Alex kommt abends heim. Nach einem anstrengenden Arbeitstag, steht endlich Feierabend auf dem Programm.

Das Essen steht schon duftend auf dem Tisch. Kim hatte tagsüber den Haushalt geschmissen und für Alex eine Leibspeise zubereitet.

Alex bringt das Geld nach Hause, während Kim die Kinder erzieht und die Wohnung putzt. Nebenher geht Kim einem Halbtagsjob nach, um ein wenig in die Familienkasse zu verdienen. Und Alex hilft am Wochenende mit den Kindern und dem Haushalt.

Dachtest Du Alex ist ein Mann? Und Kim ist natürlich eine Frau oder?

Falsch. Alex ist kurz für Alexandra. Und Kim ist ein moderner Hausmann. Welche Stereotype Dich an dieser Schlussfolgerung hindern und wie Du mit ihnen umgehen kannst, erfährst Du in diesem Artikel.

Diesen Artikel hat Mike für Dich verfasst.

 

Warum es für die Frau hart ist, wenn sie mehr als der Mann verdient

Peng!

Peng! Peng!

Peng! Peng! Peng! Peng!

7 Glaubenssätze knallte Marielle auf den Tisch. Alle verbreiten Unwohlsein. Vor allem, wenn die Frau mehr verdient als der Mann.

Stereotype sind besonders hartnäckig. Als kleines Mädchen werden sie einverleibt. Nach 20 Jahren Gehirnwäsche sitzen die Gefühle tief. Und sie werden getriggert, selbst wenn der rationale Verstand etwas anderes behauptet.

 

(1) „Lass Dich niemals ausbeuten“ – Gilt auch, wenn die Frau mehr als der Mann verdient

Ohne Geld wird Mädchen schon beigebracht, das sie sich nicht verarschen lassen sollen.ausbeute - frau verdient mehr als mann

„Lass Dich nicht ausbeuten. Du arbeitest nicht für ihn. Und du schuldest ihm nichts!“

Der Mann verdient und der Mann zahlt. Als Hausfrau kommt kein Geld rein, was aber nicht bedeutet, dass der Mann über dich bestimmen kann. Korrekt.

Was ist aber, wenn Du mehr verdienst und der Mann zum Hausmann wird.

Schuldet er Dir dann auch nichts? Kann er einfach so Dein Geld ausgeben, so wie Du seins ausgeben würdest? Vermutlich nein.

Denn Du hast beigebracht bekommen: „Lass Dich nicht ausbeuten. Was Dir ist, ist Dir!“

 

Liebe Leserin: Es hat nichts mit ausbeuten zu tun

Die Familien- oder Haushaltskasse hat nichts mit Ausbeute zu tun. Egal in welche Richtung. Wenn Du Dich überproportional benachteiligt fühlst, dann sprich es an. Fordere Deinen Mann auf mit Dir an einer fairen Lösung zu arbeiten.

Damit gehst Du den ersten Schritt diesen hinderlichen Glaubenssatz zu verbannen. Die Schritte, die unter den nächsten Stereotypen stehen, werden Dir ebenfalls helfen.

 

Lieber Leser: Auch Du musst Dich nicht ausbeuten lassen

Als Mann wird von Dir erwartet, dass Du alles bezahlst, wenn Du das Einkommen mit nach Hause bringst. Auch das ist nicht nötig und im Zweifel darfst Du Dich ebenfalls unfair behandelt fühlen.

Egal wer mehr verdient, macht Euch von vornherein Gedanken über Eure Finanzen – weit vor dem ersten Zusammenziehen.

Wenn Du Geringverdiener bist und auf das Einkommen Deiner Frau angewiesen bist, dann sprich sie drauf an. Es zu verheimlichen und die Probleme nicht auf den Tisch zu packen, verschlimmert die Situation nur noch.

 

(2) Plötzlich unabhängig durch ein höheres Gehalt als der Mann

Puppenspiele im Kindergarten. Der Hausmannsladen oder die Küchenzeile erfreuen sich bei Mädchen (und teils Jungen) großer Beliebtheit. Doch wie sieht das Spiel aus?

Marielle erinnert sich: Schon damals waren die Frauen zu Hause und haben sich um die Hausarbeit und die Kindererziehung gekümmert. Der Mann war weg – er musste arbeiten und das Geld nach Hause bringen. Der Puppenmann kam erst abends zum Essen nach Hause. Doch woher kommt diese Vorstellung?

Kennst Du ein Kinderbuch, dass von einem Mann erzählt der finanziell von seiner Frau abhängig ist? Mir ist zumindest keines bekannt. Es gibt aber hunderte Bücher, die die Hausfrau porträtieren.

25 Jahre später kommt alles ganz anders. Und die Frau ist finanziell unabhängig von ihrem Mann. Drastischer noch: Ihr Mann ist abhängig von ihrem Einkommen.

Entgegen aller Vorstellungen befindet sich das Zepter in weiblicher Hand. Das bedeutet Druck. Jede Menge Druck. Denn mit dem Zepter liegt auch die Verantwortung bei der Frau.

Doch wie soll sie damit umgehen? Schließlich hat es ihr niemand beigebracht. Alle sprachen von dem scheiß Prinzen auf dem Pferd, aus dem Brunnen oder mit dem Gewehr.

 

Der Druck hat nur seine Form geändert

Druck - Frau verdient mehr als MannIn klassischer Rollenverteilung hättest Du in der Beziehung und während der Ehe geringeren finanziellen Druck. Dafür käme er umso heftiger, wenn die Beziehung in die Brüche geht und die Ehe im Rosenkrieg endet.

Ohne gelernt zu haben, wie Du mit Geld(-sorgen) und finanzieller Verantwortung umgehen sollst, stehst Du vor dem Nichts. Keine Karriere, die Ausbildung liegt 15 Jahre zurück und praktische Erfahrung kannst Du zwar im Haushalt und der Kindererziehung aufweisen – das ist für die meisten Jobs nicht ausreichend.

Demgegenüber steht die Erfahrung während der Beziehung und der Ehe mit dem Druck umzugehen. Als Unterstützung könntest Du Deinen Freund heranziehen – er ist diesem Druck seit er denken kann, ausgesetzt.

 

Du kennst die Tonnen auf der Schulter, also helfe.

Nicht für die Familie sorgen zu können, ist für Dich eine ebenso große Herausforderung wie für Deine Frau die Versorgung leisten zu müssen. Unterstütze sie die Säcke auf den Schultern tragen zu können. Beispielsweise könntest Du Dich in die Investitionswelt einlesen und weniger Geld für Technikschnickschnack ausgeben.

