25 Jahre gelebte Vereinbarkeit mit 4 Kindern und einem erfolgreichen Unternehmen

Vereinbarkeit als Unternehmer*in. Unter diesem Motto unterhielten wir uns mit  Ines und Jens.

Ines und Jens sind Diplom Psychologen und seit 25 Jahren gemeinsam*e Unternehmer*in. Vor zehn Jahren haben sie ihr Unternehmen neu gegründet, um unter anderem ihre Vereinbarkeitsstrukturen besser leben zu können. Ines und Jens haben vier Kinder im Alter von 12, 14, 18 und 22 Jahren.

Gelebte Vereinbarkeit Sunny und Klaus

Uns interessiert, wer seid Ihr und was sollten unsere Leser*innen über Euch wissen?

Jens: Wir sind leidenschaftliche Psychologen und lieben es zusammen zu arbeiten. Aus unserer Sicht haben wir ein gutes Modell gefunden unseren Beruf, die Familie und unsere Leidenschaft zu vereinbaren.

Ines: Wir machen Marktforschung und reden viel mit Frauen und Paaren. Von ein paar Monaten ist mir aufgefallen, dass das Thema Vereinbarkeit sich in den letzten 20 Jahren nicht besonders stark entwickelt hat. Zumindest hatte ich durch unsere Studien den Eindruck, dass die gleichen Probleme, die wir damals hatten, auch heute noch auf dem Tisch sind.

Auch als Podcast

Wie sieht euer Vereinbarkeitsmodell von Beruf und Familie aus?

Jens: Die Dynamik ist, dass mal der eine, mal der andere stärker im Vordergrund steht und das ist eine Voraussetzung für Vereinbarkeitsmodelle, dass man das eben ertragen und gut finden kann. Dass man sehen kann, wie der andere zum Beispiel auf einer Bühne performt und Beachtung bekommt und sich verwirklichen kann. Wir haben gemerkt, uns ist es wichtig, kein Modell zu haben, bei dem sich der eine mit seinen Möglichkeiten zugunsten der Gesamtkonstruktion hintenan stellt. Uns beiden war es wichtig in der Familie präsent zu sein und auch im Beruf voranzukommen. Da haben wir uns gefragt, wie kriegt man das zusammen? 

Ich hatte keine Lust, auf die Kontakte mit den Kindern zu verzichten, so wie in dem klassischen Modell, bei dem der Mann arbeiten geht. Und Ines hatte keine Lust, ihre beruflichen Ambitionen hintenan zu stellen.  
Die Krux war, dass in halbe Tage zu gehen nicht das Richtige für uns war. Wir wollten unsere eigene Form finden, die zu uns passt. Wir leben in einer Zeit, in der man nicht alles kann und in der man auf Widerstände trifft, aber es gibt trotzdem die Möglichkeit, was Neues zu versuchen und das haben wir gemacht.

Ines: Wir haben gleich während der Schwangerschaft mit dem ersten Kind ein Modell entwickelt, das wie folgt aussieht. Wir hatten beide vor, Vollzeit zu arbeiten und uns beide um die Kinder zu kümmern. Die Woche haben wir in kurze und lange Tage aufgeteilt. Montags kurz, dienstags lang, mittwochs kurz usw. und umgekehrt. Das heißt, derjenige mit dem kurzen Tag, war ab mittags für die Kinderbetreuung zuständig und derjenige der die langen Tage hat, hat die Möglichkeit Kunden zu treffen, zu verreisen und unterwegs zu sein. Kurze Tage bedeuten sechs Stunden, lange Tage zehn Stunden. Da die Woche fünf Tage hat, haben wir den Freitag über das ganze Jahr abwechselnd aufgeteilt.


So konnten wir realisieren, dass wir beide 40 Stunden arbeiten und jeder zwei bis drei Nachmittage mit den Kindern verbringen oder unseren Kunden zur Verfügung stehen kann.  Das war unser Grundgedanke und so haben wir von Anfang an geplant und es auch durchgezogen.  Auch gegen viele Widerstände, denn vor zwanzig Jahren wurde das überhaupt nicht gerne gesehen. Ich habe mir so Sprüche anhören müssen, wie „Meine Frau ist doch auch klug und bleibt zu Hause.“ Das war schon ein starkes Stück. Und Jens hat sich durchaus auch von unseren damaligen Partnern, die alle Männer waren, einiges anhören müssen oder von eher konservativen Unternehmen, die wir als Kunden betreut haben, komische Blicke geerntet. 

