Auf der Suche nach einem guten Einstieg in den Artikel habe ich nach „Aktienstrategien“ gegooglt. Direkt der erste Beitrag trägt den Titel „Aktienstrategien funktionieren nur selten„.

Sehr provokant wie ich finde. Also habe ich mir nochmal eine genau Definition von Strategie angeschaut:

 

Strategie ist ein genauer Plan für Handlungen, mit denen eine oder mehrere Personen ihr Ziel erreichen wollen.

Ich nehme an, dass jede Person, die in Unternehmen oder Finanzprodukte investiert, damit ein Ziel verfolgt. Um dieses Ziel zu erreichen muss eine Reihe von Handlungen vollzogen werden.

Mögliche Strategien zum Vermögensaufbau an der Börse:

Investieren in den Index,

Würfeln oder sonstiges Losen,

Buy & Hold,

Dividenden

und vieles mehr.

Es geht nicht ohne Strategie. Deshalb haben auch wir eine Strategie entwickelt und wenden diese seit Beginn des Jahres konsequent an.

Kleines Vorabfazit: Wir sparen Zeit und Nerven.

 

Unsere Aktienstrategie

Podcast hören vor dem Schlafengehen gehört zu unseren täglichen Routinen. Unter anderem läuft immer wieder der Podcast vom Finanzrocker. Dort wurden wir das erste Mal auf die Levermann-Strategie aufmerksam.

Da ich sehr anfällig für Neues und vor allem für Strategisches bin, habe ich mir am nächsten Tag das (dünne) Buch von Frau Levermann (Affiliate Link) selbst gekauft. Und direkt durchgelesen – naja zumindest die ersten zwei Teile des Buches.

 

Warum diese Strategie

Warum eine Akienstrategie habe ich anhand des eingangs zitierten Artikels erwähnt. Ohne Strategie ist ein zielgerichtetes Handeln schlichtweg unmöglich.

Warum genau diese Strategie? Trotz großer Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten, haben wir klare Vorgaben, sodass wir emotionslos investieren können.

Zuvor war es ein nervenaufreibendes Hin und Her. Die Aktien fallen, die Aktien steigen und ich wusste nicht, ob ich jetzt in das Unternehmen investieren soll oder ob ich wieder aussteigen soll. Viel zu viele Emotionen eben. Und dann beim gemeinsamen Investieren auch noch die unterschiedlichen Bauchgefühle auf einen Nenner bringen und sich auf ein Vorgehen festzulegen – schier unmöglich!

Das hat unserer Beziehung nicht gut getan und hat uns einfach nicht gefallen.

 

Wie funktioniert unsere Strategie

Unser Vorgehen ist an die Levermann-Strategie angelehnt. Und wir sind nachwievor dabei Komponenten hinzuzunehmen oder zu verändern.

Dieser Veränderungsprozess ist ein Muss, da wir immer mehr hinzulernen und das Wissen nicht ignorieren können. Aber Umsatz kommt von Umsetzen, deshalb haben wir direkt begonnen.

Insgesamt besteht unser Vorgehen aus drei Teilen:

1. Interessante Aktien auswählen

2. Kennzahlen der Aktien prüfen und beobachten

3. Einzelaktien genauer betrachten

 

Schritt 1: Interessante Aktien auswählen

Unsere allererste Auswahl an Aktien bestand aus DAX-, TecDAX-, MDAX- und SDAX-Werten, die nicht teurer als 50 Euro je Aktie gekostet haben. Das hatte einen einfachen Grund: Wir wollten gemeinsam auf eine Mindestanzahl von Aktien bei einer festgelegten Investitionssumme kommen, die wir kaufen konnten.

Heute sieht unsere Liste ein wenig anders aus. Wir beobachten den kompletten DAX und DowJones. Zudem Aktien aus Tec-, M- und SDAX auf die wir durch Berichte in Zeitschriften oder Fernsehen aufmerksam wurden. Oder Unternehmen, mit denen wir im Alltag in Berührung gekommen sind.

Insgesamt sind es mittlerweile etwa 100 Aktien, die wir wöchentlich beobachten.

 

Schritt 2: Kennzahlen der Aktien prüfen und beobachten

Ingesamt prüfen und beobachten wir 13 Kennzahlen zu jeder einzelnen Aktien. Die meisten davon aktualisieren sich selbst oder müssen nur einmal im Jahr erneuert werden.

Für jede Kennzahl gibt es Schwellenwerte, die Auswirkungen auf die Vergabe von Punkten haben. Jede Kennzahl kann die Ausprägung -1, 0 oder +1 annehmen. Am Ende werden die Punkte addiert. Dieses Vorgehen basiert auf der Levermann-Strategie.

Hier sind die 13 Kennzahlen, die in der Levermann-Strategie verwendet werden und die wir übernommen haben:

Eigenkapitalrendite:

Sie gibt die Verzinsung des Eigenkapitals an. Zwischen zehn und 20 Prozent Eigenkapitalrendite erhält ein Unternehmen 0 Punkte. Darüber +1 und darunter -1 Punkt.