Wenn Ihr an einem Strang zieht und Euch die Aufgaben im Geldmanagement aufteilt, trägt jeder seine Portion der Verantwortung. Der Kuchen ist groß genug. Und Fehler begehen, gehört nun mal auch dazu – sprecht drüber und sucht nach Lösungen.

 

(3) „Männer sind Schweine“ – doch was, wenn er weniger als die Frau verdient?

In jedem Mann steckt doch immer ein Schwein.
Männer sind Säue.
Glaube ihnen nicht ein Wort.
Sie schwör’n Dir ewige Treue
und dann am nächsten Morgen sind sie fort.

Kommen Dir diese Worte bekannt vor? Sie sind so selbstverständlich, dass die Ärzte es 1998 in einem ihrer berühmtesten Lieder auf die Schippe nehmen. (Glücklicherweise, denn es war mein erster Kontakt mit dem einzig wahren Gott – BelaFarinRod.) Zur Erinnerung – hier das Meisterwerk mit Tombraider.

 

Das Lied ist die Spitze. Die Spitze eines tiefen Eisbergs.

Hollywood, Bücher und Hörspiele sind voll mit Ermahnungen an die Frau. „Männer betrügen“, „Irgendwann holt er sich eine jüngere“, „pass auf, dass er nicht irgendwann abhaut“.

Achtung! Der sicherste Hinweis, dass die Glaubenssätze stinken wie faule Eier: sie widersprechen sich.

Du sollst das klassische Frauenbild erfüllen und abhängig von Deinem Mann sein und zeitgleich ihm zutiefst Misstrauen, denn er haut ohnehin ab und lässt Dich im Stich. Hä?

Und, wenn Du unabhängig von Deinem Mann bist, dann behalte alles für Dich und teile nichts. Rette, was zu retten ist, denn er ist es ohnehin nicht wert. „Meins ist meins und wird auch immer meins bleiben. Deins ist aber unseres – so solls sein!“

Was für ein gequirlter Mist!

 

Wenn Du zutiefst misstrauisch bist

Mann ungleich Mann. Wie bei Frauen gibt es charmante, liebevolle und umsorgende Männer, die das Beste für Dich und Euch wollen. Und es gibt perfide Arschlöcher, die Dich seelisch und körperlich misshandeln können – so wie es davon Frauen gibt. Das Verhältnis ist in etwa gleich. Beide Geschlechter sind zu Gräultaten und zu Harmonie fähig.

Versuche Deinen Mann als Individuum zu betrachten und erinnere Dich an Deine Erfahrungen mit ihm. Hat er Dir stets Grund zum Vertrauen geliefert oder nur Argumente ihm nicht zu vertrauen. Für Eure Beziehung würde es den Untergang bedeuten, wenn Du Deinen Mann als Prototyp für das gesellschaftliche Männerbild nehmen würdest.

 

Lieber Mann,

rede mit Deiner Frau. Über alles – Deine Sorgen, Deine Gefühle, Deine Ängste, Deine Wünsche, Deine Begierden. Egal, ob Du eine andere heiß findest, Geld verloren hast oder Deinen Job los bist. Deine Frau kann Dir nur vertrauen, wenn Du ehrlich mit ihr und Dir bist. Dinge zu verstecken ist, als würdest Du den Lauf eines Revolvers verstopfen und dann abdrücken.

 

(4) Rabenmutter-Stempel als Dankeschön, dass sie mehr verdient als der Mann

Rabenmutter - Frau verdient mehr als Mann

Dicker Bauch. Im neunten Monat. Bald kommt Euer erstes Kind auf die Welt.

Freude und der schönste Moment.

Du verdienst deutlich mehr als Dein Mann. Üblicherweise bleibt die Frau zu Hause und kümmert sich um den Nachwuchs. Doch das macht bei Euch keinen Sinn, denn Du verdienst das Doppelte. Was tun?

Rational gesehen, teilt Ihr Euch die 14 Monate Elternzeit auf, sodass Ihr als junge Familie die gemeinsame Zeit genießen könnt. Danach würdest Du arbeiten gehen und Dein Mann kümmert sich ums Baby.

Emotional gibt es leider eine traurige Wahrheit. Würde Dein Mann weiter arbeiten gehen, würde er positive Eigenschaften hinzugewinnen. Neben der zugeschriebenen Kompetenz, würde er auch noch als herzlicher, wärmer und freundlicher wahrgenommen werden. Doch was passiert mit Dir als Frau?

Du kannst nur eine Eigenschaft haben. Zumindest in der Wahrnehmung anderer Leute. Entweder bist du warmherzig und freundlich, dann aber bitte als Hausfrau und Mutter. Oder Du bist kompetent und selbstbewusst, dann aber als Karrierefrau ohne Kind. Als Mutter verlierst Du im Job die Kompetenzzuschreibung und als Mutter Deine Wärme und Herzlichkeit.

Und was darf’s für Dich sein – Pest oder Cholera?

 

Gibt es ein Gegengift?

Mir ist nur eines bekannt. Wenn Dir auffällt, dass Du stereotypisch behandelt wirst, sprich es direkt an. Frage nach, warum Du plötzlich als inkompetenter behandelt wirst und bohre so lange bis die Argumente ausbleiben und der wahre Grund auf dem Tisch liegt. Wenn Du als Rabenmutter bezeichnet wirst, drehe den Spieß und frage, ob ein Rabenvater besser wäre?

 

Das Gefühl ist das wichtige

Als Mann kannst Du Deiner Frau helfen diese Stereotype loszuwerden. Behandele sie als das was sie ist, eine liebevolle Mutter und eine kompetente Arbeitnehmerin/Unternehmerin. Mit dem Rückhalt von zu Hause und der eigenen Familie, wächst das Selbstbewusstsein und die Ausstrahlung. Mit der Zeit verschwinden die dummen Kommentare – auch wenn es dauern kann, lange.

 

(5) Über die Frauenquote, Karrieregeilheit und warum Frauen, die mehr als ihr Mann verdienen, asozial sind

Frauenquote - Frau verdient mehr als MannJa, mehr Frauen gehören in Führungspositionen. Sie besitzen andere Kernkompetenzen, die den Streithähnen mit ihrer Hackordnung gut tun würden.

Leider erschweren politische Vorgaben, den Werdegang der Frauen, die ihn gehen möchten. Eine Position aufgrund genetischer Merkmale zu erhalten und nicht aufgrund selbsterarbeiteter Leistung und Dispositionen nagt an dem sonst großen Selbstbewusstsein.

Frauenquoten sind eine gute Idee – fürhren aber leider zur Diskriminierung. In Kindergärten und Grundschulen fehlen Männer an allen Ecken und Kanten. Und gibt es eine Männerquote? Nein. Denn es wird davon ausgegangen, dass ein kompetenter Mann sich in diesem Gebiet selbst zu Recht.