Euer Vorgehen klingt sehr spannend, ihr habt euch erst überlegt, was ist euch wichtig und was sind eure Bedürfnisse, zum Beispiel der Kontakt zu den Kindern und sich gleichzeitig beruflich zu entwickeln. Und seid dann in einem zweiten Schritt in die Lösungsebene gegangen. War euch das so bewusst oder ist das aus der Routine heraus und mit eurem psychologischen Hintergrund entstanden?

Ines: Das war uns bewusst. Wir haben das genau so entschieden und definiert. Wie kriegen wir es hin, dass wir beide die Kinder sehen und weiterarbeiten können. Wir wollten das beide so, nicht nur um Geld zu verdienen, sondern weil wir das Bedürfnis hatten. Wir haben beide eine Ausbildung und können was, haben beide einen Namen in der Branche und wollen beide weiterarbeiten.  Das war uns sehr klar, dass wir dafür eine Lösung finden wollen.

Jens: Wir hatten auch das Gefühl, dass es unserer Beziehung nicht guttut, wenn wir da keine Lösungen versuchen zu finden. Am Anfang überlegten wir, wie man das eben auch umsetzt. Ihr sitzt hier, interviewt uns mit einem Kleinkind, das somit einbezogen ist. Und das war damals auch unsere Situation. Da muss man sich überlegen, was wenn der Kleine plötzlich schreit. Wie kann man mit solchen Situationen umgehen?  Da sind viele Dinge erst aus dem Tun heraus entstanden. Weil wir da recht schnell Lösungen finden mussten.

Ines: Dabei haben wir große Flexibilität gelernt. Das ist das dritte Bedürfnis, dass wir auf unsere Partnerschaft gucken wollten. Das kann eine Herausforderung sein. Klar standen unsere Bedürfnisse im Vordergrund, sind aber dennoch oft zu kurz gekommen, gerade was unsere Partnerschaft angeht.  Wir haben gelernt, sehr flexibel zu reagieren.  Vielleicht war das Geheimnis zu sagen, wir haben einen ganz konkreten Plan, den wir bis ins kleinste Detail durchdacht haben. Dann hat sich das oft nicht so umsetzen lassen, wie Jens schon sagte. Wenn zum Beispiel das Kind im Kindergarten gekotzt hat und abgeholt werden musste. Was passiert denn dann, wer ist verantwortlich? Wer wird angerufen? Und da haben wir gesagt, derjenige, der den kurzen Tag hat, kann sich zwar Kundentermine legen, aber wenn ein Kind krank wird, bleibt man beim Kind oder holt das Kind ab.

Was sich im Laufe der Zeit als sehr wertvoll herausgestellt hat ist, dass wir eine Assistenz der Geschäftsführung haben, die nicht nur unsere beruflichen Termine koordiniert, sondern auch ein Auge darauf hat, dass die Kinder mit betreut sind. Dass sie zum Beispiel mit darauf achtet, dass wir nicht beide morgens um sechs Uhr gleichzeitig nicht da sind. Weil der eine irgendwo übernachtet hat und der andere früh los muss. Das sind Dinge, da hat unsere Assistentin, die in unserem Unternehmen angestellt ist, einen besonderen Job, sie musste das mit bedienen. Das haben wir bei der Einstellung aber auch immer gesagt, dass das dazugehört, uns als Familienunternehmen im wahrsten Sinne des Wortes, komplett zu managen. 

Veränderung Sunny und Klaus

Würdet ihr sagen, dass Vereinbarkeit für euch als Selbstständige einfacher war, als es als Angestellte gewesen wäre?

