Hallo,

es ist kurz vor Weihnachten – Geschenkezeit. Zwar nicht zu Weihnachten, aber dennoch ein Geschenk an mich war die Aktie der RWE AG. Vor vielen Jahren hat mein Vater die Aktie in mein Depot gelegt und dort liegt sie bis heute. Stand heute befürchte ich, das wird sie auch noch sehr, sehr viele Jahrzehnte – denn im Moment stehen da knapp 90 % Verlust und für mich ist damit ein Verkauf ausgeschlossen.

Aber beginnen wir von vorne und schauen uns das Unternehmen einmal genauer an.

 

RWE AG

In den Medien wurde der „Niedergang“ der Energieunternehmen als Folge des Atomausstiegs Deutschlands, der 2011, als Reaktion auf das Unglück in Japan, beschlossen wurde, bereits ausführlich diskutiert. Jeder der sich nur etwas für die Börse interessiert, wird dabei auch mitbekommen haben, zu welchen drastischen Verlusten diese Entscheidung für die deutschen Energieunternehmen (es sei an dieser Stelle neben der RWE AG noch E.ON zu erwähnen) geführt haben. Da für mich das Teilhaben am Abwärtstrend von RWE bereits deutlich davor begonnnen hat, war dies für mich jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Was macht die RWE AG eigentlich genau?

Das Unternehmen unterscheidet zwischen zwei operativen Geschäftsfeldern: der konventionellen Energieerzeugung und dem Energiehandelsgeschäft. Seit diesem Jahr kam als dritter zu beachtender Bereich noch die Mehrheitsbeteiligung an der europäischen Aktiengesellschaft innogy SE dazu – aber dazu später mehr.

 

Energieerzeugung

Das Unternehmen kann aktuell mit seinen Kraftwerken eine Stromproduktionskapazität von mehr als 40.000 Megawatt aufweisen. Damit wird in Deutschland ein Drittel der Versorgung durch das Unternehmen bereitgestellt. In diesem Bereich arbeiten an 70 Standorten rund 14.000 Menschen. Ziele dieses Bereichs sind, dass der Strom künftig klimafreundlicher erzeugt wird, weiter sicher aus der Steckdose kommt und dabei für den Verbraucher bezahlbar bleibt.

 

Energiehandel

RWE handelt global mit Energie und energienahe Rohstoffe. Dies umfasst Gas, Kohle, Öl und Strom. Außerdem werden Emissionszertifikate, Frachten, Wetterderivate und Biomasse gehandelt. Dabei ist es elementar die Stromerzeugung und das nicht-regulierte Gas-Geschäft wirtschaftlich zu optimieren. Großen Industrieunternehmen und Handelspartnern bietet RWE ein handelsgestütztes Portfoliomanagement,  langfristige Lieferkonzepte sowie Risiko-Management-Lösungen.

 

innogy SE

Seit April 2016 ist die neue Tochtergesellschaft der RWE AG operativ gestartet und ist seit Oktober auch selbst an der Börse notiert. Das Unternehmen agiert auf europäischer Ebene und hat drei Geschäftsfelder: Erneuerbare Energien, Netz & Infrastruktur und Vertrieb. Bestehenden und potentiellen Kunden sollen innovative und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen angeboten werden, mit denen sie Energie effizienter nutzen und ihre Lebensqualität steigern können. Seit dem Börsengang hat sich die Aktie eher nach unten entwickelt…es bleibt abzuwarten, wie sich dieses neue Unternehmen zukünftig entwickelt und, ob es sich etablieren kann.

 

Was beschäftigt die RWE AG?

Wie bereits gesagt, ist es seit einigen Jahren ein absolut schwieriges Umfeld für die gesamte klassische Energiebranche. Die RWE AG versucht mit einem umfangreichen Effizienzkostensteigerungsprogamm den Rückgang der Nachfrage nach Braunkohle- und Kernenergie durch den Anstieg der Steinkohle- und Gasenergie zu kompensieren.Im Jahr 2016 scheint dies auch bereits besser zu funktionieren.