Selbst in einer Belegschaft von 25 Frauen und 1 Mann gibt es Frauenbeauftragte, aber keinen Männerbeauftragten. Systematisch brauchen Frauen Hilfe, während sie Männern verwehrt bleibt. Ob das sinnvoll ist und der Emanzipation dient?

Als Konsequenz wird bei Frauen gemunkelt, ob sie nie heiraten will, keinen Partner hat oder Kinder hasst. Aus welchem anderen Grund sollte sie sonst so viel Zeit in ihre Karriere investieren? Und da ist er.

Der Asozialenstempel.

Männer bekommen ihn nicht – zumindest nicht an dieser Stelle. Sie werden schließlich auf andere Art diskriminiert („Stell Dich nicht so an. Ein Indianer kennt kein Schmerz“)

 

Selbes Problem andere Verkleidung

Wie im Glaubenssatz zuvor hilft hier auch nur eins. Direktes ansprechen bei Bekanntwerden von Gemunkel oder unfairer Behandlung. Kommunikation ist der Schlüssel zur Befreiung von diesen Ketten. Dennoch ist Vorsicht geboten. Die Ansprache sollte stets aus der Position der Stärke fallen und kein Gejammer ausdrücken. Ansonsten führt es zum Gegenteil.

 

Männer ich kopiere Euch die Aussage von oben

Als Mann kannst Du Deiner Frau helfen diese Stereotype loszuwerden. Behandele sie als das was sie ist, eine liebevolle Mutter und eine kompetente Arbeitnehmerin/Unternehmerin. Mit dem Rückhalt von zu Hause und der eigenen Familie, wächst das Selbstbewusstsein und die Ausstrahlung. Mit der Zeit verschwinden die dummen Kommentare – auch wenn es dauern kann, lange.

 

(6) Das einzige Statussymbol der Frau verdient weniger – woher kommt die Anerkennung?

Statussymbol - Frau verdient mehr als Mann„Ach, die Frau Doktor! Wie geht es Ihnen denn heute?“ -„Wirklich? Das freut mich total für Sie. “ – „Gibt es denn was neues von Ihrem Mann? Hat er wieder eine spektakuläre OP hinter sich?“ – „Echt? Und zur Feier hat er diese Ohrringe geschenkt?“

Leider ist dies kein erfundener Dialog. Stattdessen ziert er regelmäßig die Kinoleinwand und Buchseiten.

Der Mann ist das Statussymbol der Frau.

Was aber, wenn die Frau selbst das Statussymbol ist. Und „Frau Doktor“ sich nicht länger auf die herausragenden Leistungen des Mannes, sondern auf die eigenen hervorragenden Fähigkeiten bezieht?

Je mehr der Mann verdient, desto höher steigt das Ansehen seiner Frau in der Gesellschaft. Doch, was ist, wenn die Frau deutlich mehr verdient als der Mann? Sie steigt gesellschaftlich auf und ihr Mann sinkt im Ansehen.

Und wieder ist die Beziehung in Gefahr. Er fühlt sich minderwertig, ihm fehlt die Beachtung in der Gesellschaft – und wird lustloser. Sie bekommt Bestätigung von allen Seiten, vermisst sie zu Hause und baut Abneigungen auf.

 

Welche Statussymbole?

Zunächst: Braucht es wirklich welche? Und dann: Egal in welcher Lage, ist der Mann das richtige Statussymbol – Geschenke des Mannes einbezogen? Vielleicht ist an dieser Stelle ein Umdenken nötig und es gibt andere Dinge, die Dich definieren und über die Dich Deine Umwelt wahrnehmen kann. Es muss nicht der Mann, die Handtasche oder die Schuhe sein.

Leistung, Wissen, Persönlichkeit sind die nachhaltigeren Symbole innerhalb der Gesellschaft.

 

Männer brauchen Erfolge

Anstatt dem sinkenden Schiff des gesellschaftlichen Status zuzusehen, suche Dir lieber Dinge über die Du Dich identifizieren und Anerkennung sammeln kannst. Einkommen ist eine Möglichkeit – und sicherlich nicht die einzige!

Handwerkliches und sprachliches Geschick werden sehr bewundert. Die richtigen Worte zur richtigen Zeit können die entscheidenden persönlichen Erfolge einbringen. Ganz egal was auf der Gehaltsabrechnung steht.

 

Zwischenfazit

Wenn Du jetzt schon ein besseres Verständnis für Deinen Gegenüber hast, dann freut mich das sehr. Als Frau erfolgreich zu sein, kommt mit einigen Hürden. Sowohl die weibliche als auch die männliche Perspektive tragen dazu bei.

Diese zu verstehen ist der erste Schritt zu mehr Emanzipation.

Kommen wir zu den Männern und warum sie leiden, wenn die Frau das Geld nach Hause bringt.

 


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Warum der Mann leidet, wenn die Frau mehr verdient

Für die Frau ist es verdammt schwer.

Ihr wurde beigebracht: Putzen, kochen, gebären und ernähren lassen. Gleichzeitig schwebt das Damokles-Schwert über ihrem Kopf.

Die permanente Gefahr nach der Scheidung vor den Trümmern der eigenen Existenz zu stehen. Noch schlimmer ist die eigene Handlungsunfähigkeit.

Heute sieht es anders aus. Frauen sind handlungsfähig, entscheidungsfreudig und verdienen immer besser. Die Folge?

Ohnmacht vor dem Druck. Aber ist das für Männer nicht die gleiche Situation?

Nein! Seit Generationen müssen sie ernähren, aushalten und Verantwortung übernehmen. Und plötzlich dürfen auch sie sich zurücklehnen? Wie soll das nur funktionieren!

Hier sind 6 Stereotype, die den (semi-) modernen Mann in die Hölle setzen. Direkt in den Whirlpool aus blubbernde Lava.

 

(1) 3-Tage-Woche und die Blicke im Supermarkt, wenn die Frau mehr verdient

Arbeitszeit reduzieren. Stundenlohn erhöhen. Geld, ohne zu arbeiten, erhalten. Glückwunsch an den, der es schon geschafft hat.

Was ist aber, wenn die 3-Tage-Woche kein Ziel, sondern bittere Wahrheit ist? Unfreiwillig nur 20 Stunden in der Woche Geld zu verdienen, kann schnell im Psychoterror enden.

Folgende Situation: Dienstag. 10 Uhr. Schlendern durch den Supermarkt. Die beste Einkaufszeit – die Regale sind frisch eingeräumt und keine Sau befindet sich im Laden. Nur eine handvoll Mütter und einige Rentner. Vielleicht hat sich auch ein anderer Mann dorthin verirrt.