EBIT-Marge:

Ist das operative Ergebnis eines Unternehmens. Also das Verhältnis zwischen dem Gewinn vor Steuern und Zinsen und dem Umsatz des Unternehmens. Bei einer EBIT-Marge von sechs bis zwölf Prozent erhält das Unternehmen 0 Punkte. Darüber +1 und darunter -1 Punkt.

Eigenkapitalquote:

Zeigt wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapitals ist. Umso höher die Quote umso höher ist die finanzielle Stabilität eines Unternehmens. Zwischen 15 und 25 Prozent Eigenkapitalquote erhält das Unternehmen 0 Punkte. Darüber +1 und darunter -1 Punkt.

Aktuelles KGV:

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie ist wohl die bekannteste Kennziffer und selbsterklärend. Das aktuelle KGV setzt den heutigen Kurs ins Verhältnis zum erwarteten Gewinn im laufenden Geschäftsjahr. Bei einem aktuellen KGV zwischen zwölf bis 16 Prozent erhält ein Unternehmen 0 Punkte. Darüber -1 und darunter + 1 Punkt.

Durchschnittliche KGV der letzten fünf Jahre:

Hier wird der aktuelle Kurs ins Verhältnis zu dem durschschnittlichen Gewinn der vergangenen zwei, dem laufenden und den kommen zwei Geschäftsjahren gesetzt. Bei einem durchschnittlichen 5-Jahres-KGV zwischen zwölf bis 16 Prozent erhält ein Unternehmen 0 Punkte. Darüber -1 und darunter + 1 Punkt.

Analystenmeinung:

Hier werden die Punkte entgegen der Analystenmeinung verteilt. Verkaufen bedeutet +1 Punkt. Kaufen gleich -1 Punkt. Halten und zu wenige Meinungen (bspw. kleine Unternehmen) bedeuten 0 Punkte.

Reaktion auf Quartalszahlen:

Wie hat sich der Kurs des Unternehmens im Verhältnis zum dazugehörigen Index am Tag der Quartalszahlen verhalten? Dazu wird die prozentuelle Veränderung des Tageskurses des Indizes von der prozentualen Veränderung des Aktienkurses des Unternehmens abgezogen. Gab es keine Veränderung (zwischen +1 und -1 Prozent), dann vergibst Du 0 Punkte. Darüber +1 Punkt und darunter -1 Punkt.

Gewinnrevision:

Dazu setzen wir die aktuelle Gewinnvorhersage ins Verhältnis zur Gewinnvorhersage von vor vier Wochen. Gab es keine Veränderung (zwischen +5 und -5 Prozent), dann vergibst Du 0 Punkte. Darüber +1 Punkt und darunter -1 Punkt.

Aktueller Kurs vs. Kurs vor sechs Monaten:

Liegen die Kurse zwischen +5 und -5 Prozent auseinander, gibt es 0 Punkte. Darüber +1 Punkt und darunter -1 Punkt.

Aktueller Kurz vs. Kurs vor zwölf Monaten:

Liegen die Kurse zwischen +5 und -5 Prozent auseinander, gibt es 0 Punkte. Darüber +1 Punkt und darunter -1 Punkt.

Kursmomentum:

Gibt es einen positiven Trend, dann vergibst Du 1 Punkt. Bei einem negativen Trend vergibst Du -1 Punkt. Bei keinem Trend entsprechend 0 Punkte.

Dreimonatsreversal:

Dies ist nur bei großend Indizes (wie dem DAX) wichtig. Hier wird beobachtet, ob die vergangenen drei Monate einem bestimmten Trend gefolgt sind. Es wird davon ausgegangen, dass der Trend sich in Kürze ändern sollte. Bei einem negativen Trend vergibst Du entsprechend +1 Punkt, bei einem negativen -1 Punt und wenn kein Trend vorhanden ist 0 Punkte.

Gewinnwachstum:

Hier vergleichst Du den bisherigen Gewinn je Aktie mit dem vorhergesagten Gewinn je Aktie. Steigt der Gewinn um mehr als fünf Prozent an, vergibst Du +1 Punkt. Bei weniger als -5 Prozend ziehst Du -1 Punkt ab. Und dazwischen erhält das Unternehmen 0 Punkte.

Wie bereits erwähnt, addierst Du alle Punkte auf. Bei vier Punkten gehen wir zu Schritt 3 unserer Strategie über. Alles was darunter ist, interessiert uns vorerst nicht weiter.

Als weitere Zugabe haben wir uns entschieden, dass ein Unternehmen mindestens für eine Woche die vier Punkte aufweisen muss, bevor wir investieren. Die Levermann-Strategie schwankt teilweise stark hin und her, so dass unnötige Kosten durch (Ver-) Käufe entstehen.

 

Schritt 3: Einzelaktien genauer anschauen

Im letzten Schritt schauen wir uns den Geschäftsbericht des Unternehmens an. Dabei orientieren wir uns an folgenden Fragen

Verstehen wir das Geschäftsmodell des Unternehmens?

Womit verdient das Unternehmen Geld?

Wo entstehen Ausgaben für das Unternehmen?

Welche Wettbewerbsvorteile hat das Unternehmen?

Sind die Wettbewerbsvorteile nachhaltig?