Das zweite Standbein des Unternehmen – der Energiehandel – hat ebenfalls mit einem starken Rückgang zu kämpfen. Aus Unternehmenssicht ist die neugegründete Tochtergesellschaft innogy SE ein Hoffnungsschimmer, auf dem Weg zu einer organisatorischen Neuaufstellung des Unternehmens und vor allem dem erhofften finanziellen Aufschwung nach den letzten Jahren.

 

Was beschäftigt die Aktionäre der RWE AG?

„RWE AG streicht die Dividende für Aktionäre“ – mit dieser Meldung schafften sie es sogar in diesem Jahr in die Tagesschau.

Früher waren die Energieversorger absolut zuverlässige Dividendenzahler – daher waren auch viele Gemeinden, Städte und der Bund investiert. Spätestens mit der Ankündigung des Atomausstiegs ist es für die gesamte Branche aber derart schwierig geworden, dass Dividendenkürzungen an der Tagesordnung waren.

2011 hat RWE immerhin noch 2 Euro pro Aktie gezahlt – mich als Aktionär hat das immer etwas für den rasanten Niedergang des Aktienwertes entschädigt bzw. besänftigt. Als dann dieses Jahr bekannt wurde, dass RWE gar nichts zahlen wird, war dies aufgrund der vielen investierten Gemeinden, die fest mit dem Geld rechneten, eine Nachricht wert.

In der Tat sind ca. 24 % der Anteilseigner kommunale Aktionäre und das meist bereits seit Jahrzehnten. Die Stadt Essen ist beispielsweise fest von einer Dividende ausgegangen und musste somit überlegen, die Grundsteuer zu erhöhen, um den Einnahmenausfall zu kompensieren.

 

Zahlen, Zahlen, Zahlen…

Schauen wir uns nun mal die Zahlen der RWE AG an und bewerten Sie nach aktuellem Stand unserer Strategie. Danach können wir vielleicht eher sagen, wie schlecht es tatsächlich um das Unternehmen steht:

 

Eigenkapitalrendite:

-1,91 % (-1 Punkt)

EBIT-Marge:

-1,31 % (-1 Punkt)

Eigenkapitalquote:

11,21 % (-1 Punkt)

Aktuelles KGV:

negativ (-1 Punkte)

Durchschnittliche KGV der letzten fünf Jahre:

negativ (-1 Punkt)

Analystenmeinung:

Halten (0 Punkte)

Reaktion auf Quartalszahlen:

-3,80 % (-1 Punkt)

Gewinnrevision:

-7,14 % (-1 Punkt)

Aktueller Kurs vs. Kurs vor sechs Monaten:

-8,97 % (-1 Punkt)

Aktueller Kurz vs. Kurs vor zwölf Monaten:

1,21 % (0 Punkte)

Kursmomentum:

kein Trend (0 Punkte)

Durchschnittliche Dividendenentwicklung der letzten 10 Jahre

-7,20 % (-1 Punkt)

Gewinnwachstum:

-43,08 % (-1 Punkt)

 

Macht in Summe satte – 10 Punkte. Damit ist dies die Aktie mit der schlechtesten Bewertung in meinem Depot.

 

Mein Investment in RWE

Wie bereits zu Beginn erwähnt, habe ich nicht selbst in die RWE AG investiert, sondern habe diesen Wert geerbt. Wenn ich Dir den zeitlichen Verlauf nun aufzeige, wirst Du auch verstehen, warum ich die Aktie trotz der herben Verluste und der oben beschriebenen Zahlen immernoch im Depot liegen habe.

 

Der Kauf

Im Jahr 2007 hat mein Vater die Aktie gekauft. In drei Tranchen hat er in mein Depot im Januar sowie zwei Mal im März Aktien zu etwas über 80 € und dann im März zu etwas über 75 € gekauft.

Leider kann ich heute nicht sagen, was seine Gedanken bei dem Investment waren. Vielleicht hat er damals die Pressemitteilung gelesen, in der RWE angekündigt hat einen Milliardenbetrag in den europäischen Energiemarkt zu investieren, und hat daraus geschlossen, dass das Unternehmen weiter wachsen wird.