Supermarktblicke - Frau verdient mehr als Mann

 

Gewissheit No. 1: „Ich kann es mir erlauben, jetzt einzukaufen. Denn mein Konto füllt sich dabei von alleine.“

Coole Sache. Die verstohlenen Blicke werden als Neid empfunden. „Ja, sieh‘ ruhig her. Ich kann auch zur besten Zeit hier sein. Geile scheiße, oder?“

Beim Einkaufen nebenbei das Ego poliert bekommen. So soll’s sein.

 

Gewissheit No. 2: „Ich sollte mich vielleicht lieber abends ins Gedränge stellen. Dann fällt es nicht so auf, dass ich als Mann einkaufe.“

Die selben Blicke. Entgegengesetzte Interpretation. Aufeinmal kann es sich der Mann nicht erlauben, sondern bekommt das Privileg auferzwungen.

Was sagen die Blicke jetzt? Hausmann. Arbeitslos. Kann die Familie nicht ernähren. Warum sonst sollte er hier sein?

Der aufsteigende Scham kann dafür sorgen, dass der Mann lieber abends einkaufen geht. Im Gedränge und den anderen Kerlen, die ihr Feierabendbier holen, fällt es nicht auf.

 

Was hilft, wenn Du davon betroffen bist?

Als Empfänger bestimmst Du die Nachricht. Deine Interpretation ist ausschlaggebend wie Du Dich fühlst.

Rufe Dir die Vorzüge ins Gedächtnis:

  • Der Einkauf dauert nur halb so lange
  • Du hast mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben (was auch immer es ist, einkaufen wird nicht die Erfüllung Deines Daseins sein)

Wie können Frauen unterstützen?

Zur Emanzipation gehört auch, dass der Mann dienstags um 10 Uhr einkaufen geht. Weil er zu Hause ist und sich um den Haushalt kümmert. Und weil seine Frau die besseren Karrierechancen hat.

Freut Euch über jeden einzelnen, der das moderne Familienbild mitträgt.

 

(2) Aushalten = Männlichkeit. Doch, was wenn der Mann von der besser verdienenden Frau ausgehalten wird

Männlichkeit - frau verdient mehr als MannSeit Generationen ist es Brauch, dass der Mann die Frau aushält. Finanziell natürlich!

„Bis dass der Tod Euch scheidet.“ bedeutete vor allem eins: Auch nach der Scheidung finanzierte der Mann den Unterhalt für die Frau und eventuelle Kinder weiter.

Durch Gesetzesanpassungen ist dies heutzutage eingeschränkter – dennoch verweilt das Pflichtbewusstsein tief in den grauen Zellen.

Es ist so tief verankert, dass es als männlich gilt die Frau einzuladen, zu ernähren und etwaige Schuh- und/oder Handtaschenticks zu finanzieren.

Der Spieß dreht sich. Was ist, wenn die Frau mehr verdient als der Mann und dieser sich aushalten lassen muss?

Den neusten Technikschnickschnack, die Fußballtickets oder die Restaurantrechnung übernimmt die Frau. Der Mann bekommt sie als Geschenk präsentiert.

Und schnürt es Dir schon die Kehle zu?

Als Mann ist es selbstverständlich einzuladen – aber es Bedarf ein gänzlich anderes Selbstbewusstsein sich einladen zu lassen.

 

Was hilft, wenn Deine Männlichkeit in Gefahr ist?

Tief durchatmen. Nochmal. Und nochmal.

Deine Männlichkeit wird nicht dadurch definiert wer heute wen einlädt. Eine Einladung bedeutet nicht: „Du hast nicht die Mittel mich zu finanzieren, deshalb übernehme ich das heute.“ Sondern sie bedeutet: „Du bist mir wichtig und ich möchte Dir etwas Gutes tun.“

Lass Dich einladen und fange bei Kleinigkeiten an. Pommes rot-weiß für 2,50 kratzt nicht am Ego. Denn die Welt weiß, dass Du Dir die 5 Euro leisten kannst – egal wie wenig Geld auf Deinem Konto ist.

Definiere Dich über andere Tätigkeiten: Kochen, Wasserkästen schleppen, Möbel montieren, Fußball spielen – etwas bei dem Du Dich männlich fühlst. Und rede mit Deiner Freundin über Deine Gefühlslage – gib Ihr die Chance Dich zu verstehen.

Hier ein wenig Unterstützung vom Männerversteher schlecht hin.

 

Gib ihm das Gefühl ein Mann zu sein

Männer lernen nicht Männer zu sein. Denn unser Erziehungs-, Bildungs- und Arbeitssystem schränkt den Kontakt ein. Das Aufeinandertreffen von Jungen und Männern ist im Alltag äußerst selten. Über 90 % Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen und Hausfrauen. Wo soll ein Junge erfahren, was es bedeutet ein Mann zu sein?

Was Männer lernen in Wirklichkeit keine Frau zu sein. Aber das ist was völlig anderes.

Wenn Du Deinen Freund finanzierst, dann gib ihm an anderer Stelle das Gefühl männlich zu sein. Was das ist? Kommt auf den Mann an – vermutlich das was er sehr gerne unternimmt.

 

(3) „Hausmann? Okay, aber was machst Du wirklich?“ – Fragen, die ein Mann gestellt bekommt, wenn die Frau mehr verdient

Hausmann - Frau verdient mehr als mann„Hausfrau? Mutter? Okay, aber was machst Du wirklich?“ – Eine Frage, die keiner Mutter jemals gestellt wurde.

Als moderner Hausmann wirst Du mit dieser Frage konfrontiert. Angenehm ist definitiv etwas anderes.

Kindererziehung, Haushalt, eventuell ein Halbtagsjob und jede Menge Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen. Was für Frauen als 50 bis 60 Stundenwoche akzeptiert wird, wird beim Mann nicht ernst genommen.

Doch wem gegenüber ist dies despektierlich? Der Frau, weil ihre Leistung insgeheim doch nicht anerkannt wird. Oder dem Mann, weil er doch die Familie ernähren und beschützen soll. Da stellt sich mir die Frage, ob Kochen, Wohnungspflege und Erziehung nicht auch zur Ernährung und zum Schutz der Familie gehören?

 

Was, wenn Dir die Frage gestellt wird?

Antwort: „Ich ernähre und kümmere mich um meine Familie, das füllt meine Woche aus. Wie sieht es bei Dir aus: Was machst Du sonst noch neben Deiner Arbeit?“

Solche Fragen sind Ausdruck eines tiefsitzenden Glaubenssatz. Derjenige ist nicht mehr in Lage zu überdenken, welchen Bullshit er gerade von sich gegeben hat. Seine Realität besitzt eine klare Form – meistens eine Kugel. Bekommt diese eine Kante, wird der Spachtel rausgeholt.