Jens: Das kriegen wir tatsächlich häufiger zu hören, das ist auf den ersten Blick naheliegend, dass man denkt, Selbstständige können viel Stärker die Art und Weise des Arbeitens gestalten, als wenn ich in einem festen Angestelltenverhältnis bin. Aber das stimmt so nicht. Es ist immer so, dass beide Dinge Vor- und Nachteile haben. Wenn ich ein Unternehmen bin, dass ein solches Vereinbarkeitsmodell mitträgt, dann kann ich auch einfordern, dass ich entsprechend mit den Zeiten und den Herausforderungen, die damit verbunden sind, auch Arbeiten zugeteilt bekomme oder dafür verantwortlich gemacht werde. Also da würde das Unternehmen, wenn man sich einmal darauf commited hat, einen unterstützen. Bei uns ist es so, dass wir damals konkret die Erfahrung mit den Partnern gemacht haben, dass Leute, die mit uns auf der Partnerebene im Wettbewerb waren, plötzlich Anwesenheit zum politischen Thema gemacht haben. Da man in dem damaligen Vereinbarkeitsmodell viel auch schon im Homeoffice gemacht hat oder auf Effizienz gesetzt hat, haben die Leute dann plötzlich, vorzugsweise Männer, ihre zehn, zwölf vierzehn Stunden abgesessen. Und haben gesagt, ich diene dem Unternehmen in einer ganz anderen Art und Weise, durch meine Präsenz. Und da wurden politisch geprägte Diskussionen an so einem Thema festgemacht und das hat tatsächlich dazu geführt, dass wir gesagt haben, wenn das dann so ein Umfeld ist, dann passt das nicht. Das kriegen wir nicht zusammen. Wir hatten da immer Reibereien und haben von daher gesagt, wir gründen unser eigenes Unternehmen, wo wir es ein Stück weit selbst gestalten können. Das machen wir jetzt auch für jede Einstellung zur Bedingung. Also Leute müssen tatsächlich, wenn sie zu uns kommen, sich prüfen, ob sie es sich so auch vorstellen können. Dieses Credo mussten wir selbst aufstellen und gestalten, das war wichtig.

Ines: Es ist nicht abhängig von Selbstständigkeit oder Anstellung. Man muss sich die Rahmenbedingungen selbst schaffen. Ich glaube das geht auch in halbwegs aufgeschlossenen Unternehmen. Wenn Frauen und Männer gleichzeitig sagen, Arbeiten und Familie hängen zusammen. Das ist auch so eine künstliche Trennung, die Familie auf der einen Seite, der Job auf der anderen. Das hat doch viel Einfluss aufeinander und glücklicherweise hat Corona das ja auch noch einmal verdeutlicht.  Nicht, dass es das entstresst hat, aber es hat es deutlich gemacht, dass es zusammenhängt.

Jens: Man darf auch nicht unterschätzen, welche Herausforderung das für selbstständige bedeutet. Ich gebe mal ein kurzes Beispiel. Ich war mal eingeladen in Hamburg und da ging es um strategische Szenarien auf einer Vorstandsebene. Und der Vorstand fand das so faszinierend, dass er sagte, wir machen jetzt hier open end. Wir bezahlen auch die Übernachtung. Und ich würde gerne bis mitten in der Nacht zusammen mit ihnen weiter an der Sache feilen. Und da habe ich sagen müssen, nee das finde ich ja toll, dass Sie das toll finden, aber ich muss jetzt fahren. Denn am nächsten Tag hatte meine Frau einen Termin woanders und der Babysitter wartete. Da habe ich gesagt, es tut mir leid, aber das wird hier heute Abend nicht weitergehen und das hat er mir übel genommen. Weil er dann in seinem Empfinden war, er hätte doch alles möglich gemacht.  Er hat dann noch fünfmal nachgefragt, da kriegst du schon Druck. Von daher sollte man sich das nicht schönreden, die Selbstständigkeit erleichtert das nur bedingt.

Mike: Man ist vielleicht in sich selbst etwas flexibler in der Zeitgestaltung, aber die Kunden haben natürlich auch eine Agenda, einen Zeitplan. Und wenn man gerade in einer Präsentation steckt und angerufen wird, man muss sein Kind jetzt abholen. Das muss man erstmal kommunizieren und da braucht man auch manchmal Kunden, mit Verständnis dafür, dass man die Präsentation für eine halbe Stunde unterbricht, um dann wieder zurückzukommen, um das Ganze fortzuführen. Oder die Präsentation auf eine andere Woche zu legen. Da hängt sehr viel mit dran und das interne Zeitmanagement von euch beiden ist nur ein Faktor von vielen, damit das Ganze vereinbart werden kann. Das gilt bei einer Anstellung genauso. Ich finde, ihr habt das gerade so schön gesagt, mit der Kommunikation, dass die so wichtig ist. Denn es ist egal, ob man selbstständig ist oder angestellt. Man muss mit den Leuten reden. Man muss im Unternehmen reden, man muss sagen was man sich vorstellt, was die eigenen Bedürfnisse und Wünsche sind. Um dann in eine Lösungsfindung reinzugehen, weil ansonsten ist es von vorneherein leider schon zum Scheitern verurteilt.