Schließlich kannte die Aktie seit Jahren (mindestens seit 2003) nur eine Richtung: nach oben! Seit 2003 hatte sich der Aktienkurs der RWE AG vervierfacht – bestimmt hat mein Vater mit meinem Opa darüber geredet, dass das bei einem solch soliden Unternehmen so weitergehen wird. Zusätzlich war die Dividendenrendite mit über vier Prozent in 2007 so attraktiv, dass er die RWE AG wahrscheinlich als gutes Investment für mich gesehen hat.

Aber was helfen Spekulationen – ab März 2007 lag in meinem Depot also ein nicht so kleiner Posten RWE Aktien und im April 2007 habe ich die erste Dividende gutgeschrieben bekommen.

 

Aktie ohne Beachtung

Mitte 2008 ist mein Papa leider plötzlich verstorben – somit hatte niemand mehr ein Auge auf mein Depot. Meine Mutter wusste zwar von den Aktien – sie war aber nicht tief genug im Thema drin und hatte – plötzlich alleine mit drei Kindern – natürlich anderes im Kopf als sich mit der Börse zu beschäftigen. Und dann kam die Finanzkrise, dann kam das Unglück in Japan und dann kam der deutsche Atomausstieg – begleitet von einem ununterbrochenen Niedergang der RWE Aktie.

Als ich mein Depot mit 18 überschrieben bekommen habe stand die Aktie knapp 15 % im Minus. Es hat dann eine ganze Weile gedauert, bis ich tief genug im Thema drin war, das Interesse entfacht war und ich die Entwicklungen meiner Aktien wirklich beurteilen konnte/wollte. Sagen wir das war in 2011…da standen die Aktien bereits 40 % im Minus. Da ich nicht in Panik verkaufen wollte und dachte, dass sich auch diese Aktie irgendwann wieder erholen wird, lies ich sie einfach liegen und freute mich Jahr für Jahr im April über die beachtliche Dividende. Die jeweilige Rendite findest Du in der Grafik.

 

RWE wird mich auch weiterhin begleiten

Die Zeit verging, ich eignete mir immer mehr Wissen an und die Aktie der RWE AG fiel immer weiter. Heute stehe ich bei -85 % – wenn ich jetzt verkaufen würde, komme ich also dem Totalverlust schon so nahe, dass sich der Verkauf nun wirklich nicht mehr lohnt. Es kann ja wirklich nur noch bergauf gehen (schließlich habe ich vor einigen Monaten bereits 90% Verlust dastehen gehabt).

Nunja – es ist nur ein Buchverlust, solange ich die Aktien nicht verkaufe. Von der Nachricht, dass es dieses Jahr nicht einmal mehr eine Dividende gab, war ich natürlich auch enttäuscht. War diese Zahlung doch jedes Jahr eine Art Entschädigung für den großen roten Betrag in meinem Depot. Aber es ist wie es ist – ich werde die Aktie weiterhin halten und hoffen, dass der Aufschwung irgendwann kommt.

Und wenn nicht, ist es auch in Ordnung – eine Depotleiche hat wohl jeder und jeder trifft wohl mal nicht die korrekte Anlageentscheidung. Ich habe sie in diesem Fall zwar nicht selbst getroffen, aber habe auch kein Problem damit, die RWE Aktien irgendwann meinen eigenen Kindern zu vererben und ihnen die Geschichte zu erzählen, dass ihr Opa diese gekauft hat. Vielleicht fällt uns dann gemeinsam noch eine gute Begründung ein, die er gehabt haben könnte.

 

Hast Du auch Depotleichen bei Dir liegen oder sogar bereits Erfahrungen mit der RWE AG gemacht? Würdest Du diese auch einfach liegen lassen oder verkaufen? 