Mit ein paar einfachen Nachfragen kannst Du diese Person in Verlegenheit und Bedrängnis bringen. Sei Dir allerdings im Klaren, dass Du selbst verletzend wirst.

 

Bist Du eine Frau und stellst diese Frage?

Dann stelle sie doch das nächste Mal Deiner Freundin, die der gleichen Tätigkeit nachgeht. Hausfrau.

 

(4) Was mein ist, ist auch Dein – die Selbstverständlichkeit alles mit der Familie zu teilen

Unter Punkt 2 hatte ich diesen Glaubenssatz schon angedeutet. Wenn die Frau mehr verdient als der Mann wird „was mein ist, ist auch Dein“ problematisch.

Vom Mann wird erwartet, dass er alles teilt. Sein Einkommen, sein Vermögen, seine Immobilien – eben alles was einen Wert hat.

Besonders eindeutig wird dies bei Scheidungen. Im klassischen Rollenbild wird an diesem Punkt das aufgebaute Vermögen des Mannes halbiert.

Und es ist akzeptiert. Seit Generationen akzeptieren Männer, dass 50 Prozent an den Staat und mind. 25 Prozent an die Frau gehen.

Wenn das passiert, gibt es keinen Hehl, keine Vorwürfe und kein Dissen. Es ist normal. Und der Mann kommt in den Club der Ausgebeuteten.

Umgekehrt ist es keine Selbstverständlichkeit – siehe den ersten Glaubenssatz der Frau.

Mächtig Zündstoff unter der Haube. Denn die Konsequenz ist, dass die Frau hortet und der Mann weiter alles teilt. Ultimativ führt es zu einer noch größeren Kluft zwischen dem Mann und der besserverdienenden Frau.

Teilen - Frau verdient mehr als Mann

 

Was, wenn Du alles teilen willst?

Jetzt ist klares Geldmanagement angesagt. Schnapp Dir Deine Freundin, sprich über Deine Geldsorgen und arbeitet einen (fairen) Haushaltsplan heraus. Dieser sollte tägliche Ausgaben wie Essen und Miete sowie Sonderposten wie Urlaube oder Anschaffungen enthalten.

 

Wie Du Deinen Freund unterstützen kannst?

Geh auf seinen Wunsch ein, ein Haushaltsbuch anzufertigen. Schlägt er diese Lösung nicht vor, lege Du sie auf den Tisch. Teilen ist schwer, am Ende lohnt es sich für Euch beide. Denn vieles was Du teilst, wird mehr.

 

(5) Reich und sexy oder arm und hässlich. Das Aussehen des Mannes ist dabei egal.

Reich und sexy - Frau verdient mehr als MannWieso greifen reiche Männer in den Goldtopf im Genpool und sehen verdammt gut aus? Und warum scheinen arme Säue stets in die Gülle zu greifen?

Vermögen strahlt Sicherheit, Nahrung, Unabhängigkeit und einiges mehr aus, was wir als äußerst attraktiv empfinden. Leider verschwinden diese Gesichtspunkte sofort, wenn das Konto leergeräumt wurde.

Macht also der Anzug den Mann attraktiv aufgrund der Passgenauigkeit, des feinen Stoffes oder des edlen Aussehens? Oder, weil er Vermögen suggeriert und damit diese furchtbar attraktiven Eigenschaften?

Mach doch einfach Mal die Probe. Setz‘ Dich in die Bahn und versuche das Vermögen von Anzugträgern und das von Jogginghosenträgern zu schätzen. Und hast Du eine klare Meinung?

Wenn Du schon dabei bist, schätze auch sein Selbstbewusstsein, sein Wissen und seine Kompetenz…

 

Kleider machen Leute und nun?

In einem Forum las ich vor kurzer Zeit, dass arme Männer sich einer Sache sicher sein können, die reiche Männer nie bekommen werden.

Die Gewissheit, dass die Frau aufgrund der Persönlichkeit – seines Wesens – mit ihm zusammen ist und nicht aufgrund des Geldes.

Na das lässt sich sehr einfach lösen: Finde die Liebe Deines Lebens, wenn du noch mittellos bist und werde erst danach reich. Dann hast Du beides: die Gewissheit und das Vermögen.

Ansonsten – es gibt noch andere Einflussfaktoren auf die wahrgenommene Attraktivität. Charme, Selbstbewusstsein, Freundlichkeit…

 

Wenn Du mehr als Dein Mann verdienst

Mach Dir bewusst, warum Du mit Deinem Freund zusammen bist. Und lass es ihn wissen. Komplimente helfen Euch beiden weiter und Ihr könnt eine nachhaltige Beziehung aufbauen.

 

(6) Vom Biertrinken, dem Einladen und einer überforderten Kellnerin

Donnerstagabend vor 8 Jahren.

Ich hatte ein zweites Date. Wir trafen uns auf der Zeil und gingen zu einem Italiener essen.

Schon damals trank ich keinen Alkohol, sodass ich mir eine Apfelsaftschorle bestellte. Sie hingegen mochte den Geschmack von Bier und orderte ein kühles Gezapftes.

Eine kleine Falte auf der Stirn der Kellnerin deutete an, dass sie das komisch fand.

Zwei Minuten später flogen unsere Getränke heran. Nicht anders gewohnt stellte mir die junge Dame das Bier vor die Nase. Irritiert und peinlich berührt, entschuldigte sie sich als ich das Bier zu meiner Begleitung hinüber stellte und auf meine Apfelsaftschorle wartete: „Oh, tut mir leid. Ich dachte ja nur…“

Beim Essen gab es keinerlei Vorfälle – warum auch? Pizza Hawaii und Pasta besitzen keine Vorurteile.

Wir verbrachten einen sehr schönen Abend und wollten unsere Location ändern. Was war zu tun?

Richtig. Die Rechnung bezahlen. Wir bestellten – die Kellnerin kam und legte mir die Rechnung vor die Nase.

Was die Arme nicht wusste: Zuvor hatten mein Date und ich uns über eben diese Stereotype unterhalten. Also entschloss sie prompt mich einzuladen.

Für die Bedienung brach in dem Moment als die Frau mir gegenüber die Rechnung ergriff, eine Glaubenswelt zusammen. Die Worte: „Ich übernehme die Rechnung!“ gaben ihr offensichtlich den Rest. In ihrem Gesicht war eine Mischung aus Entsetzen, Unverständnis und dem Frankfurter Bahnhof zu sehen.

