Eure Ziele habt Ihr Euch gesetzt, Ihr habt diskutiert und Euch geeinigt. Jetzt geht es an die Umsetzung!

Passender als Zielsetzungstechniken wäre Zielumgangstechniken, da dieser Begriff deutlich besser beschreibt, was hier geschieht. Eure Ziele werden anhand einer Technik umformuliert, sodass Ihr in der Lage seid, mit ihnen arbeiten zu können. Was nichts anderes ist, als einen möglichst praktikablen Umgang zu schaffen.

Da das Spektrum dieser Techniken enorm ist, haben wir uns drei rausgepickt, die unterschiedliche Freiheitsgrade in der Entscheidungsmacht und Flexibilität besitzen.

 

Diesen Artikel hat Mike für Dich geschrieben.

 

Ziele der Zielsetzungstechniken

Wieso existieren Zielsetzungstechniken wie die SMART-Methode zum Setzen von Zielen? Und wieso helfen sie beim Erreichen der Ziele?

Berechtigte Fragen, denn längst nicht jeder findet diese Methoden toll – und einen garantierten Erfolg gibt es ebenfalls nicht. Hier ein paar Antworten auf diese Fragen.

 

Schwächenausgleich und Bedürfnisbefriedigung

Diese Techniken dienen als Ausgleich der Schwächen des Anwenders. Ergänzend erfüllen sie – ähnlich wie die gesetzten Ziele – die Bedürfnisse der Person. Wer sich nach Termindruck und Realitätsnähe sehnt, wird mit SMART besser zurecht kommen. Wer klare Strukturen und Vorgaben benötigt, wird eine hierarische Aufteilung angenehmer finden.

Auch wenn dies in den inviduellen Ausprägungen sehr unterschiedlich verlaufen kann, dienen die Zielsetzungstechniken als Unterstützung und Organisationsform der Zielsetzung und deren Erreichung.

 

Nachhaltigkeit

Landesübliche Vorsätze zu Silvester werden inflationär ausgesprochen und ebenso inflationär aufgegeben. Es wundert nicht, dass Fitnessstudios ab Januar Angebote raushauen, dass es knallt. In den ersten Wochen des Jahres war es bei mir morgens (7:00 bis 9:00 Uhr) viermal voller als in der zweiten Hälfte von 2016. Mittlerweile ebbt es wieder ab.

Dieses Vorgehen ist alles andere als nachhaltig. Eine passendere Bezeichnung wäre „Fixe Idee“ anstelle des Vorsatzes (= die Absicht zu einem bestimmten Zeitpunkt und Ort eine bestimmte Handlung auszuführen).

Formulieren und Verschriftlichen dienen als erster Schritt zur nachhaltigen Verfolgung des Ziels. Als nächstes können diverse Zielsetzungstechniken angewendet werden. Ein Ziel ist eben nur sinnvoll, wenn Du damit arbeitest und die nötigen Schritte umsetzt.

 

Typabhängigkeit

Wenn Du nach Zielen im Internet suchst, wirst Du in 99 % der Fälle auf das Akronym „SMART“ treffen. Und vielleicht gehörst Du zu den Personen, die damit nichts anfangen können. Das System ist sehr starr, aufwendig und erfordert realitätsnahe und messbare Ziele. Und damit ist es nicht für jeden geeignet. Beispielsweise benötige ich eine wesentlich höhere Flexibilität und sehr hoch gesteckte Ziele, um mich nachhaltig zu motivieren.

Eierlegende Wollmilchsäue gibt es nicht – auch nicht in der Zielsetzung. Welche Methode für Dich eine Bereicherung und Unterstützung darstellt, hängt stark von deinen Bedürfnissen, Vorlieben und Arbeitsweisen ab. Daher stellen wir im Folgenden drei unterschiedliche Zielsetzungstechniken vor, die verschiedene Aspekte abdecken.

 

SMART – oder doch nicht?

An diesem Akronym kommt keiner mehr vorbei, der BWL, Psychologie oder ähnliches studiert oder sich mit dem Thema Ziele befasst.

Woher kommt die Popularität?