Viele Grüße

Marielle

 

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Depotleichte Nr. 1 – RWE AG
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18 Gedanken zu „Depotleichte Nr. 1 – RWE AG

  • 18. Dezember 2016 um 19:30
    Permalink

    Hallo Marielle und danke für diesen ehrlichen Einblick in dein Depot – häufig liest man nur von den Erfolgsgeschichten und fantastischen Renditen.

    Ein Glück, dass es bei dir um Geld geht, auf welches du nicht zu einem konkreten Termin angewiesen bist.

    Ich habe keine Aktien von RWE oder einem anderen Versorger im Depot liegen, bin allerdings über einen ETF indirekt daran beteiligt.

    In deinem Fall würde ich aber wohl auch so handeln und die Aktie erst einmal halten.

    Antworten
    • 20. Dezember 2016 um 20:55
      Permalink

      Danke für dein Lob!

      Ja das stimmt – in der Tat ist es beruhigend zu wissen, dass ich das Geld nicht benötige sondern einfach abwarten kann, was passiert.

      Antworten
  • 19. Dezember 2016 um 09:39
    Permalink

    Sehr interessant!
    Zwei Punkte, die mir spontan dazu einfallen:
    – Wie du doch in der Grafik dargestellt hast, sind über die Jahre einige Dividenden geflossen. Das sollte doch das negative Bild etwas aufbessern. Grob abgeschätzt hast du doch etwas schon 30% des Einstiegskurses über Dividenden wieder eingenommen. Die wiederrum reinvestiert müsste doch schon einiges des Buchverlustes aufgeholt sein (Also vielleicht nur noch 50% im Minus?)
    – Hast du den aktuellen Artikel vom Finanzwesir gelesen? Da tauchen einige interessante Psychologische Phänomene auf – Ankereffekt, Endowment-Effekt… (als Buchempfehlung kann ich Daniel Kahnemans Thinking, fast and slow sehr empfehlen – da werden die alle näher behandelt). Was ich damit sagen will: Erwartest du, dass sich RWE in der nächsten Zeit besser entwickelt als andere Aktien in deinem Depot? Evtl. würde sich das wenige noch übriggebliebene Geld in eine andere Aktie investiert schneller wieder vermehren? Festhalten am Einstiegskurs ist rational evtl. nicht sinnvoll.
    Gruß,
    Kai

    Antworten
    • 20. Dezember 2016 um 21:00
      Permalink

      Hallo Kai,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!

      Zu deinem ersten Punkt…das habe ich mir auch schon oft gedacht. Wenn ich irgendwann mal Zeit habe (so ein schlimmer und unrealistischer Satz) will ich mal alles aufschreiben, was ich bisher an Dividenden von RWE erhalten habe. Klar diese Sachen sind reinvestiert in besser laufende Investments. Und ja, das kann einen wieder etwas versöhnen 😉 Wäre nur schön, wenn es nächstes Jahr auch wieder eine Dividende gibt.

      Vielen Dank für die Empfehlung…den Artikel werde ich mir gleich mal zu Gemüte führen 😉 Klingt sehr spannend. Und nein leider erwarte ich nicht, dass sich RWE in naher Zukunft gut entwickelt. Allerdings ist nur noch so wenig Kapitel übrig…das lohnt sich nicht wirklich die 1000 Euro woanders zu investieren aus meiner Sicht…und irgendwie tut mir die Zahl als Mahnmal im Depot auch ganz gut. Sie zeigt mir, dass ich mich immer mit meinen Aktien beschäftigen muss (oder es eben ganz sein lassen sollte) und Nachlässigkeit bestraft wird 😉 Das mit der Rationalität ist dann eine andere Sache 😉 Hast Du auch eine Aktie, bei der du mit rationalem Handeln nicht weiterkommst ?

      LG
      Marielle

      Antworten
      • 21. Dezember 2016 um 12:40
        Permalink

        Börse ist 10 % Wissen und 90 % Psychologie oder wie war das noch?