Ich bedankte mich. Wir verabschiedeten uns. Und ließen eine perplexe Kellnerin zurück.

Einladen - Frau verdient mehr als Mann

 

Wenn Du kein Bier trinkst

Es dauert etwa fünf bis acht Jahre bis Dein Umfeld sich daran gewöhnt hat, dass Du kein Alkohol trinkst. Wie lang es noch dauert, dass es Okay ist, dass Du Dich einladen lässt? Keine Ahnung.

Mit einem Ehering am Finger ist es einfacher – die zugeworfenen Blicke sind dennoch vorhanden. Selbst, wenn es sich um ein gemeinsames Konto handelt.

Warum ich die Situation damals und heute lustig finde? Die Kellnerin hat keine Information über uns gehabt. Sie weiß nicht, warum ich kein Bier trinke oder warum mein Date die Rechnung bezahlte. Wir hätten damals schon ein gemeinsames Konto haben können.

Heute ist es nicht anders. Die Menschen um uns herum haben keine bis sehr wenig Ahnung wie unsere Beziehung funktioniert. Sie wissen nicht, wie wir mit Geld umgehen und wie viel wir uns darüber austauschen. Und es ist auch egal – hauptsache Ihr seid Euch einig, wir Ihr Eure Finanzen regelt.

 

Reiche Dein Geldbeutel nicht unter dem Tisch rüber

Du meinst es vermutlich nur gut. Und willst ihn in der Öffentlichkeit gut dastehen lassen. Als Versorger, als Ernährer, als Hosenanhaber. Aber alles was Du vermittelst ist, dass es nicht in Ordnung ist, dass er die Rechnung nicht bezahlen kann. Dass Du von ihm erwartest, dass er Dich durchfüttert. Und, dass es für alle anderen in Ordnung ist, ihm dafür Bullshit zu geben.

Sei selbstbewusst und zahle selbst, wenn Du zahlst!

 

Fazit

Frauen haben es schon schwer mit den Stereotypen – Männer aber anscheinend ebenso.

Wie so oft ist der Schlüssel zum Umgang mit den Stereotypen die Kommunikation. Zuerst einmal miteinander.

Seid Ihr Euch als Paar einig, wer wie viel beisteuert, wer welche Rechnungen übernimmt und wer welche Pflichten in Eurem Haushalt und Eurer Familie übernimmt, könnt ihr dies in einem zweiten Schritt selbstbewusst nach Außen kommunizieren.

Eine Beziehung scheitert nicht daran, wer mehr oder weniger Geld verdient. Eine Beziehung scheitert daran, dass einer still vor sich hin leidet, da er mit einer Situation nicht so umgehen kann, wie er es sich wünscht oder vorgenommen hat. Redet darüber und findet eine Lösung für Eure Beziehung – denn grundsätzlich ist es toll, wenn die Frau mehr verdient als die Durchschnittsverdienerin. Seid gemeinsam stolz darauf und nutzt Euer Familieneinkommen weise.

Wer verdient bei Euch mehr? Und welchen der Stereotypen habt Ihr bereits selbst erlebt? 

Beste Grüße
Mike

 

Empfehlenswerte Literatur

Liebes Geld: Vom letzten Tabu in Paarbeziehungen

Geld sparen mit dem perfekten Haushaltsbuch: Wie du deine Finanzen einfach in den Griff bekommst

Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt: Vier Schritte zu einer einfühlsamen Kommunikation

 

Nichts für schwache Nerven – noch ein besonderes Video zu Stereotypen und warum es wichtig ist, miteinander zu reden.

12 Glaubenssätze: Wenn die Frau mehr als der Mann verdient

11 Gedanken zu „12 Glaubenssätze: Wenn die Frau mehr als der Mann verdient

  • 8. August 2017 um 20:59
    Permalink

    Einer eurer längsten Beiträge? 😉 Manche Stereotypen kann man nicht verhindern. Ich kann machen was ich will, aber wenn ich mal Kinder will, muss ich sie selbst austragen.

    Aktuell mache ich mir wegen Stereotypen in unserer Beziehung nicht so Gedanken bzw. wer was macht, ist eher Zufall. Ich wasche Wäsche, baue gerne Schränke auf und kümmere mich um die Finanzen. Er trifft sich 1x die Woche mit seinem Kumpel zum Kochen, Backen und Weintrinken und zockt danach noch ein paar Runden am PC. Von unserem Tagesablauf und den Berufen her kann man nicht wirklich aufs Geschlecht schließen. Ich hielt mich eigentlich immer für recht männlich, da ich z.B. keine Handtasche benutze und mich nicht schminke, aber wenn ich alleine zuhause bin, schaue ich mir Jane Austin filme an und ich gerate in leichte Verzückung, wenn ich Babys im Arm halte..

    Ich arbeite 40h pro Woche und mache Überstunden, er arbeitet 32. Trotz ähnlichem Stundenlohn verdiene ich dadurch wesentlich mehr als er und zahle dementsprechend auch öfter das Essen. Ob wir beim Zahlen schief von der Bedienung angeschaut werden, weiß ich nicht, weil ich da nicht drauf achte. Ich achte nur darauf, dass er brav das Bier bekommt und ich meinen Kirsch-Bananensaft.. 😉

    Falls wir mal Kinder bekommen, wollen wir beide etwas weniger (z.B. 30/35h) arbeiten, aber das müssen wir dann mal schauen. Kommt ja auch drauf an, wie betreuungsintensiv unsere Kinder und wie lange die Fahrtwege zwischen KITA und Arbeitgeber werden. Unabhängig vom Einkommen werde ich mindestens 1 Jahr Elternzeit in Anspruch nehmen, weil ich das aus biologischer Sicht sinnvoller finde und mein Kind beim Aufwachsen helfen möchte. Aber da das bei uns noch ein paar Jahre dauern wird, ist das noch nicht in Stein gemeißelt.

    Liebe Grüße
    Jenny

    Antworten
    • 9. August 2017 um 07:58
      Permalink

      Guten Morgen Jenny,
      ja das ist bisher unser längster Artikel. Ähnlich lang war nur „10 Möglichkeiten aktiv in Eure Beziehung zu investieren

      Das freut mich für Euch. Vielleicht hat Dein Freund das beim Essengehen eher bemerkt. Marielle bekommt diese Situationen auch nicht zwangsläufig mit. Aber ich bin dann nicht mit dem Zahlen beschäftigt, sondern habe Zeit die Menschen zu beobachten. Das ist schon sehr interessant, was sich in deren Gesichter für Reaktionen abspielen.