Baut das Unternehmen die Wettbewerbsvorteile weiter aus?

Ist das Unternehmen im digitalen Bereich vertreten?

Welche sozialen Medien werden genutzt?

Werden Produkte digital vertrieben?

Gibt es Vorhaben dies umzusetzen?

Wieso sind einzelne Kennzahlen positiv/negativ?

Eine reine quantiative Analyse eines Unternehmens lässt diese Fragen völlig offen. Da wir aber von dem Unternehmen überzeugt sein wollen, bevor in dieses investieren, gehen wir den Fragen gründlich nach.

 

Unsere Regeln

Jetzt hast Du zwar kennengelernt, wie wir die Unternehmen aussuchen, in die wir investieren wollen. Allerdings haben wir bisher noch keinen Cent investiert. Und genau darum soll es jetzt gehen.

Wenn wir ein passendes Unternehmen gefunden haben, dann überlegen wir getrennt voneinander, wie viel Kapital wir investieren wollen. Marielle entscheidet sich für ihren Betrag und ich mich für meinen.

Nach der Kaufentscheidung spielt der Kurs der Aktie keine Rolle. Wir setzen unsere gemeinsame Order und lehnen uns zurück.

Ist eine Aktie um mehr als 20 Prozent gestiegen schauen wir sie uns erneut an und setzen einen Trailing Stop-Loss. Die prozentuale Entfernung unseres Stoppkurses entspricht der maximalen, täglichen, prozentualen Schwankung der letzten 300 Handelstage. Angenommen eine Aktie weist von 300 Tagen an 298 Tagen Schwankungen von bis zu fünf Prozent auf, dann setzen wir den Stop-Loss mit einer Entfernung von 5,1 Prozent.

Auf diese Weise sichern wir unsere Gewinne ab und lassen der Aktie genug Luft um weiter zu steigen. Bei einer Trendumkehr stoppen wir aus und warten auf einen neuen Einstiegszeitpunkt.

Sollten die Kurse stark fallen bevor wir die 20 Prozent erreicht haben, sind die Gründe für das Fallen sehr entscheidend. Brexit, AfD und Co haben erstmal keinen direkten Einfluss auf unsere Bewertungskriterien eines Unternehmens. Daher werden wir die Position halten bzw. aufstocken.

Ein Verkauf erfolgt also nur, wenn das Unternehmen sich negativ entwickelt. Nokia wäre hier ein Beispiel, die als Weltmarktführer die Einführung der Smartphones verpasst haben.

 

Vorteile unserer Aktienstrategie

(1) Du hast ein klares Regelwerk, ob und wann Du Aktien käufst.

(2) Du kannst Deine Emotionen aus dem Spiel lassen.

(3) Nach Automatisierung der Kennzahlen ist Dein zeitlicher Aufwand gering (~ 1,5 Stunden pro Woche)

(4) Du hast eine hohe Lernkurve: Beispielsweise bekommst Du ein bessere Verständnis für die Geschäftsmodelle der Unternehmen und was die Kennzahlen im Einzeln bedeuten.

(5) Geringe Orderkosten, da Du im Gegensatz zur reinen Levermann-Strategie, nicht ständig die Aktien austauschen musst.

 

Nachteile unserer Aktienstrategie

(1) Hoher zeitlicher Aufwand bis zur Automatisierung.

(2) Hoher Lernaufwand bis Du die Kennzahlen verstanden hast und mit dem Lesen von Geschäftsberichten vertraut bist.

(3) Dein Geld ist länger in einer Aktie gebunden als bei der reinen Levermann-Strategie. Das bedeutet, dass Du auf manche „Kaufempfehlung“ der Kennzahlen verzichten musst, wenn Du gerade kein weiteres Kapital zur Verfügung hast.

 

Fazit und Ausblick

Eine Strategie hat immer Vorteile gegenüber blindem Handeln. Ein klares Regelwerk kann zwar verlustorientiert arbeiten, dafür können Fehler erkannt und behoben werden. Dies ist beim „chaotischem“ kaufen und verkaufen nicht möglich.

Wir praktizieren diese Strategie seit acht Monaten und fahren damit sehr gut. Sowohl den Brexit als auch den schwächsten Börsenstart ins neue Jahr seit langer Zeit haben wir ohne große Kurseinbrüche überstanden. Nach dem Brexit-Votum ist unser Depot sogar angestiegen, da die Kurse unserer Aktien aus dem DowJones positiv reagiert haben.

In Zukunft werden wir Dich weiterhin über den Verlauf und Änderungen dieser Aktienstrategie auf dem neusten Stand halten. Zudem werden wir einzelne Aktien vorstellen und sie beispielhaft anhand diesem Artikel analysieren.

Um eine wirkliche Aussage über eine Strategie treffen zu können, werden wir diese mindestens zwei Jahre testen. Dann sollte der Glücksfaktor deutlich niedriger und unsere Erfahrung deutlich gefestigter sein.

Was ist denn Deine Strategie? Oder hast Du vielleicht noch gar keine?

 

Beste Grüße
Mike

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17 Gedanken zu „Aktienstrategie á la Beziehungs-Investoren

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