        Ich hab zum Glück keine ähnliche Aktie im Depot. Das liegt allerdings nicht an meinen genialen Stockpicking Fähigkeiten (die Einige der anderen Kommentatoren offensichtlich besitzen. Respekt!) sondern am genauen Gegenteil. Ich hab keine Ahnung von Firmenbewertungen und Aktienanalysen. Daher gibts bei mir bis jetzt nur ETFs auf langweilige Indizes. Der Durschnitt reicht mir. Schlimm genug, dass ich immer mal wieder beim Kaufzeitpunkt versuche den MArtk zu timen …

        Direkt Aktien kaufen würde mich zugegeben auch reizen (der Spieltrieb…), aber dafür müsste ich mich deutlich mehr mit der Materie auseinander setzen als ich derzeit bereit bin. Außerdem ist da natürlich eine gewisse Kapitalmenge gefragt um Effektiv in etwa 30 verschiedene Positionen investieren zu können.

        Wie habt ihr die Entscheidung getroffen: ETFs oder Einzeltitel?

        Antworten
        • 21. Dezember 2016 um 20:42
          Permalink

          Hi Kai,

          schön wieder von dir zu lesen!

          Das mit dem Spieltrieb kenne ich nur zu gut – mit der Hauptgrund, warum ich in Einzeltitel investiere. Es macht einfach Spaß und nur ETFs wären mir wohl zu langweilig. Aber ich beschäftige mich auch einfach gerne mit der Börse und finde das wahnsinnig spannend.

          Das wäre auch schon die Antwort auf deine Frage – Ich hatte zuerst Einzelaktien und habe erst später von ETFs erfahren. Dann habe ich mich dazu entschieden monatlich ETFs zu besparen, um diese als Ergänzung zur Altersvorsorge zu haben unabhängig davon, wie die Einzeltitel so laufen. Bei ETFs genieße ich es, dass ich nichts mehr tun muss, sondern das einfach so passiert und ich nur sehe, wie es jeden Monat ein größerer Anteil in meinem Depot wird.

          LG
          Marielle

          Antworten
  • 19. Dezember 2016 um 10:02
    Permalink

    Hallo Marielle,

    dies ist leider der typische Verlauf, wie sehr viele ihr Depot zerschießen. Deine Umstände sind wirklich individuell und ich hoffe, du ziehst wirklich deine Lehre aus dieser Aktie! Denn eines ist mal ganz klar, wenn jemand ein Aktiendepot verwaltet und wir einen Crash haben, dann gehen alle Aktien mit 30% und mehr in den Keller. Hoffen und nicht handeln ist dann aber definitiv die falsche herangehen weise. Nur eine knallharte Analyse und das schnelle handeln, retten in einem solchen Fall ein Depot. Wer 2000 auf die Erholung der Aktien im neuen Markt gehofft hat (ich war so einer) der hat sein Depot auf ewig vernichtet! Wer 2007 geglaub hat, die Banken und hier allen voran Lehmann werde das Schiff schon schaukeln, der hat ebenfalls sein Depot auf ewig als „Mahnmal“ auf seinen Auszug! Ich habe aus 2001 gelernt und 2008 alle Banken komplett aus dem Depot geschmissen und noch in der Krise gegen Komsumaktien getauscht, diese waren zwar im Crash in Sippenhaft, haben sich aber genauso schnell wieder erholt. Naja was die Banken seitdem gemacht haben sieht ja jeder selber 🙂

    Also ein Mahnmal ist ok, aber eigentlich komplett überflüssig! Ich trenne mich sofort!!! von Aktien, welche die damaligen Kaufkriterien nicht mehr erfüllen. Hoffnung und glauben haben grundsätzlich nichts an der Börse verloren!
    Beste Grüße aus Hamburg

    Antworten
    • 21. Dezember 2016 um 20:22
      Permalink

      Hallo Fiete,

      du hast vollkommen Recht, dass ich in dem Fall der RWE Aktie viel schneller hätte handeln müssen. Es gab sicher genug Gelegenheiten. Das war damals einfach mangelnde Erfahrung und die damit verbundene Angst etwas falsches zu tun – dann einfach gar nichts zu tun, hat sich im Nachhinein eben nur bei einem Teil meiner Aktien ausgezahlt. Aber daraus lernen ist das wichtige, wie du schon sagst.

