Hallo und herzlich Willkommen im neuen Jahr 2018!

Erfreulicherweise weilen wir weiterhin am anderen Ende der Welt und schnuppern mit unseren 5-wöchigen Flitterwochen ein wenig daran, wie es sein könnte eine längere Auszeit zu nehmen und um die Welt zu reisen. Drei Monate, ein halbes Jahr oder sogar noch länger dem Job fernbleiben und andere Länder entdecken ist derzeit echt angesagt!

Daher freuen wir uns umso mehr, dass heute ein echter Experte auf dem Sabbatical-Gebiet einen Gastbeitrag verfasst hat, um Dir die entscheidenden Tipps zu geben, um selbst eine solche Auszeit umsetzen zu können. Denn klar – Geld kostet sowas eine ganze Menge!

 

Bühne frei für Jens vom Blog „Overlandtour“:

Finanzierung eines Sabbaticals – Oder was kostet die (Frei)Zeit

Was ist denn ein Sabbatical?

Neudeutsch heißt es heute Sabbatical, aber füher sagte man dazu einfach Sabbatjahr.

Ein Sabbatical ist eigentlich eine Art Altersteilzeitmodell, das nur etwas früher genommen wird. Du gehst somit nicht früher in Rente oder Pension, sondern ganz normal nach deiner Freistellungsphase wieder zurück in deinen Job.

Das Sabbatical oder das Sabbatjahr ist ein Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub.

Der aus den USA stammende Begriff sabbatical, nach dem biblischen Sabbatjahr, wurde von Professoren an US-amerikanischen Universitäten als Begriff für ein Forschungssemester oder Freisemester geprägt.

Im weiteren Sinne beschreibt Sabbatical/Sabbatjahr oder auch gap year einen Zeitraum der Teilzeitarbeit oder Auszeit.

An europäischen Hochschulen sind solche Auszeiten seit den 1990er-Jahren möglich und werden zunehmend in Anspruch genommen. Analoge Regelungen entwickeln sich auch in der Wirtschaft, insbesondere in größeren Unternehmen.

 

Wie finanziere ich mir meine (Frei)Zeit?

Das ist eine Frage, die viele beschäftigt. Die Freizeit, also die bezahlte Freistellungszeit finanziert sich fast von selbst. Nicht dass du jetzt denkst „Cool bezahlten Urlaub für lau“, so ist das jetzt nicht. Bei einem Sabbatical einigst du dich mit deinem Arbeitgeber auf einen gewissen Freistellungszeitraum. In diesem Zeitraum erhältst du weiterhin dein Gehalt, aber hast Zeit für deine Weltreise oder deine Familie, baust ein Haus oder oder oder….

Der kleine Haken an der Sache ist, dass du vorher (Ansparphase) auf einen gewissen Teil deines Einkommens verzichtest. Dein Arbeitgeber schenkt dir kein Geld, sondern eine gewisse Freiheit, die du für dich nutzen kannst.

Wieviel dir deine Freizeit wert ist und auf wieviel Geld du in der Anspar- und Freizeit verzichten möchtest, das liegt bei dir! Das Schöne daran ist, dass du bei der Ausgestaltung sehr flexibel sein kannst, aber dazu später etwas mehr.

 

Einmal um die Welt und dennoch ein Haus abbezahlen – Ein Praxisbeispiel

Wer jetzt sein Sabbatical beantragt hat, hat auf alle Fälle ein Einkommen. Ich selber habe mein Einkommen zur Deckung meines Kreditvertrages genommen und alle laufenden Kosten von zu Hause während meiner einjährigen Weltreise zu bezahlen.

Ich fand es wichtig, dass ich mir dadurch eine finanzielle Rücklage für später aufgebaut habe. Eigentum bedeutet gerade in einer Großstadt, dass die eingesparte Miete nach der Abzahlung des Kredits richtig Geld ist. Dazu kommt, dass das Betongold noch eine sichere Anlage ist.

