, Mike, aber bei allem Kopfnicken ist mir bei dem Artikel doch etwas nebulös, was den bösen Staat angeht: Meine Frau und ich, frisch verheiratet, beide in Management-Angestelltenverhältnissen mit etwa gleich hohem Vermögen und gut 30% Gehaltsunterschied haben uns bewusst gegen Ehevertrag entschieden. Wir haben darüber lange diskutiert und sind uns einig, dass die Zugewinngemeinschaft die fairste Lösung ist, vor allem wenn einer gehaltlich wegen Kindern zurücksteckt, oder eine Karrierechance dem Partner zuliebe gehen lässt (z.B. Wegen Umzug oder um Fernbeziehung zu vermeiden). Eine Aufstellung unseres Vermögens zum Hochzeitstag haben wir für den Fall der Fälle gemeinsam erstellt.

    Nun frage ich ganz konkret: Wo haben wir den Staat übersehen? Wie könnte er uns ganz konkret im Scheidungsfall zur Kasse bitten und als lachender Dritte aus der unschönen Scheidung Kapital schlagen? Wir sind gerne bereit, unsere Entscheidung auch nich einmal notariell beglaubigen zu lassen, wenn wir verstehen, worauf du hinaus willst.

    Antworten
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