Geld in der Liebe, Freundschaft oder Partnerschaft – egal ob ausgesprochen oder unausgesprochen – in jeder Beziehung spielt Geld eine Rolle.

Der Experte zum Thema „Geld“ im zwischenmenschlichen Miteinander ist Michael Mary. Er teilt sein Wissen aus über 35 Jahren Beratungstätigkeit in seinem Buch „Liebes Geld“. Und wir nutzen es heute um Dir das Phänomen des unterschiedlichen Umgangs mit Geld in Deinen Beziehungen näher zu bringen.

Diesen Artikel hat Marielle für Dich verfasst.

Das liebe Geld in unseren Beziehungen


Streit ums Geld ist ein typisches Problem in vielen Beziehungen – wenn Du danach googelst wirst Du sehen, dass es sogar eines der größten Beziehungskiller zu sein scheint. Doch woran liegt das?

Seit über einem Jahr schreiben wir darüber, dass offene Kommunikation viele Probleme löst. Was aber, wenn das nicht funktioniert? Woran kann es liegen, dass Ihr beim Geld aneinander vorbeizureden scheint?

Michael Mary berät seit vielen Jahrzehnten Paare und Singles in diesem Bereich. Zusätzlich forscht er in seinem Gebiet. Seine zentrale Erkenntnis?

Es gibt unterschiedliche Typen von Menschen. Jeder Mensch ist geprägt von einem anderen Umgang mit Geld: durch die Erziehung und das Vorleben der Eltern, die eigenen Erfahrungen mit der Verfügbarkeit und dem Verdienen von Geld und anderen erlernten, tief verwurzelten Werten.

Aufgrund dieser unterschiedlichen Prägung, verhalten sich Menschen unterschiedlich in Bezug auf das liebe Geld. Sie lieben sogar unterschiedlich!

 

Drei Liebestypen – Drei Geldtypen

Michael Mary unterscheidet zwischen der partnerschaftliche Bindung, freundschaftlichen Liebe oder emotional-leidenschaftlichen Beziehungen. Er erklärt in seinem Buch jeden Typen aus wissenschaftlicher Perspektive und anhand einer Vielzahl von Beispielen.

Liebestypen

Partnerschaftliche Liebe

Ganz früher – damals in der Frühzeit – entstanden Partnerschaften als Nutzengemeinschaften. Das Überleben war gemeinsam besser zu bewältigen als alleine. Ressourcen werden ausgetauscht und gemeinschaftliche Projekte – früher das Überleben, heute beispielsweise der Familienerfolg – realisiert.

„Wir lieben uns, weil wir Bedürfnisse miteinander befriedigen. Wir bewältigen gemeinsam den Lebensalltag und halten zueinander.“

 

Freundschaftliche Liebe

In modernen Zeiten wird die Paarbindung nicht mehr zum Überleben benötigt. Eine Beziehung hat heute die Funktion Interessen miteinander zu teilen, sich gegenseitig weiterzubringen und zu unterstützen.

Es geht also mehr um das gemeinsame Ziel des guten Zustands der Psyche der beiden Individuen in der Beziehung. Ist kein gegenseitiges Wohlwohllen gegeben, macht die Beziehung keinen Sinn – die Liebe verschwindet.

„Wir lieben uns, weil wir uns gegenseitig in unserer Entwicklung unterstützen und Interessen teilen. Wir sind einander vollkommen wohlgesonnen.“

 

Emotional-leidenschaftliche Liebe

In unserer heutigen Zeit liegt der Fokus auf der emotional-leidenschaftlichen Liebe. Es geht dabei um Selbst-Bestätigung durch die Liebe des Partners. Der Fokus liegt auf Begehren des Anderen und ganzheitliche Liebe durch das gegenseitige Offenbaren und ausgeprägte Zuwendung gegenüber dem Partner.

„Wir lieben uns, weil wir uns gegenseitig ganz und ohne Vorbehalt öffnen und uns einander uneingeschränkt zuwenden. Wir begehren uns psychisch und körperlich.“

Michael Mary ist weiterhin der Überzeugung, dass es zu den drei Liebestypen, auch drei Geldtypen in Beziehungen gibt:

Geld und Liebe

Partnergeld

In Beziehungen, in denen Leistungen ausgeglichen bzw. gegeneinander aufgewogen werden, bekommt auch Geld eine partnerschaftliche Bedeutung. Beim Partnergeld bleibt die Trennung in „Mein“ und „Dein“ Geld.

Da in der partnerschaftlichen Liebe über die gegenseitigen Leistungen verhandelt wird, klare Positionen bezogen und Angebote unterbreitet werden, werden diese Verhaltensweisen auch von Menschen gezeigt, die Geld eine partnerschaftliche Bedeutung zuschreiben.