      Sie jetzt noch zu verkaufen sehe ich allerdings als nicht zielführend an. Ich habe knapp 90 % Verlust und es steht kein hoher Betrag im Depot. Eine Reinvestition würde sich kaum mehr lohnen – daher behalte ich das Mahnmal und schaue wozu es führt.

      LG
      Marielle

      Antworten
  • 19. Dezember 2016 um 17:52
    Permalink

    Ich schmeiße konsequent die Schlechten raus und behalte die Guten. Irgendwann hat man nur noch Gute im Depot (die meisten machen es genau anders herum). Wie Fiete schreibt, muss man nur aufpassen, dass man seine Guten nicht auch rausschmeißt, wenn sie in Sippenhaft genommen werden. Also auf das Geschäftsmodell schauen und dann klug handeln, was leicht gesagt und schwer getan ist.
    E.ON habe ich vor Jahren verkauft, gerade mal so +/- null.

    Antworten
    • 21. Dezember 2016 um 20:24
      Permalink

      Hallo Alexander,

      wie wahr 😉 Wenn man nur immer so eindeutig sagen könnte, was die Guten und was die Schlechten sind. Aber ich bin mir sicher mit zunehmender Erfahrung wird das immer besser.

      Glückwünsch zum rechtzeitigen Ausstieg aus der Talfahrt!

      LG
      Marielle

      Antworten
  • 20. Dezember 2016 um 01:32
    Permalink

    Hallo Marielle,

    danke für Deinen ehrlichen und offenen Beitrag, das findet man viel zu selten. Deine Geschichte erinnert mich an eine Bekannte, die etwa zur selben Zeit E.ON und VW-Aktien von ihrem Vater geerbt hat. Die VW-Aktien hat sie einen Tag, bevor sie auf 1000 Euro schossen, irgendwo bei 450 Euro verkauft (aus heutiger Sicht immer noch ein super Preis). Die E.ON-Aktien aber erst im November 2014 zu einem Preis von 14,20 Euro. Aus heutiger Sicht auch keine schlechte Entscheidung. Sie hatte es allerdings etwas leichter, weil der Kaufkurs ihres Vaters nicht mehr zu ermitteln war; es gab also quasi keinen „Anker“ im Kopf. Ihre Schwester hatte genau die gleichen Aktien geerbt und davon bis heute nichts verkauft. Die Frage, die man sich stellen muss, ist doch: würde man das in der Aktie gebundene Kapital, wenn man sie noch gar nicht besäße („grüne Wiese“), wieder dort investieren? Nach Deiner Analyse (-10 Punkte) dürfte die Antwort bei RWE wohl eher „nein“ lauten. Und dann muss man meines Erachtens sofort verkaufen. Aber ich kann verstehen, dass es schwerfällt. Es sind geerbte Aktien, da besteht doch oft eine emotionale Bindung an die Papiere. Deshalb weiß ich nicht, ob es mir in einer vergleichbaren Situation gelungen wäre, die Reißleine zu ziehen. Die Schwester meiner Bekannten hat es bis heute nicht geschafft. Meine Bekannte hat den Erlös aus den Verkäufen in Papiere wie Microsoft etc. umgeschichtet und das geerbte Kapital verdoppelt…

    Colibri

    Antworten
    • 21. Dezember 2016 um 20:36
      Permalink

      Hallo Colibri,

      danke für deine Einblicke 😉 Beruhigend zu lesen (auch wenn man es natürlich irgendwo weiß), dass es anderen ähnlich geht.

