Inzwischen haben wir in mehreren Artikeln verschiedenste Aspekte der Eheschließung und der anschließenden Ehe beleuchtet. Zum Abschluss unserer Hochzeits- und Ehe-Artikelserie stehen heute noch einmal die Finanzen im Vordergrund. Ein Artikel voller Kontosysteme, Kostenstrukturen und Buchhaltung in der Ehe.

Ob nun langjährige Beziehung oder eine Ehe – in beiden Fällen ist es wichtig, dass ihr eure gemeinsamen Finanzen im Griff habt und ein passendes Organisationsmodell für euch identifiziert.

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Der erste Schritte ist mit dem Partner über Geld und alles was damit zusammenhängt zu sprechen. Um den zweiten geht es heute:

Diesen Artikel hat Marielle für Dich verfasst.

Was dich erwartet

Welche Möglichkeiten habt ihr in eurer Ehe eure Finanzen zu organisieren?

Bei den meisten Paaren beginnen die Fragen mit dem Zusammenziehen:

  • Wer übernimmt welche Kosten?
  • Zahlen beide gleich viel?
  • Verdient ihr unterschiedlich und übernimmt daher einer einen größeren Anteil der gemeinsamen Lebenshaltungskosten?

Spätestens bei der Eheschließung sollten diese Fragen geklärt sein.

Stattdessen tauchen neue auf – denn ihr seid jetzt füreinander verantwortlich. Gab es vorher zwei separate Steuererklärungen, war jeder für sein eigenes Chaos verantwortlich und ihr musstet nicht zwingend Verantwortung füreinander übernehmen, ändert sich dies jetzt radikal.

Neue Fragen können sein:

  • Wer macht die gemeinsame Steuererklärung?
  • Wo liegen alle benötigten Dokumente für die Steuer und welche Verträge hat der Partner abgeschlossen?
  • Im Fall des Falles – was will der Partner, welche Vollmachten liegen vor und wie kann die Verantwortungsübernahme aussehen?

Gemeinsame Steuererklärung als Ehepaar

Ausnahmen können – wie immer im deutschen, komplexen Steuersystem – dazu führen, dass die Einzelveranlagung sinnvoller ist als die Zusammenveranlagung. Dazu gehört zum Beispiel der Erhalt einer Abfindung und die damit verbundenen steuerlichen Vorteile, Einkünfte als Selbstständige oder dem Wegfall von Alleinerziehendenentlastungsbeträgen.

Im Regelfall (wie auch unsere Ehe es sein wird) greifen die oben beschriebenen Vorteile der Zusammenveranlagung und es gilt: Je größer der Einkommensunterschied, desto größer die Steuerersparnis durch die gemeinsame Steuererklärung.

Wichtig ist: Einkommen  ungleich Gehalt. Unser beider Gehalt ist fast identisch unser Jahreseinkommen dennoch stark unterschiedlich. Dies liegt an den höheren Kapitalerträgen, die Marielle erwirtschaftet.

Steuererklärung – Die Umsetzung

Um auf unsere Frage zurückzukommen: Wer übernimmt die gemeinsame Steuererklärung?

Hier könnt ihr überlegen, wie ihr es bisher gehandhabt habt. Hat jeder seine eigene Steuererklärung gemacht? Hattet ihr Hilfe von einem Steuerberater? Vielleicht hat einer von euch ein besonderes Interesse am Thema Steuern?

Grundsätzlich habt ihr verschiedene Möglichkeiten:

  1. Ihr engagiert einen Steuerberater – falls ihr bisher unterschiedliche genutzt habt, steht hier ein Abwägen und eine Einigung für euch an.
  2. Einer von euch übernimmt die gemeinsame Steuererklärung – der andere sorgt dafür, dass alle Unterlagen von seiner Seite vorliegen und unterschreibt am Ende mit.
  3. Ihr erstellt die Erklärung gemeinsam – und stellt damit das 4-Augen-Prinzip sicher.

Spätestens im Juli grüßt euch jedes Jahr die Abgabe der Steuererklärung. Falls es nicht im Chaos enden soll, empfehlen wir, euch frühzeitig auf einen Weg zu einigen. Und diesen anschließend verlässlich zu verfolgen.

Wir werden einen gemeinsamen Steuerordner (digital oder analog) anlegen und alle relevanten Dokumente in diesem sammeln. Nach der Steuererklärung kommen sie in eine Ablage, in der sie die nächsten 10 Jahre verweilen können. Dadurch erhoffen wir uns eine stressfreie Steuererklärung – ohne hektisches Gesuche nach relevanten Dokumenten.