Meine Weltreise war gar nicht einmal so teuer.

Ein Jahr um die Welt, das war mein Plan und der hat mich gerademal gute 16.000 Euro gekostet. Viele Fragen nach einer solchen Reise nicht als Erstes „Wo war es denn am schönsten?“ sondern eher „Das muss aber teuer gewesen sein!“.

Nach meiner Antwort sind sie meisten sehr verwundert und können es kaum glauben. Ich hatte mir ein Monatsbudget von 1.000 Euro gesetzt und dieses eingehalten. Die Differenz von 4.000 Euro zur Gesamtsumme enthalten Flugtickets, Versicherung und Anschaffungen.

Diese 16.000 Euro habe ich vorher, also in meiner Ansparphase selbst zusammengespart!

Somit konnte ich auf meine Weltreise gehen und habe gleichzeitig für meine persönliche Rente etwas getan.

 

Wer kann ein Sabbatical machen?

Die Frage ist recht einfach beantwortet!

Arbeitnehmer sowie Beamte können ein Sabbatical nehmen. Bei Arbeitnehmern kommt es in der Regel auf die Größe der Firma an. Große Firmen wie Siemens, BMW oder PWC unterstützen ein Sabbatical, währen der kleine Autobetrieb um die Ecke das eher nicht machen möchte oder gar anbietet.

Es kommt halt auf deinen Chef an, ob er die Idee eines Sabbaticals gut oder schlecht findet. Einen gesetzlichen Anspruch hast du allerdings nicht, daher immer nett danach fragen.

Bei Beamten ist es in der Regel etwas einfacher, da ein Sabbatjahr meistens in den Beamtengesetzen der Bundesländer geregelt ist. Hier ein Tipp, unter Altersteilzeit suchen, denn ein Sabbatjahr-Paragraf ist dort nicht zu finden.

Aus eigener Erfahrung, denn ich habe bereits zwei Sabbatjahre hinter mir, kann ich sagen, dass das bei einigen Vorgesetzen nicht so gern gesehen wird.

 

Wie plane oder beantrage ich ein Sabatical?

Als erstes solltest du für dich klären, möchte ich ein Sabatical machen und unter Umständen in der Firma oder im Amt auf etwas Gegenwind stoßen. Nicht jeder findet ein Sabbatical toll.

Danach stellt sich für dich die Frage, wie lange soll meine Freistellungszeit sein. Aus der Freistellungszeit kannst du jetzt deine finanzielle Situation berücksichtigen, denn wenn du zum Beispiel ein Jahr freihaben möchtest und nur ein Jahr dein Ansparzeitraum sein soll, dann bekommst du in den zwei Jahren 50% deines Gehalts. Ist dein Ansparzeitraum länger, dann erhöht sich auch dein Gehalt.

Wie du ein Sabbatical oder Sabbatjahr beantragst, das kannst du bei im Artikel „Sabbatjahr Sabbatical der ultimative Guide – Auszeit auf Zeit“ nachlesen. Dort findest du auch Gehaltstabellen in Prozent oder Musterverträge und Anträge.

 

Lohnt sich ein zeitlicher Ausstieg?

Ein Sabbatical lohnt sich für dich bestimmt. Eine Auszeit auf Zeit wird dich sicherlich verändern, aber zum Guten.

Endlich mal Zeit für dich zu haben und nicht auf die Rente warten. Vielleicht kannst du im Rentenalter gar nicht mehr deinen Traum leben, weil du einfach nicht mehr die Kraft dazu hast. Dein Traum ist es den Kilimandscharo zu besteigen, aber ob das mit 65+ noch geht?

Meine Weltreise könnte ich nicht so gestalten, wie ich sie mit vierzig erlebt habe. Du lebst dein Traum, füllst in der Zeit dein Akku auf und kommst nach dieser Zeit wieder in ein geordnetes Leben zurück.