      RWE ist neben einem Fonds die einzige Aktie, die ich von meinem geerbten Depot nach wie vor halte. Alle anderen habe ich mit der Zeit mit großem Gewinn oder aus dem Grund des mangelnden Verständnisses (verschiedene Fonds) verkauft und dann reinvestiert. Vor allem in letzterem Fall bin ich froh, dass ich mich so entschieden habe – auch das war ein längerer Prozess, da ich lange dachte „naja mein Papa wird sich ja schon was bei gedacht haben“. Aber irgendwann habe ich genug eigenes Wissen angesammelt gehabt und hatte verstanden, dass ich meine eigenen Entscheidungen auf Basis der aktuellen Lage und nicht auf Basis der potentiellen Gedanken meines Vaters in einer ganz anderen Situation treffen muss. Für den Verkauf der RWE Aktien war es da nur bereits viel zu spät und wie bereits oben geschrieben, macht es aus meiner Sicht absolut keinen Sinn sie zum jetzigen Zeitpunkt zu verkaufen – denn sie können ja nun wirklich quasi nicht mehr tiefer sinken.

      LG
      Marielle

      Antworten
  • 20. Dezember 2016 um 13:02
    Permalink

    Interessanter Erfahrungsbericht. Vor dem Unglück in Japan hätte ich nicht gedacht, dass die großen Energiedienstleister aus Deutschland bis 2016 eine solche Performance hinlegen. Danach war es dann allerdings absehbar. Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber der einzige Grund für mich, eine Aktie aus Vor-Abgeltungssteuer-Zeit zu halten, wäre, dass man in Zukunft doch noch mal einen Gewinn erwartet, den man nicht versteuern möchte. Das dürfte hier aber bei -90 % + Abspaltung des Zukunftsgeschäfts (innogy) schwer werden…

    Antworten
    • 21. Dezember 2016 um 20:39
      Permalink

      Hallo EasyWISA,

      achja an das Argument „aber hier zahle ich doch gar keine Abgeltungssteuer“ habe ich mich auch viel zu lange geklammert…würdest Du es als Abspaltung mit innogy bezeichnen? Letztendlich ist es ja eine 100% Tochter und somit würde ich hoffen, dass RWE auch von potentiellen Erfolgen von innogy partizipiert?

      LG
      Marielle

      Antworten
  • 23. Dezember 2016 um 10:42
    Permalink

    Hallo Marielle,

    danke für den etlichen Beitrag!

    Ich habe auch noch ganze drei Depotleichen in meinem Depotkeller!

    1. Telekom (seit Emission)
    2. Aixtron (ich kann es noch immer nicht fassen)!
    3. EON (die machen das schon)

    Andere Positionen haben das mehr als wett gemacht, jedoch sind habe diese drei heute einen eher symbolischen Wert für mich (Psychologie!)

    1. Telekom –> Fall nicht auf einen Hype bzw. die Medien rein.

    2. Aixtron –> egal wie gut die Kennzahlen und die Zukunftsaussichten für ein Unternehmen sind. Es kann immer schief gehen und es wird immer schlimmer.

    3. EON –> Kein noch so großes Unternehmen ist in der heutigen Zeit sicher. Disruptionen aus der Start Up Szene, politische Umwälzungen, usw. machen auch die beste Cash Cow kaputt.

    Für alle die einfach in ruhe Geld verdienen möchten, ihr kennt ja alle die Antwort. Fängt mit E an, hat n T in der Mitte und hört mit einem F auf ;-).

    Liebe Grüße,
    Michael

    Antworten
  • 30. Dezember 2016 um 00:07
    Permalink

    Hallo Marielle,

    ich kann verstehen, dass du mit einem so hohen Verlust nicht verkaufen möchtest. Da ist zum einen das Prinzip Hoffnung und zum anderen die Einstellung „lohnt sich eh nicht mehr, dass bisschen“.

    Genau das ist mir z.B. mit Esprit auch passiert. Die hatte ich mit gut -70% jahrelang im Depot. Bis ich irgendwann mal theoretisiert habe, dass sich „das Bisschen“, was die Papiere noch wert waren, mittlerweile fast wieder verdoppelt hätte, hätte ich vor Jahren bei ähnlichem Minus verkauft und stattdessen in etwas investiert, dass sich mit dem Markt entwickelt hätte.