SMART gibt klare Strukturen vor, wie ein Ziel auszusehen hat. Dies hilft bei komplexen Organisationen wie mittelständischen Unternehmen die Leistung der eigenen Mitarbeiter zu tracken. Und es hilft jeder Privatperson, die ohne klare Strukturen verratzt und verraten wäre.

Wofür die einzelnen Buchstaben stehen, weißt Du sicherlich. Zur Vollständigkeit: Spezifisch Messbar Angemessen Realitätsnah Terminiert.

 

 

Für wen ist es klug SMART zu handeln?

Pauschal: Immer dann, wenn Konsequenzen folgen sollen.

Beispielsweise ist das T vorgegeben (z. B. Klausurtermin, Bewerbungsschluss), dann erfolgt bei Nichterreichen des gesetzten Ziels eine sofortige Konsequenz: Klausur kann nicht geschrieben oder bestanden werden; Job geht an eine andere Person.

Oder Du agierst in einem mittelständischen Unternehmen, in dem es x-Mal im Jahr eine Beförderungsrunde gibt. Bei Nichterreichen findet die Beförderung ebenfalls nicht statt oder wird zum nächsten Termin verschoben.

Oder Du brauchst ganz klare Strukturen, um Deine Handlungen auf Dein Ziel auszurichten. Auch dann ist es sinnvoll diese Methode zu verwenden. Vielleicht ist eine der beiden kommenden Alternativen noch besser geeignet.

 

Vorteile SMARTer Ziele

Gesteckte Ziele wirst Du aller Wahrscheinlichkeit nach erreichen. Schließlich sind sie angemessen und realitätsnah. Hinzu kommt die Deadline, die auf Menschen motivierend wirkt. Persönlich kenne ich niemanden, der Wochen vor der Abgabefrist fertig ist. Die Planung verläuft stets auf kurz vor knapp.

Künstliche Deadlines können beflügeln und sind durch andere Methoden ebenfalls einsetzbar.

Die Messbarkeit der gesteckten Ziele ermöglicht eine schnelle und simple Bewertung. Zu Deadline X müssen mehr als Y Shirts verkauft werden. Wenn an X nur Y-1 Shirts verkauft wurden, ist das Ziel verfehlt. Sicherlich kann mir Toleranzbereichen gearbeitet werden, um weichere Grenzen zu schaffen. Doch wie tolerant oder weich sollte es dann sein?

 

Nachteile SMARTer Ziele

Wenn’s vorbei ist, ist’s vorbei. Und das ist bei einer Vielzahl von Zielen richtig scheiße!

Dein Ziel ist es japanisch zu lernen. Hast Du es verfehlt, wenn Du Dich erst einige Wochen später im Alltag verständigen kannst?

Oder Du willst die 100m unter 10 Sekunden rennen. Ist es schlimm, wenn Du es erst zwei Jahre später erreichst?

Was ist, wenn Du finanziell unabhängig sein willst, dies aber erst mit 40 anstelle von 35 schaffst?

SMARTe Ziele nehmen keine Rücksicht auf die Art des Ziels. Wenn ich das Bildungssystem derart verändern will, dass Kinder eine begabungsorientierte Förderung erhalten und Freude an dem entwickeln, dass sie wirklich gut können, bekomme ich es nicht ins SMARTe gepresst.

Dies gilt auch für Finanzen. Realitätsnahe und terminierte Finanzziele führen für die meisten Mensche zu Langeweile oder Frustration. Beides nicht geschickt für eine nachhaltige Motivation.

Missionen sind schwamming, weit in die Zukunft gelegt, unrealistisch und ohne Deadline (den Tod ausgenommen). Hier kann SMART nicht funktionieren.

 

SMART als Paar

Wohl kaum. Dazu müsstet Ihr ein sehr ähnliches Empfinden haben, was angemessen, was realitätsnah und was spezifisch bedeutet. Dies mag auf einige Paare zutreffen, von dem, was wir inzwischen kennengelernt haben, sind sie klar in der Unterzahl.

Allerdings könnte SMART ein individuelles Vorgehen für übergeordnete gemeinsame Ziele sein. Einer von Euch hat ein besonderes Bedürfnis nach Struktur und neben Uni, Arbeit und Hobbies ist SMART eine klare Erleichterung.