      Bei Kindern kann man sich glaube ich vornehmen was man will. Wenn sie erstmal da sind, haben sie von Beginn an ihren eigenen Kopf und wirbeln alles ganz schön durcheinander. Ein Plan A kann zwar nicht schaden, aber ich denke das schnell B, C, D und E greifen werden 😀

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
  • 9. August 2017 um 13:52
    Permalink

    Sehr lang und sehr gut! Es ist wünschenswert ist, dass durch diesen Artikel, und durch Gesellschaftswandel im Allgemeinen solche Stereotypen abgebaut werden und eine kritische Masse von „nicht-konventionellen“ Paaren/Familien entsteht, so dass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass z. B. ausschließlich die Mutter von der Kita angerufen wird, wenn das Kind krank ist oder im Restaurant dem Mann die Rechnung vorgelegt wird. (Allein schon darum, weil das Kind die Rollen von Männern und Frauen ganz genau registriert … .)
    Warum verdienen Männer oft mehr als ihre Frauen? Ist es ein Vorurteil, dass bei der Partnerwahl das Einkommen(spotential) des Mannes und die Schönheit der Frau gescannt werden und als F o l g e daraus in der überwiegenden Mehrheit der Paare der Mann mehr verdient?
    Zum Stil: ich nehme stark an, es ist auch ein Stilmittel, Situationen im Supermarkt oder im Restaurant zu beschreiben. Die Beobachtungen werden wohl nicht falsch sein, aber wer würde denn auf die angenommene Meinung von unbekannten Supermarktkunden oder Kellnern/Kellnerinnen etwas geben? Schwieriger ist eher, wenn Männer und Frauen längere Elternzeiten beantragen, keine Meetings nach 16 Uhr akzeptieren etc. Da kommt es dann auf die Firmenkultur, die Persönlichkeiten der Chefs und Antragsteller sowie Machtverhältnisse innerhalb der Beziehung und zwischen Arbeitgeber und -nehmer an. Auch hier ist wiederum eine kritische Masse von Leuten hilfreich, die das alles schon durchgefochten haben.
    Außerdem glaube ich, dass es in den Medien mehr Vielfalt gibt als beschrieben (die verlinkten Lieder gehören ja auch dazu) und Ihr keine 100 (zeitgenössische!) Kinderbücher nennen könnt, wo die Frau zu Hause bleibt. Gefühlt ist es eher die Wirklichkeit, die weniger divers ist als die Fiktion.

    @ Ex-Studentin: es gibt auch Argumente, die dagegen sprechen, ein Kind, das gerade 1 geworden ist, in Betreuung zu geben (erst recht, sollte diese Zahl ausschließlich aus dem Elterngeldgesetz motiviert sein). Mit 1 kommen die Zähne und das Laufen wird erlernt. Es könnte sein (ich bin kein Experte, Du kannst Dich da, wenn die Zeit gekommen ist, unideologisch informieren, vielleicht auch aus Quellen aus Ländern, wo es das Wort Rabenmutter nicht gibt), dass dies eine ungünstige Zeit ist, das Kind auch noch an eine Kita zu gewöhnen – und es vorher oder nachher besser ist.

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    • 9. August 2017 um 14:20
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      Huhu imdonger,
      danke für den Hinweis. Das Ganze hat bei uns noch Zeit. Aktuell habe ich viele Kolleginnen, die nach 1 Jahr wieder halbtags arbeiten (von 8 bis 12 Uhr). Es kommt vermutlich auch darauf an, wie wohl sich das Kind fühlt. Mein Freund hat aktuell die Möglichkeit auf Homeoffice und arbeitet Teilzeit, wodurch ggf. keine Fremdbetreuung notwendig ist. Und ab 3 Jahren kann ein Kind dann ja ganz normal mit nachmittags in den Kindergarten. War ich auch und habe nur gute Erinnerungen an die Kindergartenzeit. Schwierig als Frau ist es eher, wenn man mehrere Kinder möchte und jedes Mal eine berufliche Unterbrechung aufholen muss.

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      • 9. August 2017 um 19:16
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        Ohjeee Jenny,

        an mehrere Auszeiten will ich ja noch weniger denken als eine. Ich glaube die Rückkehr ist echt schwierig für viele Mütter – und wenn ich so meine Kolleginnen beobachte, denke ich, dass es für mich wahrscheinlich der schwierigste Part wird.
        Ich gehe wahnsinnig gerne arbeiten, aber die Vorstellung immer heim zu müssen und zu wollen und in diesem Zwispalt zu sein, keiner Seite gerecht zu werden, stelle ich mir extrem schwierig vor.

        Vielleicht passiert ja ein Wunder und wir schaffen es doch irgendwie zu organisieren, dass ich gar nicht mehr zurück muss 😀 Die Option, dass Dein Freund dann ggf. die Betreuung übernehmen kann, ist doch auch eine gute Sache !

        LG
        Marielle

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    • 10. August 2017 um 08:47
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      Hallo Imdonger,
      vielen Dank für Deinen (ebenfalls langen) Kommentar.
      Die Frage ist ja nicht nur, ob es die Folge eines Auswahlprozesses ist, sondern auchn noch wie die Lebensentscheidungen innerhalb der Beziehung getroffen werden. Bei Paaren, die Ende 20/Anfang 30 zusammen kommen, würde ich Deiner Vermutung zustimmen – vor allem da erwiesen ist, dass für Frauen Geld und Statussymbole ein starkes Auswahlkriterium dastellen. Denn diese Dinge lassen auf Sicherheit, Nahrung und Sorge schließen.

      In jüngeren Jahren (Anfang 20), wenn beide noch nichts verdienen, kommt es auf die Entscheidungen an. Wer startet welches Studium, wer nimmt welchen Job an und wer kümmert sich um den Nachwuchs. Da ist einfach noch viel zu klären – und in den Momenten können die klassischen Stereotype einen enormen Druck ausüben.

      Zum Stil: Situationen im Supermarkt und im Restaurant sind (fast) alltäglich und durch den ständigen Wiederholungscharakter relevant. Dass die Meinung unbekannter Menschen für andere eine dramatisch hohe Bedeutung hat, kannst Du vermutlich auch in Deinem Bekanntenkreis beobachten. Einige würden ungestylt nie aus dem Haus gehen, egal wo sie sind oder wohn sie gehen – weil die Blicke, die sie Treffen alles entscheidend sind. Warum haben etliche Menschen Angst vor ihnen unbekannten Leuten zu sprechen? Weil sie Wissen, dass sie bewertet werden. Und so ist das im Supermarkt/Restaurant auch. Die Blicke kommen und derjenige, der sich ohnehin schon Unwohl fühlt und unsicher ist, wird die Blicke entsprechend wahrnehmen und sich weitere Gedanken machen. Jedes Mal!