Dein Arbeitgeber wird für sein Engagement auch belohnt. Der Mitarbeiter kommt erholt zurück, ist dankbar für diese Zeit und bringt neue Fähigkeiten mit, die er ganz unbemerkt in dieser Zeit gelernt hat.

In den meisten Fällen stellt ein Sabbatjahr für beide Parteien eine Win-Win-Situation dar.

 

Über Jens – den Autor

Raus aus der Tretmühle, raus aus dem Schmuddelwetter, einfach den Rucksack packen und für ein Jahr weg – viele träumen davon, Jens Lüdicke hat es getan. Während viele sich zwischen den Jahren zurücklehnen und gute Vorsätze fassen, schuf Jens Fakten: Er machte sich auf die Reise ins große Abenteuer.

„Früher war ich ein Reisemuffel“, sagt Jens. Erst als ein guter Freund nach Südafrika zog und er den Kontakt nicht abreißen lassen wollte, musste er zwangsweise reisen – und kam auf den Geschmack. „In Afrika habe ich Leute getroffen, die zwei Monate unterwegs waren, dann andere, die noch länger auf Tour waren. Da habe ich auch Lust bekommen.“

Trotz seiner Herzerkrankung fasste Jens Lüdicke den Entschluss, ein Sabbatjahr einzulegen und auf Reisen zu gehen. Im Jahre 2012 stieg er aus dem Hamsterrad aus und tauschte Büro gegen ein 35 Liter Rucksack. Der Plan: auf eigene Faust die Welt erkunden. Sein Abenteuer startete in Südamerika, über Sydney ging es dann weiter nach Asien und zum Ende noch in den Nahen Osten nach Jordanien. Bevor sein erstes Sabbatjahr endete, beantragte Jens schon sein Zweites, welches ihn nach Ostafrika brachte. Sein drittes Sabbatjahr ist bereits schon beantragt und in der Ansparphase. Jens schildert seine persönlichen Eindrücke von Land und Leuten und erzählt in seinem Reiseblog www.overlandtour.de und seinen Live-Diashows, in welch außergewöhnliche Situationen man auf so einer Reise geraten kann.

 

Vielen Dank, Jens für die tollen Einblicke und genieße Deine nächste Reise!

Viele Grüße

Marielle & Mike

Finanzierung eines Sabbaticals – Oder was kostet die (Frei)Zeit (Gastbeitrag)
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2 Gedanken zu „Finanzierung eines Sabbaticals – Oder was kostet die (Frei)Zeit (Gastbeitrag)

  • 5. Januar 2018 um 18:11
    Permalink

    Klasse, danke für den Artikel. Habe Freunde die für mindestens ein halbes Jahr weg wollen (Panamericana), denen schicke ich den Link zum Artikel und zu Jens Blog.

    Eine Frage habe ich allerdings, welchen Sinn macht es, das Gehalt beim Arbeitgeber anzusparen? Warum nicht selber Geld zur Seite legen (vorausgesetzt man hat die Disziplin dazu)? Gibt es steuerliche Vorteile oder für den Arbeitgeber psychologische Vorurteile/Gründe?
    Danke

    Antworten
  • 6. Januar 2018 um 22:30
    Permalink

    Eine direkte Win-Win-Situation ist es nicht. Während des Sabbaticals muss eine geeignete Vertretung da sein bzw. der Arbeitgeber kann weniger Projekte annehmen. Aber es nimmt es in Kauf, da er so den Arbeitnehmer behält. Dieser könnte sonst kündigen und wäre komplett weg. Bei uns gibt es ein Langzeitkonto, welches wir mit Überstunden und Sonderzahlungen besparen können. Dadurch kann man bis zu 6 Monate Auszeit nehmen. Vorteil statt selbst zu sparen: Die Steuerlast ist geringer und Krankenversicherung ist auch dabei.

    Glückwunsch zu dieser tollen Erfahrung! Ich ziehe auch eine Auszeit in Erwägung. Allerdings nicht um zu reisen, sondern um noch mal was Neues zu lernen.

    Antworten

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