Auch, wenn Ihr noch keine Erfahrung mit Zielen habt, ist diese Methode ein sehr guter Einstieg um ein Gefühl zu bekommen, was funktioniert für Euch auf welche Art und wie gut.

 

Zielhierarchien aufbauen

Eine weitere Methode, die am Besten funktioniert, wenn ein vorgegebenes Ende in Sicht ist. Wir haben diese Zielsetzungstechnik unabhängig voneinander erfolgreich im Studium eingesetzt.

Endziel: Masterabschluss Psychologie mit Note x,x

Level 2 Ziele: Abschliessen der sieben Module und der Schreiben der Masterarbeit mit den Noten x,x

Level 3 Ziele: Verstehen und Wiedergeben der Skripte der Module 1 bis 7 …

Level 4 Ziele: Lesen und Durcharbeiten der Skripte der Module 1 bis 7 …

Level 5 Ziele: ….

Das Prinzip sollte klar sein.

Vorgegebenes Ende meint hier nicht, dass ein Enddatum vorhanden sein muss. Vielmehr wird ein Endzustand, wie der M. Sc. Psychologie, der Erwerb einer Sprache, der Aufbau eines Portfolios, erwartet.

 

 

Vorteile von Zielhierarchien

Größter Vorteil ist die Übersichtsgenerierung einer, nur im Kopf, nicht erfassbaren Aufgabe. Am gesetzten Ziel hängen zahllose Unterschritte, die alle abgearbeitet werden müssen, um am Ende das Produkt in Händen halten zu können.

Ein hierarchischer Aufbau erlaubt die Einschätzung der Dauer der einzelnen To-Dos, gibt eine Geschwindigkeit für die Abarbeitung vor und generiert ein sofortiges Feedback, wenn es an einer Stelle hakt.

Ziele werden erreicht, wenn sie erreicht werden. Es gibt keinen eindeutigen Verfall, was für eine Vielzahl finanzieller, persönlicher und familiärer Ziele sinnvoll ist.

 

Nachteile von Zielhierarchien

Komplexität und Einstiegshürden.

Um mehrere Levels auszudifferenzieren, braucht es zu Beginn einiges an Vorwissen oder Erfahrung. Wenn dies nicht vorhanden ist, dann steht auf dem Blatt lediglich das gesetzte Ziel. Bei Studienfächern wird dies von der Uni oder FH vorgegeben. Durch Curricula und Modulbeschreibungen ist vor dem Studium ersichtlich, was alles erbracht werden muss.

Bis dieses Hierarchiengerüst steht geht einige Zeit vorbei. Je nach Komplexitätsgrad können hier Stunden oder Tage passieren, bevor das Werk vollbracht ist. Nach Beginn steht meistens ein variables System, das immer wieder Anpassung benötigt, um die neuen Informationen einarbeiten zu können.

 

Hierarchien in der Beziehung?

Schwierig.

Um eine solche Hierarchie zu entwickeln, ist ein großes Oberziel nötig. Nur dann kannst Du es entsprechend herunterbrechen. Gerade zu Beginn einer Beziehung ist es selten, dass solche gemeinsamen Ziele vorhanden sind.

Durch das Herunterbrechen des Oberziels auf viele Teilaufgaben, kann ein Paar sich die Einzelaufgaben wunderbar aufteilen. Das erleichtert die Zielerreichung und kann ein Zusammengehörigkeitsgefühl hervorrufen.

Als Paar kann es schwierig sein mehrere Ziele zeitgleich in einer solchen Hierarchie zu verfolgen – hier spielen unterschiedliche Priorisierung, verschiedenes Tempo und variierende Kernkompetenzen mit hinein.

 

Tagebuch & Tagesplanung

Hier gibt es sicherlich tausende Varianten, die auch nicht alle auf den Tag beschränkt sind. Das Konstrukt hat die größte Flexibilität und bietet die höchste Freiheit der Gestaltung im Vergleich zu den anderen zwei Zielsetzungstechniken.

Wir bevorzugen die Personal Kanban und haben sie in Trello übertragen. Das Prinzip ist denkbar einfach.