Ines: Da sagst du was ganz Wichtiges. Den meisten ist es peinlich zu sagen, ich muss jetzt mein Kind abholen oder das hat Bedürfnisse. Das muss man sich erstmal trauen. Das stößt oft auf Widerstände, gerade auch bei Männern. Bei Frauen ist es vielleicht noch akzeptierter, es sei denn sie arbeiten nicht Teilzeit. Und das habe ich ja auch nicht gemacht. Da ist dann der gleiche Anspruch und ein Unverständnis da, das man das Kind nicht weg organisiert hat. Jedenfalls nicht komplett. Wir haben es sehr gut organisiert, aber es kann trotzdem immer mal was dazwischenkommen. Kinder, Familie und das Leben selbst haben Unwägbarkeiten, die man nicht weg planen kann, egal wie gut man plant. Und ich finde, da sind alle Männer wie Frauen aufgefordert, das wirklich auch immer wieder darzustellen. Sich nicht zu schämen und zu sagen, das ist mir jetzt peinlich, dass da ein sechs Monate altes süßes Baby ist oder ein Kindergartenkind.  Weil warum soll es einem peinlich sein? Diese Haltung hat sich für mein Empfinden in den letzten zwanzig Jahren wenig geändert und wird immer noch nicht als was Positives gesehen. Am besten bist du organisiert, wenn man gar nicht mitbekommt, dass du ein Kind hast. Schade eigentlich.

Jens: Ich glaube es ist wichtig, dass man an den Maßstäben arbeitet, sodass sie verändert werden. Meine Erfahrung ist, wenn du eine Präsentation unterbrichst, mit der Entschuldigung meine Mutter ist schwer gestützt, da muss dringend jemand hin, würde niemand verlangen, dass ich die Präsentation zu Ende halte. Es hat jeder Verständnis dafür, dass ich mich kümmern muss. Wenn ich, aber sage mein Kind kotzt, denken alle, kann das nicht jemand anderes übernehmen, ist das jetzt so wichtig? Und das finde ich nicht richtig.

Marielle: Das stimmt, das ist Fakt. Ich merke das auch bei mir selbst. Als ich noch in meinem Angestelltenverhältnis war, habe ich am Anfang immer eine Begründung gesucht, warum ich jetzt gehen muss. Das war vor Corona noch die Homeoffice Phase, wenn ich gesagt habe, ich mache nicht einfach so Homeoffice, ich muss immer einen guten Grund haben, zum Beispiel die Handwerker kommen. Meine Chefin hat immer gesagt, ist doch egal du brauchst mir keinen Grund zu geben. Doch ich habe es trotzdem gemacht, weil es so tief verankert war. Da hat Corona was Gutes getan, dass es heute nicht mehr so ist, sondern dass Homeoffice jetzt normal ist. Ich merke das immer beim Podcast aufnehmen, dass ich denke ich muss mich entschuldigen, wenn der Kleine Geräusche macht. Aber das muss ich nicht, wir sind eine Familie und er gehört dazu. Das ist ein wichtiger Lernprozess, den ihr da ansprecht.

Ines: Total und wir freuen uns über die Geräusche, nur mal so am Rande. Uns stört das nicht, wir finden das super. Wir haben unsere Kinder in unserem Unternehmen auch oft da und wir mögen das, wenn die Kinder auch ins Unternehmen kommen, ich halte die Trennung von Kindern und Arbeit für künstlich und nicht realistisch.

Veränderung Sunny und Klaus

Wart ihr euch immer einig mit eurem Modell oder gab es Streitpunkte?

Ines: Das Modell an sich war kein Streitpunkt. Das haben wir sehr gut hinbekommen.  Wenn wir uns auseinandersetzen, dann wenn wir was verschieben müssen. Wenn zum Beispiel ein wichtiger Termin an einem Tag wäre, der mein kurzer Tag ist, dann kann ich die Assistentin anrufen und fragen, ob ich den Tag tauschen kann. Da gab es im Laufe der Jahre Streitpunkte, welche Kunden priorisiert werden müssen. Bisher haben wir es immer gelöst. Hier und da haben wir sicherlich mal eine Kinderbetreuung oder einen Babysitter organisiert. Über das Modell selbst waren wir uns einig und haben es sehr gut entwickelt und über zwanzig Jahre gelebt.