Marielle ist unsere Steuerbeauftragte und erstellt diese jährlich mit der Steuersparerklärung* – so hat sie es bereits gemacht, als wir noch nicht verheiratet waren und es klappt jedes Jahr ganz entspannt. 

Gemeinsame Finanzen als Ehepaar organisieren

Zur gemeinsamen Steuererklärung und für alle anderen gemeinsamen Finanzthemen organisiert ihr euch zukünftig gemeinsam. Dies bedeutet, dass für euch ein praktikables und transparentes Konten- und Ablagesystem sinnvoll wird, indem ihr euch beide zurechtfindet.

Kontensystem für die Ehe

Diese Frage klären viele Paare lange vor der Ehe: Gemeinsames Konto, ja oder nein?

Wenn ja, behält jeder sein eigenes und wohin fließen die Gehälter? Auch hier gibt es  grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. Ein gemeinsames Konto – alle Geldeingänge fließen hierhin, alle Abgänge gehen von hier ab. Dies ist wohl das klassischste Vorgehen.
  2. Getrennte Konten – jeder hat seine eigenen Geldeingänge, wer gemeinsame Ausgaben begleicht wird entweder individuell besprochen oder es existieren Regeln. Dieses Vorgehen ist vor allem in den ersten Jahren einer Beziehung sehr häufig, doch auch in der Ehe ist dies weiterhin vertreten!
  3. Mix aus beidem – Geldeingänge kommen zuerst auf die individuellen Konten, jeder überweist anschließend einen Anteil auf das gemeinsame Konto, von dem gemeinsame Ausgaben beglichen werden. In Zeiten von Online-Banking und gelebter Emanzipation ist dies das aufstrebende Model.

Wir haben uns vor einigen Jahren für Möglichkeit 3 entschieden – nachdem Variante 2 immer wieder zu Diskussionen geführt hat, weil sie zu ständigen Aufrechnen führen kann. Dies funktioniert für uns wunderbar. Die anderen Optionen erleben wir auch im Bekanntenkreis hin und wieder. Das wichtigste ist, dass ihr darüber gesprochen habt und euch einig seid, welches System ihr nutzen möchtet.

Ablagesystem für organisierte Paarfinanzen

Hier wird es schon kniffliger – denn wer räumt schon gerne auf? Und dann auch noch das Chaos von jemandem anderen! Mit gemeinsamen Finanzen, einer gemeinsamen Steuererklärung und höchstwahrscheinlich mehr gemeinsamen Verpflichtungen (z. B. ein Kredit fürs Familienzuhause, Kosten für eine gemeinsame Reise oder Einkommensausfall eines Partners) wird es zunehmend wichtiger, dass beide Partner einen Durchblick über wichtige Unterlagen und Dokumente haben.

Der klassische Tipp ist sicherlich ein Ordner für jedes Jahr oder Thema anzulegen und dort alle gemeinsamen und eigenen Dokumente zu sammeln. Jeder kann jederzeit finden, was benötigt wird – vorausgesetzt die Dokumente werden umgehend – und nicht lediglich einmal im Jahr – abgelegt.

Hier stehen wir noch am Anfang: Bisher pflegt jeder von uns sein eigenes Chaos. Mit der Hochzeit und unserem Plan einer gemeinsamen Steuererklärung werden wir ab diesem Jahr einen gemeinsamen Ordner für unsere Dokumente führen. Anlegen werden wir diesen voraussichtlich direkt in der Woche nach der Hochzeit und all die Namensänderungs-Dokumente von mir einsortieren.

(Anmerkung Mike: Klüger wäre der 01. Januar gewesen 😀 )

Sonderthemen, wie Immobilien oder unser bald zu gründendes Unternehmen, werden separate Ordner erhalten. Somit werden wir eine Mischung aus Jahres- und Themenordnern erstellen, die wir hoffentlich beide durchschauen.

Auch, wenn es in der Ehe nochmals wichtiger wird, empfehlen wir frühzeitig mit einer organisierten Finanzstruktur eure Beziehung zu führen. Das System zu finden, dass zu euch passt, ist entscheidend, um nicht im Streit und schlussendlich finanziellen Fiasko zu enden!

Vorsorgen für den Fall des Falles

Mit der Ehe entscheidet ihr euch dafür füreinander da zu sein – unabhängig von der Situation. Mit dieser Entscheidung und der Verantwortungsübernahme für den anderen gehen auch ein paar organisatorische Themen einher, die ihr bedenken solltet.