Ziele und Ideen werden in einer Spalte gesammelt. Wird die Entscheidung getroffen ein Ziel zu verfolgen kommt es in den Backlock und gehört damit zu den Dingen, die umgesetzt werden. Als nächstes werden konkrete Aufgaben abgeleitet, die über die Bereiche Quartal, Monat und Woche hin zu „gerade am Erledigen“ wandern. Danach werden sie in die Erledigt-Spalte befördert und wenn mal gewartet werden muss, bis es mit einer Augabe weitergehen kann, kommt sie in die Warten-Spalte.

Folgende Regeln gelten:

(1) Für die Spalten „Quartal“ bis „gerade am Erledigen“ gibt es eine jeweile maximal Anzahl an Aufgaben

(2) Inhalte der Spalten müssen nach Priorität sortiert werden (Wichtigstes steht oben)

(3) Regelmäßige Planungstermine dienen zur Strukturierung der nächsten Zeiteinheit (Quartal, Monat, Woche)

(4) Abgearbeitet wird immer von oben nach unten (höchste zu niedrigster Priorität)

 

 

Vorteile der Personal Kanban

Keine der anderen Methoden legt derartigen Wert auf eine klare Priorisierung und eine permanente Adaption an die Entwicklung. In der Regel wirst Du mehrere Ziele gesetzt haben und diese parallel verfolgen. Dabei können die Prioritäten leicht durcheinander kommen. Oftmals ist nicht klar, was denn die höhere Priorität hat, da niemand fragt oder darüber nachdenkt.

Ebenfalls ist die Methode für alle Zielarten geeignet – fordert sogar verschiedene Arten und Hierarchien. Sie vereinigt die bisher vorgestellten Vorgehensweise und erweitert sie durch eine flexible Struktur für mehrere parallel aufgestellte Ziele.

 

Nachteile der Personal Kanban

Um die Kanban zu etablieren, ist einiges an Zeitaufwand nötig. Wir haben ein volles Wochenende benötigt, bis unser Trello-Board brauchbar eingerichtet war.

Auch  kann die hohe Flexibilität zur Verschleppung von Zielen führen. Und die klare Priorisierung kann zum Auflaufen mehrer To-Dos führen, da eine unliebsame Aufgabe nicht direkt angegangen wird. Dabei werden die Aufgaben mit niedrigeren Prioritäten vernachlässigt, denn es soll erst die höchste abgearbeitet werden.

An dieser Stelle ist Fingerspitzengefühl von Dir gefragt, inwiefern Du ein To-Do auf die Warteliste setzen solltest, um den Weg für die hinteren Aufgaben zu schaffen.

 

Personal Kanban als Beziehungs-Kanban?

JA! Mitte letzten Jahres hatte ich meine persönliche Kanban eingerichtet und bin damit gut gestartet. Bei der diesjährigen Zielsetzungsrunde wollten wir keine weitere Kanban einrichten und entschlossen uns meine eigene zu ergänzen.

Boost! Motivation!

Beides kam als Resultat. Durch die übersichtliche Einteilung und Priorisierung können beide nachvollziehen, wer woran arbeitet. Dadurch entsteht sozialer Druck und ein höheres Produkitivitätsniveau.

Als Schmankerl liefert die regelmäßige Absprache heißen Diskussions- und Gesprächsstoff. Insgesamt könnt Ihr als Paar Euch auf einem anderen Niveau kennenlernen. Und Eure Vorlieben über die individuellen Herangehensweisen herausfinden. Wir genießen das spannende Projekt!

 

Fazit

Zielsetzungstechniken gibt es wie Sand am Meer. Die drei vorgestellten sind nur eine Auswahl davon – aber vielleicht findet Ihr genau die passende daraus für Euch.

Abhängig vom der Intensität mit der Ihr Euch gemeinsame und nicht ausschließlich individuelle Ziele setzen wollt, machen unterschiedliche Techniken Sinn. Für viele macht es die individuelle Mischung.

Wichtig ist es, auszuprobieren und festzustellen, was Euch motiviert und zur Erreichung Eurer Ziele führt. Ist es das messbare von SMARTen Zielen? Ist es die Struktur hierarschischer Ziele? Oder ist es die Übersichtlichkeit und Priorisierung der Tagebuch und Tagesplanung?

 

Beste Grüße
Mike

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5 Gedanken zu „Mit diesen Zielsetzungstechniken könnt Ihr durchstarten

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