    Deshalb halte ich es wie Alexander: alles, was kein Wachstumswert mehr ist „raus damit“. Egal wie groß der Verlust ist: die Depotpeformance wird durch das Reinemachen belohnt.

    Gruß!

    Antworten
  • 31. Dezember 2016 um 12:19
    Permalink

    Ich kann deinen Vater verstehen, warum er RWE gekauft hat: Es war ein Witwen- und Waisenpapier, ein solides Unternehmen. Energie braucht man schließlich immer. Dass die Politik derart borniert ist und ihr EEG-Monstrum nicht einfängt, war 2007 nicht absehbar. 2007 waren die Folgen des EEG auch noch nicht derart dramatisch. Ich habe im Januar 2011 RWE-Aktien gekauft, zwei Monate vor Fukushima. Dass die Regierung Merkel unverünftig wird und plötzlich eine populistische Energiepolitik betreibt, hätte ich nie für möglich gehalten. Heute schimpfen ja alle, 2016 wäre das Jahr der Populisten gewesen: Brexit, Trump, AfD etc. Aber offenbar unterscheidet man zwischen gutem und schlechtem Populismus. Die Wahl Kretschmanns zum MP von Baden-Württemberg auf der Fukushima-Welle war zusammen mit dem Schwenk unserer Bundesregierung größtmöglicher Populismus. Zur Erinnerung: Eine Kommission mit Theologen und Soziologen beschloss dann den Ausstieg.

    Objektiv gesehen wäre Fukushima eigentlich der Grund gewesen, weiter zu machen. Es brauchte erst ein Jahrhunderterdbeben und einen Jahrhunderttsunami, um den GAU zu verursachen. Und die Folgen sind verglichen mit dem, was immer kolportiert wird, gering. In wenigen Jahren wird die Region um das havarierte Kernkraftwerk wieder freigegeben.

    Dass die Politik so unverünftig sein kann und sich auch noch selbst ins Fleisch schneidet (viele SPD-Kommunen in NRW leiden darunter, dass die Dividende nicht mehr fließt), hätte ich nie für möglich gehalten.

    Die machen weiter bis zum Endsieg der „erneuerbaren Energien“ und erst wenn die deutsche Industrie in Asche liegt, nehmen sie die Realität wieder war.

    Ich kann die Fukushima-Reports von Manfred Haferburg empfehlen: http://www.achgut.com/autor/haferburg

    Antworten
  • 6. Januar 2017 um 13:45
    Permalink

    Es stellt sich für mich gar keine Frage: VERKAUFEN!

    Wie du selbst geschrieben hast, hast du sonst alle Aktien und Fonds (egal ob im Plus oder Minus) verkauft! Warum? Weil du andere Bewertungskriterien hast als dein Vater. Bewerte die Aktie doch einfach so, als hättest du die Aktie 2011 gekauft oder besser verkauft und anders investiert – nach deinen Kriterien! Da sollte man auch konsequent sein und regelmäßig, egal ob bei Gewinn oder Verlust, Aktien rausschmeißen, die nicht mehr passen. Du hast die Aktie doch gerade nach deinen Kriterien bewertet. Warum also nochmal die Mühe machen, wenn es jetzt schon nicht passt? Bei minus Fünf sieht es auch nicht besser aus, oder? 😉

    Wenn du jetzt nicht verkaufst, weil du sagst, dass es sich nicht lohnt, hast du die 1000€ doch eh schon geistig abgeschrieben.

    mögliche Szenarien:
    Szenario 1: die Aktie fällt weiter. Ist egal, weil du das Geld eh schon abgeschrieben hast?
    Szenario 2: die Aktie bleibt ungefähr stabil. Erwartest du das für die Aktie? Erwartest du das auch von deinen anderen Investitionen?
    Szenario 3: die Aktie steigt, womöglich sogar enorm. Du bist überrascht (ich auch 😀 ), die positive Bestärkung hast du aber nicht, da du die Aktie nicht selbst ausgesucht hast.
    Außerdem könnten andere Investitionen noch besser gelaufen sein…

    Antworten

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