      Ab wann gilt ein Buch als zeitgenössisch? Wenn es den Wandel der Zeit spiegelt oder wenn es in den letzten 50 Jahren geschrieben wurde?

      Ein ähnliches Phänomen gibt es auch bei der Kleidung. Mädchen: Hübsch, bunt, brav. Jungen: Dunkel, Draufgänger, Teamplayer und Karriere.
      Hier sind Tshirts für Mädchen: https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=tshirts+m%C3%A4dchen

      Und hier für Jungen: https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=tshirts+m%C3%A4dchen

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      • 10. August 2017 um 12:39
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        Hallo Mike,
        „Freut Euch über jeden einzelnen, der das moderne Familienbild mitträgt“

        So sehe ich es auch. Ich bleibe aber dabei: während es für jeden direkt zu sehen ist, ob jemand ungestylt das Haus verlassen hat, kann ein männlicher Supermarktkunde um 10 Uhr morgens – auch wenn er ein Kind dabei hat – als Hausmann, als Arbeitsloser, aber auch als Selbständiger/Freiberufler oder als Schichtarbeiter interpretiert werden. Ohne ein besonders dickes Fell zu haben, liegt für mich hier der Druck im Millibarbereich. Da ich auch die anderen im Supermarkt stereotypisiere (und dadurch Komplexität reduziere) ist mir klar, dass es jene auch tun. Das geht mir nicht sehr nahe. Angst haben, fremde Leute anzusprechen, ist zumindest teilweise natürlich. Ich denke, sich nicht kennende Menschenaffen würden es auch ganz und gar nicht machen – und die denken wohl nicht „was können die anderen von mir denken“.

        Wäre es mein Blog, wäre mein Stil weniger dramatisch („schnürt die Kehle zu“ und viele andere Stellen) oder final („Alle sprachen von dem scheiß Prinzen auf dem Pferd?“ – alle, ausnahmslos?), ich teile aber uneingeschränkt Dein Fazit: reden, reden, reden. Jedes Paar/jede Familie hat eine eigene Binnendynamik, aber es ist – zumindest theoretisch – klar, dass der Haushalt (finanziell und zeitmässig) ein gemeinsames Projekt ist.

        Gruss, Imdonger

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  • 13. August 2017 um 02:15
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    Ich fand besonders den Aspekt mit der Frauenquote interessant und dass es nirgends Männerquoten und -beauftragte gibt. In der Tat scheint es die Rollenbilder eher zu festigen als sie aufzulösen, weil es impliziert, dass Frauen es nicht aus eigener Kraft schaffen können, weil sie schwächer sind als der Mann. Von einem Mann wird schießlich erwartet, dass er sich aus eigener Kraft behauptet und durchsetzt. Ansonsten hat er es eh nicht verdient, wenn er nicht die nötigen Cohones aufweist und hat sich somit als Mann und würdiger Fortpflanzungskandidat disqualifiziert.

    Meine Freundin verdient auch geringfügig mehr als ich, da sie als Geisteswisseschaftlerin in einer Behörde arbeitet und ihr Gehalt ohne Verhandlung regelmäßig erhöht wird :). Da der Unterschied gering ausfällt, stört es mich nicht. Aber ich bin ehrlich, dass es mich motiviert, mein Gehalt durch Leistung, Verhandlung und Jobwechsel zu steigern, um den Unterschied weiter zu verringern und umzudrehen.
    Gemeinsame Kosten werden geteilt. Ansonsten hat sie auch mehr Kosten wegen Auto, häufigerem Kauf von Klamotten, Beautyprodukte etc. und spart zwar schon, aber nicht sehr viel.
    Dahingegen bin ich eher frugalistisch unterwegs (außer Lebensmittel Bio, das muss sein), bin sparsamer und habe investiere in ETFs.

    Antworten
    • 14. August 2017 um 19:12
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      Hallo Elduderino,

      vielen Dank für Deine Gedanken. Dieser Unterschied bei Frauen- und Männerbeauftragte nimmt leider noch ganz andere Dimensionen an. Häusliche Gewalt ist z. B. 50/50 verteilt, auch Männer werden vergewaltigt oder leiden an psychischen Schwierigkeiten – leider ist das Hilfesuchen dort extrem schwer, da erwartet wird, dass der Mann sich selbst aus dem Schlammasel befreien kann. Das ist zwar weit weg vom Geld – basiert allerdings auf den gleichen/ähnlichen Stereotypen.

      Spannende Kombi bei Euch. Habt Ihr schonmal darüber gesprochen, wie sich Eure unterschiedlichen Lebensstile auf die nächsten 5, 10 oder 20 Jahre auswirkt?

      Beste Grüße
      Mike

      Antworten
  • 14. August 2017 um 11:30
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    „Was für Frauen als 50 bis 60 Stundenwoche akzeptiert wird, wird beim Mann nicht ernst genommen.“

    Leider wahr. Bei uns sieht es so aus, als ob ich zu Hause bleibe. Da stört mich nicht und ich freue mich.
    Aber das Umfeld sieht es eher als: Er hat keine Lust zu arbeiten, strengt sich nicht an, was für eine Rabenmutter usw

    Von Freunden weiß ich das sie schon von Krabbelgruppen ausgeschlossen wurden, weil sie Männer sind und die Frauen unter sich sein wollen.

    Umgekehrt, welche Frau akzeptiert einen Entbindungshelfer oder salopp, männliche Hebamme?
    Wahrscheinlich die wenigsten.

    Argument? „Der weiß nicht was ich fühle, kann ja selber keine Kinder bekommen.“
    Gegenfrage: Muss dein Arzt sich den Arm gebrochen haben, bevor er dir hilft?

    Die Liste an Beispielen wäre leider unendlich lang. Ich würde mir deutlich mehr Offenheit wünschen.

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    • 14. August 2017 um 19:20
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      Hallo Marcel,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Schöne Beispiele, die aufzeigen, dass einseitige Emanzipation (also eigentlich keine Emanzipation) Schaden anrichten kann. Neulich habe ich gelesen, dass Männer den Frauen etwa 50 Jahre hinterher hinken. Und an dieser Stelle auch ein Umbruch in Gange ist. Was durchaus auch in der Gesetzgebung (Vaterschaft und Sorgerecht) zu beobachten ist.

      Ich hoffe nur, dass diese Beispiele Einzelfälle sind und kein Massenphänomen darstellt. Daher würde ich mich über Erzählungen freuen, die als best practise vorausgehen können 🙂 Eines hast Du bereits genannt: Du und Teile Deiner Freunde bleiben zu Hause und es funktioniert in Euren Beziehungen!

      Beste Grüße
      Mike

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