 

Freundesgeld

Auf Basis des gegenseitigen Teilhabens wird Geld in einer freundschaftlichen Beziehung als Freundesgeld bezeichnet. Der zentrale Wunsch ist, dass der andere erfüllt ist – ob dies durch emotionale, mentale oder aber materielle Unterstützung erreicht wird, ist zweitrangig. Eine gute Tat, um den anderen in seiner Entwicklung zu unterstützen, kann durch Freundesgeld vollbracht werden.

Eigene Ressourcen werden nach dem individuellen Maßstab des Gebens geteilt und miteinander durch Geben und Nehmen ausgeglichen.

 

Liebesgeld

Liebesgeld wird geschenkt und ist mit Vertrauen in der Beziehung zu vergleichen. Denn auch dieses wird geschenkt und Dein Partner öffnet sich Dir gegenüber damit vollständig.

Geld ist damit kein materielles Gut mehr, sondern Ausdruck der Liebe, die für den geliebten Menschen empfunden wird. Das Geld wird bedingungslos verschenkt, um die Liebe auszudrücken. Ein Gegengeschenk kann ersehnt, aber nicht erwartet werden – dieses kann ebenfalls Geld oder etwas anderes (auch nicht materielles) sein.

In Beziehungen, in denen Liebesgeld eine zentrale Rolle spielt, hat es nichts mit Leistungsausgleich oder Teilhabenlassen zu tun. Es dient ausschließlich dem Ausdruck der Liebe gegenüber und Bedeutung des Partners.

 

3 Mal Geld: In der Liebe, in der Freundschaft und in der Partnerschaft

liebes Geld

Abhängig davon, ob Deine Beziehung partnerschaftlicher, freundschaftlicher oder emotional-leidenschaftlicher Natur ist, wird der Umgang mit Geld unterschiedlich sein.

Bestimmt habt Ihr auch schon den Kopf geschüttelt über andere Paare. Vielleicht sind sie in Euren Augen verschwenderisch. Oder einer nutzt den anderen finanziell aus. Ach und dann gibt es noch die, die jeden Cent gegeneinander aufrechnen.

Überleg doch mal – ist doch total logisch, warum Dir oder Euch das so vorkommt – denn deren Beziehung ist wahrscheinlich ein anderer Typ als bei Euch. Wenn Menschen unterschiedlich sein können, dann Beziehungen erst recht!

 

Vom Geld in der Partnerschaft

Eine typische Unterhaltung über Geld in einer Beziehung, die von der partnerschaftlichen Liebe und dem partnerschaftlichen Umgang mit Geld geprägt ist:

„Was hältst Du davon, wenn wir Weihnachten in diesem Jahr in der Karibik verbringen? Endlich mal Sonne und Wärme statt der Kälte in Deutschland!“

„Ja das klingt super – was kostet die Reise, die Du herausgesucht hast, denn?“

„Wahrscheinlich knapp 2.000 Euro pro Person. Wenn Du das gerade nicht hast, lege ich vor und du zahlst es über die nächsten 6 Monate bei mir ab“

„Ach das wäre super – dann lass uns das machen und ich zahle dann vor Ort noch unser Weihnachtsessen, sozusagen als Zinsen für Deine Auslage“

Partnergeld wird meist auf Basis von Verträgen oder ausgehandelten Leistungsausgleichen miteinander verrechnet. Es ist ein Tauschgut.

Damit Geld kein Konfliktthema in Eurer partnerschaftlichen Beziehung wird, könnt Ihr:

  • Über Eure gegenseitigen Leistungen verhandeln und Verträge miteinander schließen
  • Sicherstellen, dass die Leistungen gleichartig (unpersönlich vs. persönlich) sind
  • getroffene Abmachungen einfordern

Durch klare Kommunikation über Geld kann es in einer partnerschaftlichen Beziehung sinnvoll und produktiv eingesetzt werden und die Beziehung zusätzlich festigen.

 

Von Freunden und Finanzen

Wenn Eure Beziehung eher von freundschaftlicher Liebe und Geldumgang geprägt ist, wird die identische Unterhaltung eher wie folgt verlaufen:

„Was hältst Du davon, wenn wir Weihnachten in diesem Jahr in der Karibik verbringen? Endlich mal Sonne und Wärme statt der Kälte in Deutschland!“

„Ja das klingt super – allerdings habe ich gerade bestimmt nicht genug Geld. Was kostet die Reise?“

„Wahrscheinlich knapp 2000 Euro pro Person.“

„Ohje, das ist definitiv zu viel für mich aktuell. 1000 Euro könnte ich jetzt direkt anzahlen aber den Rest müsste ich erst zusammensparen – und die Gesamtsumme ist ja sicher schon ein paar Monate vor der Reise fällig?“

„Ja stimmt, das muss alles bereits 4 Monate vorher gezahlt werden. Aber wenn Du das Geld bis dahin sparen kannst. Dann lass mich doch einfach Deine Differenz übernehmen und Du zahlst dann unsere Kosten vor Ort. Hauptsache wir können zusammen verreisen – das passt dann am Ende schon“

„Ach super – bis Dezember habe ich auch genügend Geld zusammen, sodass wir ein paar Mal super schön essen gehen und einige tolle Ausflüge machen können. Das wichtigste ist wirklich, dass wir endlich mal wieder zusammen in den Urlaub fahren.“

Freundesgeld kommt von Herzen und wird auf Basis der „Teilhabelogik“ gerne – dem anderen zuliebe – gegeben.