Jens:  Wenn, dann gab es in der Umsetzung mal Streit. Beispielsweise wenn sich unsere sehr wertgeschätzte Kollegin mal vertan hat. Wie geht man mit einer Doppelbelegung von einem Termin um? Ansonsten gab es mal den Punkt, über den wir heute lachen. Damals, wenn ich die Kinder betreut habe, dann habe ich sie auch angezogen. Ines war dann oft mit der Art und Weise, wie ich die Kinder gekleidet habe, nicht zufrieden. Darüber hatten wir mal eine ernsthaftere Auseinandersetzung. Das ging so weit, dass ich gesagt habe, dann kaufe ich für meine Tage eigene Kinderkleidung. An meinen Tagen bin ich verantwortlich und dann entscheide ich das. Das war eine kurze Phase bei uns.

Ines: Das ist auch ein Tipp, den man besonders Frauen mitgeben kann. Man muss auch abgeben und sich damit arrangieren, wie der andere die Situation löst. Dabei läuft es notwendigerweise anders, als man selbst es machen würde. Vielen Frauen fällt das schwer und entscheiden sich dann doch für eine Teilzeitstelle, mit der sie mehr bei den Kindern sein können. Für mich war das mit Jens ein großes Learning. Im Großen und Ganzen waren wir uns bei der Kindererziehung einig, es gibt immer wieder Details, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

Mike: Das ist ja auch für die Kinder eine gute und wichtige Sache. Mama und Papa sind ja nicht eine Person, sondern zwei verschiedene Personen, die Dinge unterschiedlich lösen. Aus den unterschiedlichen Lösungen heraus, lernen Kinder viel für sich selbst. Wo man sich auf diesem Spektrum denn einordnen möchte und was man daraus lernen will.  

Ines: Das ist Familiendiversity.

Mike: Ab einem bestimmten Alter kommt ja auch noch die Meinung des Kindes dazu.

Ines: Selbstbestimmung finden wir auch sehr wichtig. Die Selbstbestimmung und die eigene Meinung werden umso stärker, je mehr die Kinder in die Pubertät kommen. Wir können da gerade ein Lied von singen. Es wird sehr anstrengend und man kann aus anderen Gründen nicht mehr ruhig schlafen, zum Beispiel, weil die Kinder sehr spät nach Hause kommen.

Jens: Es gibt noch einen anderen Punkt zum Thema abgeben können, der eher die Männer betrifft. Es ist was anderes, wenn ich im Selbstverständnis durch die Gegend laufe, ich bin der Ernährer der Familie und ich hole das Geld rein, eine Haltung wie der uneingeschränkte König der Familie. Das ist in einem Modell wie bei uns anders. Bei uns ist es deutlich gleichberechtigter und der klassisch männliche Habitus, macht da wenig Sinn. Was nicht heißt, dass man nicht sehr männlich auftreten kann. Meiner Erfahrung nach, hat das entlastende Qualität, denn so muss ich nicht immer alles schultern. Wir schultern Dinge gemeinsam und das fühlt sich sehr gut und partnerschaftlich an.

Ines: Wo du das sagst, mit dem Schultern. Das ist so ein Punkt, den ich immer wieder in den Studien merke. Wir nennen das Teilzeitfalle für die Frauen. Wenn Frauen sich entscheiden, nur Teilzeit zu arbeiten, dann kommen sie meistens in einen wahnsinnigen Stress. Der sieht nämlich so aus, dass sie ihren Job in der Hälfte der Zeit genauso perfekt machen wollen und immer mit dem Gefühl nach Hause gehen, ich habe es wieder nicht geschafft. Dann kommen sie nach Hause, machen da die volle Kinderbetreuung und den kompletten Haushalt. Weil die Männer sagen, jetzt ich bin froh, dass du auch Arbeiten gehst und Karriere machst, erwarten aber trotzdem das der Haushalt irgendwie gemacht ist. So kommen die Frauen in eine extreme Doppelbelastung. Egal wie man sich aufteilt, wichtig ist, dass die Verantwortung nicht nur von Einem geschultert wird.  So wie der Mann dann nicht die alleinige Verantwortung für das Finanzielle hat, sollten die Frauen darauf achten, dass sie nicht die alleinige Verantwortung für den Rest haben.

Bei uns ist es so, dass wir uns beide eine gleichwertige Partnerschaft gewünscht haben. Weil wir beide gerne als Psychologen arbeiten und weil wir beide gerne Zeit mit den Kindern verbringen wollen.

Veränderung Sunny und Klaus

Welche drei Dinge müssten sich in der Gesellschaft und der Arbeitswelt ändern, damit noch mehr Paare gleichberechtigt ihre Beziehung und Elternschaft leben können?