In einem früheren Artikel haben wir darüber geschrieben, wie wichtig es ist, für den Ernstfall vorbereitet zu sein und sich gemeinsam um Themen wie Patientenverfügung und Versorgungsvollmachten zu kümmern. Aber auch auf der Finanzseite gibt es ein paar Tipps, die im Ernstfall Gold, Zeit sowie bares Geld wert sein können.

Tipp Nr. 1: Zugangsdaten für Konten und Depots

Im Fall, dass einer von euch unerwartet nicht mehr zurechnungsfähig ist, sind Finanzthemen meist erst einmal zweitrangig. Ein Aktien-Depot braucht in bestimmten Zeiten eine gewissen Pflege und Aufmerksamkeit. Vielleicht ist es aber auch nur die Kleinigkeit, dass der Partner monatlich einen variablen Betrag vom Angesparten auf seinem Tagesgeld für eine Sonderausgabe (wie die Auto-Leasingrate) aufs gemeinsame Girokonto überweist, sollte dies nicht von den normalen Einnahmen zu decken sein.

Für solche Fälle benötigt der Partner als nahestehenste Vertrauensperson Zugang zu den individuellen Konten/Depots. Abgesehen vom reinen Austausch der Zugangsdaten, gibt es rechtssichere Möglichkeiten. Beispielsweise habe ich bei meinem Depot eine Vollmacht für meine Mutter eingerichtet – sie kann jederzeit (mit ihren eigenen Zugangsdaten) mein Depot und Konto bei dieser Bank einsehen. Im Notfall, kann sie die Bankgeschäfte für mich übernehmen und die Bank weiß Bescheid, dass sie das darf. Nach der Hochzeit werde ich diese Vollmacht auf Mike übertragen.

Eine weitere Möglichkeit ist, die persönlichen Zugangsdaten an einem vereinbarten Ort aufzubewahren. Dies kann ein weiterer gemeinsamer Vertrauter (oder sogar ein Anwalt) oder ein vereinbartes „Versteck“ in den gemeinsamen Unterlagen sein. Im Notfall ist sichergestellt, dass nur der Partner weiß, wo er die Daten des anderen findet und diese aber nicht jederzeit mit sich herumträgt.

Tipp Nr. 2: Eintragung in Versicherungen

Habt ihr eine Lebensversicherung?

Dann lohnt sich nach der Hochzeit der Blick in die Unterlagen.

Wer ist als Leistungsempfänger eingetragen? In vielen Fällen sind es die Eltern. Möchtet ihr, dass im Versicherungsfall euer Ehepartner berechtigt ist, die Prämie zu erhalten, könnt ihr die Verträge nach euren Wünschen anpassen.

Auch in Fällen, bei denen ihr vielleicht gar nicht daran denkt, dass es einen Berechtigten außer euch geben könnte, lohnt sich der Blick in die Unterlagen: Bei mir steht beispielsweise in der Riester-Rente und auch im Bausparvertrag meine Mutter als Berechtige im Vertrag, falls ich vor Zahlungsbeginn sterben sollte. Wann und wie ich diese Verträge umschreiben kann und will, weiß ich noch nicht. Wichtig ist für uns, dass wir uns diesen Themen gemeinsam annehmen, um für geklärte Verhältnisse zu sorgen!

Tipp Nr. 3: Testament

Noch ein To-Do, um Eure Finanzen in der Ehe geordnet zu bekommen: Entspricht die gesetzliche Erbfolge nicht euren Vorstellungen? Dann könnt ihr dies in einem bestimmten Rahmen festhalten. Möglichkeiten gibt es viele.

Ihr könnt ein „Berliner Testament“ aufsetzen, sodass im Todesfall eines Partners erst einmal nur der andere erbt – dies kann zwar zu einem für die eine Person hohen Erbbetrag (und damit etwaige Erbschaftssteuer) führen, kann allerdings auch gemeinsam aufgebautes Vermögen (bspw. in Form eines Unternehmens oder Immobilien) vor der Zerschlagung schützen.

Nicht jedes Ehepaar benötigt ein Testament, da in vielen Fällen die gesetzliche Erbfolge funktioniert. Auch hier gilt: Redet miteinander auch über diesen Fall, um zu wissen, was für euch und eure Beziehung das richtige Modell ist.

Fazit zu organisierten Finanzen als Ehepaar

Unfassbar!

Unser Countdown ist beendet. Alle Punkte der Hochzeits-Checkliste sind erledigt.

Am Dienstag werden wir uns standesamtlich trauen und am Samstag steht die freie Trauung bei schönstem Wetter an.

Mittlerweile sind wir mega aufgeregt und mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt.

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