Lebt Ihr in einer freundschaftlichen Beziehung, könnt Ihr Konflikte ums liebe Geld vermeiden, wenn Ihr:

  • Mit dem Teilen oder Geld geben, keine eigenen Interessen verbunden sind
  • Über gegenseitiges Wohltuen nicht verhandelt
  • Geben und Nehmen nicht gegeneinander aufwiegt
  • Freundschaftliches Verhalten nicht einfordert / einfordern müsst

 

Vom Lieben und Geld-Umgang

Leidenschaftlich-emotionale Liebe und das Verständnis von Liebesgeld im Fokus, gestaltet sich Eure Unterhaltung folgendermaßen:

„Was hältst Du davon, wenn wir Weihnachten in diesem Jahr in der Karibik verbringen? Endlich mal Sonne und Wärme statt der Kälte in Deutschland!“

„Ja das klingt super – ich habe allerdings aktuell kein Geld dafür“

„Ach das macht doch nichts. Ich lade Dich einfach ein. Hauptsache wir sind mal wieder gemeinsam im Urlaub und verbringen Zeit gemeinsam.“

„Das ist super von Dir! Ich freue mich total, wenn wir Weihnachten zusammen in der Sonne verbringen können. Vielleicht kann ich dann ein paar Kosten vor Ort übernehmen.“

„Mach Dir keine Gedanken, hauptsache wir sind zusammen! Ich lade Dich gerne ein, habe gerade sowieso meinen Bonus bekommen.“

Das Liebesgeld dient dem Ausdruck der Liebe und Bedeutung des Partners. Es herrscht folglich eine „Schenkungslogik“.

Konflikte ums liebe Geld in einer leidenschaftlich-emotionalen Beziehung zu vermeiden, funktioniert so:

  • Schenkt Geld bedingungsfrei an den Partner – ohne Erwartungen
  • Der Maßstab fürs Teilen und Schenken ist, dass Ihr Eure Liebe ausdrücken möchtet, nicht um geliebt zu werden
  • Ihr dürft Gegengeschenke voneinander erhoffen, erwartet jedoch keinen Ausgleich
  • Verzichtet nicht aus Liebe auf Leistungen oder Ausgleiche des anderen

 

Business, Freunde oder die große Liebe: Geld bleibt tabu?

Geld

Kannst Du Eure Beziehung inzwischen schon einordnen? Welche Geldtypen seid Ihr? Und welcher Liebestyp bist du?

Widerkehrender Streit ums Geld deutet darauf hin, dass Ihr Euch in einem der Bereiche unterscheidet. Die individuelle Bedeutung von Geld und der typische Umgang unterscheidet sich. Doch was tun, wenn Ihr jetzt wisst, warum Ihr Euch wiederkehrend über Geld streitet?

Auch Mike und ich sind unterschiedliche Typen. Für mich ist Geld in unserer Beziehung am ehesten als Partnergeld zu definieren. Für Mike trifft das Freundesgeld eher zu. Deshalb ist es für uns auch schwierig zu sagen, welchen Beziehungstyp wir wohl haben. Wahrscheinlich ist es auch da eine Mischung aus Beiden. Aus unserer Sicht machen diese Unterschiede und die verschiedenen Herangehensweisen an das Thema Geld eine offene Kommunikation noch wichtiger.

Konfliktpotential entsteht aufgrund unterschiedlicher Erwartungen, Wünsche und Verständnissen. Es hat in unserer Liebe einen abweichenden Stellenwert. Damit es hier nicht zum Streit kommt, müssen wir darüber reden – jeder geht etwas auf den anderen zu, springt mal über seinen Schatten und lernt den Partner über den gemeinsamen Austausch besser kennen.

Geld war bei uns noch nie ein Tabu-Thema. Das heißt allerdings nicht, dass es kein Diskussions-Thema war. Ganz im Gegenteil. Wir haben bereits viel über Geld miteinander gesprochen – von Anfang an. Und so einen Weg gefunden unsere unterschiedlichen Geldstile miteinander in Einklang zu bringen.

Michael Mary’s Buch wird auch Euch helfen, einander besser zu verstehen und zukünftig (noch besser) miteinander über das liebe Geld reden zu können.

Welcher Geld- und Liebestyp herrscht in Eurer Beziehung vor?

 

Money, money, money – Geld in der Liebe, Freundschaft und Partnerschaft
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2 Gedanken zu „Money, money, money – Geld in der Liebe, Freundschaft und Partnerschaft

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