Ines: Männer wie Frauen müssen bei ihren Arbeitgebern deutlich machen, dass sie Familie und Beruf vereinen wollen. Und das Paare miteinander verabreden, es darzustellen. Was wir immer hören ist, „bei meinem Mann im Unternehmen geht das nicht, deswegen muss ich zu Hause bleiben“. Oder „nee das kann der nicht bringen“. Und ich glaube, dass es eine Aufgabe der Paare ist, nicht nur der Frauen, sondern der Paare, zu sagen, wir gehen zu beiden Arbeitgebern und sagen wir möchten es vereinen. Und vielleicht ist es auch klug, wenn Frauen und Männer sehr deutlich machen, dass sie Kindererziehung gleichberechtigt leben wollen. Ich halte es für wichtig, dass auch Männer sowas ansprechen, zusammen mit ihren Frauen. Es ist auch klug sich Arbeitgeber danach auszusuchen, wo das geht. Das kann man bevor man Kinder bekommt, noch sehr viel freier entscheiden und mit dem Partner vereinbaren.

Jens: Das fängt bei einem selbst an, man muss sich darüber im Klaren sein, was man wirklich will. Und muss sich da ehrlich gegenübertreten und sich fragen, will man ein Vereinbarkeitsmodell oder ist man nicht doch eher klassisch aufgestellt. Es gibt bestimmt einige Männer und auch Frauen, die gar nicht so teilen wollen.
Und dann ist es wichtig, dass man das Profil, das man hat, auch wirklich festlegt und schaut in welchem Umfeld bekomme ich das auch umgesetzt. Das muss man sich genau angucken und sich selbst ehrlich einschätzen.

Der dritte Punkt ist der, im Moment haben wir einen guten Arbeitnehmermarkt in vielen Bereichen. Wenn, dann kann man jetzt solche Modelle durchsetzen.

Ines: Noch eine Sache, wenn wir über Vereinbarkeit reden, dann sollten nicht nur die Frauen sprechen. Redet gemeinsam mit den Männern. Kommt als Paar daher und nicht nur als Frauennetzwerk. Vereinbarkeit ist nicht nur Frauensache, genauso wenig wie Verhütung nur Frauensache ist.

Mike: Ich finde es sehr schön was ihr sagt. Es zeigt auch nochmal Eltern werden oder sein bedeutet auch als Team unterwegs zu sein, egal in welche Richtung man das eventuell ausweiten möchte. Die zweite Sache, die ich super finde, ist bei den Arbeitgebern tatsächlich pro aktiv das Gespräch zu suchen. Meiner Meinung nach auch gerne schon im Vorstellungsgespräch. 

Jens:  Genau und aus Perspektive des Unternehmers kann ich sagen, du wirst als Mitarbeiter berechenbarer. Beide können sich so überlegen, passt das zusammen oder nicht.

Ines: Wir bewerten es sehr positiv, wenn Arbeitnehmer, besonders Männer diese Themen ansprechen.

Habt ihr euch schon mal über Geld gestritten und wenn ja, wie habt ihr es gelöst?

Ines: Wir haben diese Frage diskutiert und uns ist nicht eingefallen, dass wir schon mal über Geld gestritten haben. Wir überlegen schon was wir wie finanzieren und stemmen können, unsere Lösung hier ist, wir haben beide ein Einkommen und wir versuchen, die große Dinge gemeinsam zu stemmen, haben aber auch beide große persönliche Freiheiten innerhalb dieser Gemeinsamkeit.

Jens: Wir haben intensive Gespräche darüber, wie wollen wir unser Einkommen einsetzten oder sollten wir was ändern. Wir glauben, gerade weil wir in dieser partnerschaftlichen Art und Weise miteinander umgehen, gerade weil wir jeder unser Einkommen haben, sind auch die Streitpunkte nicht so groß. Keiner hat mehr zu sagen als der andere. 

Veränderung Sunny und Klaus

Wo können unsere Leser*innen mehr von euch erfahren?

Ines: Zum einen freuen wir uns über Vernetzungen auf LinkedIn, unter Jens Lönneke und Ines Imahl.  Und wir haben eine sehr schöne Website www.rheingold-salon.de .

Welches abschließende Statement möchtet ihr noch mitgeben?

Ines: Die Vereinbarkeit zu leben geht. Auch wenn man Karriere machen möchte und in einem Angestelltenverhältnis ist es möglich. Beispielsweise mit unserem `lange Tage- kurze Tage` Modell. 

Jens: Habt Mut die Lebensmodelle zu entwickeln die ihr leben wollt und lasst euch nicht ins Bockshorn jagen.

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